Hilfsorganisationen warten auf klares Signal der Uno: Die hilflosen Helfer

Hilfsorganisationen warten auf klares Signal der Uno
Die hilflosen Helfer

Das unwürdige Schauspiel bei der Lebensmittelverteilung in Safwan machte noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, dass sich der Uno-Sicherheitsrat rasch auf ein gemeinsames und kontrolliertes Vorgehen bei der Koordination der Hilfsleistungen einigt.

brs/mzi SAFWAN. Eine erst am Mittwoch entdeckte Mine im Hafengebiet von Umm Kasr hat am Donnerstag die erste Hilfslieferung der alliierten Truppen für die südirakische Millionenstadt Basra um 24 Stunden verzögert. Das britische Nachschubschiff "Sir Galahad", das mit 230 Tonnen Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten beladen ist, wird nach Informationen eines Armeesprechers erst am Freitag in den Tiefseehafen nahe der kuwaitischen Grenze einlaufen können. Dort sollen die Hilfsgüter dann auf Lastwagen umgeladen werden, die sie in die tagelang von der Wasser- und Stromversorgung abgeschnittene Stadt bringen werden.

Der Rote Halbmond, die arabische Organisation des Roten Kreuzes, hatte schon am Mittwoch einen ersten Hilfstransport von Kuwait-City aus per Lastwagen in den Südirak geschickt. Beim dilettantisch organisierten Verteilen der Ware kam es indes zu Bildern, die an Plünderungen erinnerten.

Das unwürdige Schauspiel in Safwan machte noch einmal deutlich, wie wichtig es sein wird, dass sich die Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat rasch auf ein gemeinsames und kontrolliertes Vorgehen bei der Koordination der Hilfsleistungen einigen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan will noch in dieser Woche auf eine neue Resolution im Sicherheitsrat drängen, wie das seit 1995 laufende Programm "Öl für Lebensmittel" fortgeführt werden soll. 60 Prozent aller Iraker waren schon vor dem Krieg auf die Versorgung durch das Uno-Programm angewiesen. Doch seit Tagen streitet die Uno entlang des Risses, der schon seit Monaten durch den Sicherheitsrat geht.

Die Auseinandersetzung dreht sich vor allem um die Frage, inwieweit die Amerikaner als Besatzungsmacht Zugriff auf die humanitären Ressourcen des Uno-Programms bekommen sollen. Deutsche, Franzosen und Russen wollen den Eindruck vermeiden, die Uno würde die Hilfsleistungen nur mit den Kriegsparteien organisieren und so - indirekt - eine nachträgliche Legitimierung des Kriegs abgeben.

Auch die großen unabhängigen Hilfsorganisationen wie Cap Anamur, Rotes Kreuz und World-Food warten auf ein klares Signal. Sie haben vor allem in Kuwait und in der jordanischen Wüstenstadt Al-Ruweisched, 70 Kilometer von der irakischen Grenze entfernt, Quartier bezogen und dort teilweise bereits Lebensmittel und Medikamente auf Lastwagen verladen. Sie benötigen jetzt von den Militärs dringend Informationen über die Sicherheits- und Versorgungslage in den Kriegsgebieten. Ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes berichtet: "Unsere Kollegen vor Ort bemängeln insbesondere, dass die Amerikaner über jeden einzelnen Schritt informiert werden und dass sie am liebsten alles selbst in die Hand nehmen wollen. Aber das geht nicht, dann verlieren wir unsere Neutralität und womöglich auch unsere Glaubwürdigkeit."

Im Mittelpunkt der Hilfsleistungen wird in den nächsten Tagen die Versorgung der Millionenstadt Basra stehen. Dort sollen sich gestern auf der Suche nach Trinkwasser mehrere Hundert Bewohner an die alliierten Belagerungstruppen vor der Stadt gewandt haben, berichten Reuters-Korrespondenten. Die zweitgrößte Stadt des Iraks war tagelang von der Wasser- und Stromversorgung abgeschnitten. Ein Teil der Wasserversorgung ist nach Angaben des Roten Kreuzes unterdessen wieder gesichert. "Unser lokales Team in Basra arbeitet nun an der Wiederherstellung der Kläranlagen", sagt Rot-Kreuz-Mitarbeiterin Tamara al-Rifa. Bis zu 40 Prozent des Wassers könnten schon wieder gereinigt werden. Das Rote Kreuz hatte zudem bereits vor Kriegsbeginn Wassercontainer in Basra eingelagert, um vor allem die Krankenhäuser zu versorgen. Unsauberes Wasser war schon vor dem Krieg eines der Hauptprobleme des Iraks. Kinder erkranken regelmäßig an Diarrhö - und viele sterben daran.

Die in Kuwait gehorteten Nahrungsmittel des Roten Kreuzes, das gezielt den Flüchtlingen innerhalb des Landes helfen will, reichen einen Monat lang für rund 27 000 Menschen.

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