Hilfsplan der Regierung
Prodi trifft Fiat-Führung

Die italienische Regierung hat nach einem Treffen mit der Führung des krisengeschüttelten Fiat-Konzerns einen Hilfsplan zur Rettung des Unternehmens angekündigt.

HB/dpa ROM. Im Finanzministerium soll Medienberichten zufolge ein Expertenteam bis Ende Oktober die verschiedenen Möglichkeiten eines neuen Restrukturierungsplans prüfen, hieß es. Ziel sei eine strategische Stärkung des Autosektors, um den angekündigten Abbau von 8100 Stellen zu verhindern. Der Chef der Fiat-Holdings Ifi und Ifil, Umberto Agnelli, sagte hingegen am Montag, für ihn habe nach wie vor der ursprüngliche Sanierungsplan von Fiat Gültigkeit. Fiat-Präsident Paolo Fresco gab bisher keine Stellungnahme ab.

Am Montag wollte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in Turin mit der Fiat-Spitze zusammenkommen. "Ich verspreche, dass ich versuchen werde, das Fiat-Problem so schnell wie möglich zu untersuchen und sofortige Antworten zu geben, um die ohnehin schon schlimme Situation nicht noch weiter zu erschweren", sagte Prodi nach seiner Ankunft in Turin.

Auch EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will den von der italienischen Regierung angekündigten Hilfsplan für den verschuldeten Konzern prüfen. "Falls die italienische Regierung Maßnahmen beschließt, die Staatsbeihilfen enthalten könnten, erwarten wir, dass dies bei der Kommission angemeldet wird", sagte Montis Sprecherin am Montag in Brüssel. Monti habe an die Regel erinnert, dass Mitgliedstaaten so genannte Rettungshilfen für angeschlagene Unternehmen anmelden und genehmigen lassen müssten bevor die Finanzspritzen gegeben werden könnten.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte zuvor bereits mit Monti telefoniert und deutlich gemacht, dass er sich voll über die Rolle des europäischen Beihilfenrechts im Klaren sei. Er habe zugesagt, Maßnahmen bei Fiat in Brüssel anmelden und prüfen zu lassen.

Derzeit sind in Italien mehrere Optionen für die Rettung des angeschlagenen Unternehmens im Gespräch. Eine Möglichkeit sieht vor, dass der Staat einen Anteil zwischen 20 und 25 Prozent übernimmt. Gleichzeitig könnten die Hausbanken des Unternehmens ihre Kredite in Eigenkapital umwandeln. Ziel sei ein vorgezogener Verkauf der Autosparte an den US-Riesen General Motors. GM hält bereits 20 Prozent an Fiat Auto und hat 2004 eine Option auf die Übernahme.

Einem Bericht der italienischen Zeitung "La Repubblica" zufolge hat Fiat bei der italienischen Regierung eine Genehmigung für zehn neue Stromkraftwerke für das Tochterunternehmen Italenergia beantragt. "Auf diese Weise würde unsere Stellung auf dem Energiesektor gestärkt und es würden neue Arbeitsplätze geschaffen, wodurch der geplante Stellenabbau zumindest teilweise aufgefangen werden könnte", zitiert die Zeitung Fiat-Präsident Paolo Fresco.

Hunderte Fiat-Angestellte demonstrierten unterdessen auch am Montag wieder gegen die Pläne der Konzern-Führung, über 8000 Stellen abzubauen. Im norditalienischen Arese bei Mailand, wo etwa 1000 Menschen um ihre Arbeitsplätze bangen, traten zahlreiche Arbeiter in einen vierstündigen Ausstand und nahmen an Protestzügen teil. Dabei kam es auch erstmals zu Rangeleien mit der Polizei.

Die Fiat Aktien gingen an der italienischen Börse bis zum Mittag um 3,13 Prozent auf 8,75 Euro zurück, nachdem sie am Morgen nach der Ankündigung des Hilfsplans noch um über 4 Prozent zugelegt hatten. Gewinnmitnahmen und ein negativer Analystenkommentar hätten den Titel wieder ins Minus gedrückt, hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%