Hilmar Kopper zieht sich zurück
Doppelter Wechsel bei der Deutschen Bank

Bei der Deutschen Bank wird die Macht neu verteilt. Alles wird auf den neuen Chef Josef Ackermann ausgerichtet. Sein Vorgänger Rolf-E. Breuer will mit einem starken Aufsichtsrat dagegen halten.

FRANKFURT/M. Wenn Josef Ackermann am Mittwoch endgültig zum neuen Vorstandssprecher der Deutschen Bank gekürt wird, dann erlebt das wichtigste deutsche Geldhaus eine Kulturrevolution. Der Schweizer wird nicht nur als erster Ausländer an der Spitze des Instituts stehen, er wird auch mehr Macht auf sich vereinen als alle Chefs der Deutschen Bank vor ihm. Gleichzeitig übernimmt Ackermanns Vorgänger Rolf-E. Breuer den Posten des obersten Konzern-Kontrolleurs, und Breuer hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er den Einfluss des Aufsichtsrats (AR) stärken will.

Als wären das nicht schon genug Verschiebungen im empfindlichen Machtgefüge, nimmt auch noch Hilmar Kopper seinen endgültigen Abschied. Der kantige Vorgänger Breuers gilt als einer der mächtigsten Männer der deutschen Wirtschaft und hat als graue Eminenz aus dem Aufsichtsrat heraus das Geschick der Deutschen Bank bis zuletzt entscheidend mitbestimmt. Gemeinsam hat sich das Trio Ackermann, Breuer und Kopper eine neue Führungsstruktur ausgedacht, die einmalig in der deutschen Unternehmenslandschaft ist. Die Position des künftigen Vorstandssprechers ähnelt der eines starken Chief Executive Officers amerikanischer Prägung soweit, wie es das deutsche Aktienrecht zulässt.

Deutsche Bank verkleinert Vorstand

Um dem angelsächsischen Vorbild nahezukommen, verkleinert die Deutsche den Vorstand von neun auf vier Mitglieder. Das ist aber nur ein Teil des Plans. Die entscheidende Veränderung ist die Einführung eines so genannten Group Executive Commitees, in dem neben den vier Vorständen die sieben Leiter der einzelnen Geschäftsbereiche sitzen. Hier werden in Zukunft die entscheidenden Weichen gestellt und als Vorsitzender des Commitees wird Ackermann der Mann sein, bei dem alle Fäden zusammen laufen.

Eine solche Machtfülle lässt sich nicht mehr kontrollieren, warnen die Kritiker des neuen Modells. Denn auf das Commitee als neu geschaffenes Machtzentrum hat der Aufsichtsrat keinen Durchgriff mehr. Den künftigen AR-Chef Breuer scheint das aber nicht anzufechten. "Je mehr Macht der Vorstandschef hat, desto mehr Macht hat auch der, der ihn kontrolliert, und das wird nun einmal Breuer sein", meint ein Deutsch-Banker. Der scheidende Vorstandssprecher hat in der vergangenen Woche bereits angekündigt, die Position des Aufsichtsrates stärken zu wollen. Er fordert eine Verlagerung von der Kontrolle hin zum strategischen Dialog. Die Diskussion um das Thema Corporate Governance habe gezeigt, das vom Aufsichtsrat erwartet wird, stärker als in der Vergangenheit Sparringspartner des Vorstands zu sein. Breuer will das Gremiums internationaler machen und verjüngen. Mitglieder über 70 Jahre sollen ausscheiden.

Das neue Duo Breuer/Ackermann scheint nach den Spannungen im Vorfeld des Machtwechsels inzwischen besser zu harmonieren. "Breuer ist ein anderer Typ als Kopper. Während Kopper immer der Pragmatiker und Zupacker war, ist Breuer intellektueller. Er ist ein Teamspieler, lässt anderen ihre Freiheiten und lässt sie auch Fehler machen. Da passt er gut zu Ackermann", ist aus der Bank zu hören. Aus dem Tagesgeschäft wird sich Breuer anders als Kopper heraushalten, aber bei allen strategischen Entscheidungen ist er mit im Boot. "Das könnte besser werden als bei den beiden vorher", so ein Deutsch-Banker. "Breuer und Ackermann sind ein gutes Tandem und werden öfters zusammensitzen und Dinge diskutieren", heißt es. Hinzu kommt, dass die wesentlichen Entscheidungen gar nicht in der großen Gruppe des Aufsichtsrates diskutiert werden. Die Hauptarbeit wird vielmehr in den Ausschüssen verrichtet. Und aus der Deutschen Bank heißt es, dass die Zusammenarbeit mit vier Vorständen einfacher werde als mit neun.

Sorgen, dass Kopper sich nicht ganz aus der Deutschen Bank heraushalten wird, sind offensichtlich unbegründet. "Kopper hat seinen Schwerpunkt verlagert. Dem liegt Daimler-Chrysler sehr am Herzen. Die will er noch auf die Spur bringen, um Vorstandschef Jürgen Schrempp zu helfen," so ein Insider. Außerdem sei auch der scheidende AR-Chef "altersweise" geworden. Er - der für heftige Emotionen bekannt ist - lasse sich nicht mehr so schnell provozieren und aus der Ruhe bringen.

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