Hilfsprogramm
Wirtschaftskrise: IWF startet neue Verhandlungen mit Argentinien

Der Internationale Währungsfonds (IWF) startet neue Verhandlungen mit Argentinien, um weitere Finanzhilfen für das krisengeplagte Land zu prüfen. Am Dienstag wurde dazu eine IWF-Delegation in Buenos Aires erwartet.

rtr BUENOS AIRES/WASHINGTON. Diese werde sich über das Wirtschaftsprogramm von Präsident Eduardo Duhalde informieren, kündigte der Fonds in Washington an. Vom Ergebnis der IWF-Experten hängt ab, ob das hoch verschuldete Land weitere Gelder von internationalen Finanzorganisationen erhält.

Sondersteuer auf Exporte

Zusätzliche Einnahmen für den defizitären Staatshaushalt verspricht sich die argentinische Regierung von Sondersteuern auf Exporte. Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov hatte am Vortag Sonderabgaben zwischen fünf und zehn Prozent auf Ausfuhren von Rohstoffen, Industrie- und Agrarerzeugnissen angekündigt. Lenicov sagte vor Journalisten, er erhoffe sich dadurch Einnahmen in diesem Jahr von rund 1,4 Mrd. $. Bereits früher hatte die Regierung Ölexporte mit einer Sonderabgabe von 20 % belegt.

Remes Lenicov bot zudem den Argentiniern an, ihre bislang eingefrorenen Bankguthaben in langlaufende Dollar- oder Peso-Anleihen einzutauschen. Die Regierung hatte die Sparguthaben teilweise gesperrt, um das Bankensystem vor dem Zusammenbruch zu retten.

Milch wird bereits knapp

Unterdessen zieht die argentinische Wirtschaftskrise weitere Kreise. Milchbauern weigern sich mittlerweile ihre Milch zu den staatlich festgesetzten Niedrigpreisen an die Molkereien zu liefern. Die Regierung wollte mit den Preiskontrollen die Inflation im Zaum halten. "Wir geben die Milch lieber den Bedürftigen, als sie zu verschleudern", sagte Nestor Roulet vom Bauernverband in der Provinz Cordoba.

Auch der Kursverfall der Landeswährung sorgt für Engpässe im Alltagsleben. Die Aufgabe der Eins-zu-Eins-Bindung des Peso an den US-Dollar und die darauf folgende Abwertung der Landeswährung im freien Devisenhandel hatten zwar argentinische Produkte auf dem Weltmarkt verbilligt. Manche Importmedikamente wurden aber inzwischen so teuer, dass einige Krankenhäuser mittlerweile sogar Operationen absagen müssen.

Der IWF hatte für Argentinien ein Hilfprogramm über 20 Mrd. $ geschnürt. Hiervon sind etwa zehn Mrd. $ blockiert, nachdem die argentinische Regierung das Staatsdefizit nicht in den Griff bekommen hatte. Argentinien ist mit 141 Mrd. $ verschuldet. Das Land steckt seit vier Jahren in einer Rezession und bedient derzeit seine Staatsschulden nicht.

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