Hilfsorganisationen sammeln Urlaubsmünzen
Euro-Einführung löst Spendenflut aus

Wenn das Euro-Bargeld kommt, bricht den Hilfsorganisationen eine wichtige Einnahmequelle weg: die so genannten Urlaubsmünzen aus den Euro-Ländern. Allein Unicef sammelte im vergangenen Jahr bundesweit über 500 000 DM. Der Wettbewerb um das Restgeld ist deshalb in vollem Gang - und er lohnt sich.

DÜSSELDORF. Mehr als 40 Tonnen übrig gebliebener Urlaubsmünzen sind schon bei Unicef eingetroffen - das entspricht rund einer Million DM. Für Eric Mayer, den Koordinator der Unicef-Aktion, ein überwältigender Erfolg: "Letztes Jahr kam durch die Sammlung rund eine halbe Million Mark zusammen, im Jahr 2002 haben wir die Summe bereits verdoppelt." Über 20 000 Apotheken hatten bis zum 15. Oktober überall in Deutschland das meist von Banken "ungeliebte" Restgeld ihrer Kunden zu Gunsten des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen entgegengenommen.

Eric Mayer freut sich nicht alleine. Der Wettbewerb um das Urlaubsgeld für den guten Zweck ist in vollem Gang. Und er lohnt sich. Die Sammelaktionen der gemeinnützigen Organisationen sind ein voller Erfolg. Claudia Hink von der Stuttgarter Hilfsorganisation "Brot für die Welt" spricht von "unheimlich vielen Nachfragen". Der Inhalt sei zwar noch nicht ausgezählt. Aber Gemeinden, Schulen oder Bäcker forderten die Sammelboxen aus Pappe mit der Aufschrift "GO, GO, GO - Jetzt ummünzen", Aktionsbroschüren oder Plakate ständig nach.

Das gleiche Bild beim Deutschen Roten Kreuz (DRK): Rund 270 000 rote Tüten, gefüllt mit Urlaubsmünzen und-scheinen, sind bereits wieder zurückgeschickt worden, bilanziert Pressesprecher Lübbo Roewer: "Wir sind vollauf zufrieden." Rund 10 Mill. Sammelkuverts wurden und werden noch in den nächsten drei Monaten bundesweit verteilt. Die Aktion "Geben Sie uns den Rest" soll 10 Mill. DM bringen, um soziale Projekte im In- und Ausland zu finanzieren. Der Kampf um das Restgeld, ausgetragen über Fernsehshows, bundesweite Plakataktionen und Werbespots, hat einen einfachen Grund: Wenn das Euro-Bargeld am 1.Januar 2002 kommt, bricht den Organisationen eine wichtige Einnahmequelle weg.

Ein Kilogramm Fremdwährung bringt nach Abzug aller Kosten rund 25 DM. Sponsoren finanzieren fast alle Aktionen. So transportieren das Technische Hilfswerk und der Apotheken-Großhandel das Geld für Unicef kostenlos zu einer gemeinsamen Sammelstelle, von dort aus wird es in die Zentralbanken der Länder zum Umtausch geschickt.

Allerdings gibt es auch schwarze Schafe unter den Spendensammlern. Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), weiß zwar nichts von konkreten Fällen über Spendenbetrug in großem Stil, doch auf kleinerer Ebene sei das durchaus möglich. Auf der Homepage des Instituts (www.dzi.de) sind die wichtigsten Daten über rund 2 100 soziale Spendenorganisationen zu finden. "Wir vergeben ein Spendensiegel an alle Organisationen, die nachweisbar förderbar sind, alle anderen sollten nichts bekommen", meint Wilke. Die Organisation beantwortet Anfragen über Einrichtungen gegen einen Betrag von drei DM in Briefmarken (Adresse: Bernadottestraße 94 in 14195 Berlin).

Eine weitere Informationsquelle bietet die "Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing - Deutscher Fundraising Verband e. V." Auf ihrer Internetseite veröffentlicht der Verband unter www.sozialmarketing.de verlässliche Organisationen und ihre Sammelaktionen.

Die Frage nach Spendenbescheinigungen stellt sich beim Thema Urlaubsmünzen eigentlich nicht. Das Finanzamt behandelt das Urlaubsrestgeld steuerrechtlich wie andere Spenden auch. Praktisch spielt das jedoch auf Grund der meist kleinen Beträge, die in die Sparbüchsen eingeworfen werden, kaum eine Rolle.

Die Organisationen planen schon über den Tag der Euro-Einführung hinaus. Die Restgeld-Aktionen laufen aus. Einen Sommerurlaub mit der D-Mark wird es nicht mehr geben. Nur ein Bruchteil der Devisen kommt aus dem außereuropäischen Raum. Unicef-Koordinator Eric Mayer denkt deshalb schon an die Zeit bis Ende Februar, wenn die D-Mark endgültig als Zahlungsmittel wertlos ist: "Vielleicht heißt unser Slogan dann ja: Geben Sie uns ihre letzte Mark."

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