Hindus protestieren
50 Hindus bei Anschlag in Indien getötet

Bei einem Brandanschlag auf Hindus in einem Zug im Westen Indiens sind am Mittwoch nach Angaben der Bahngesellschaft 50 Menschen ums Leben gekommen.

Reuters NEU-DELHI. Der Anschlag stand offenbar im Zusammenhang mit den stark umstrittenen Plänen, auf den Trümmern einer vor zehn Jahren zerstörten Moschee einen Hindu-Tempel zu errichten. Die indische Regierung forderte den Verzicht auf die Baupläne.

Die Hindus befanden sich auf dem Heimweg von einer Massenkundgebung in Ayodhya, wo der Weltrat der Hindus (Vishwa Hindu Parishad, VHP) den Tempel bauen lassen will. Der Sabarmati-Express sei hinter dem Bahnhof der Stadt Godhra im Bundesstaat Gujarat gestoppt worden, und dann hätten mehrere Männer einen der Waggons in Brand gesteckt, sagte die Chefin der zuständigen Distriktverwaltung, Jayanta Ravi.

Die Eisenbahnverwaltung teilte mit, einer der Passagiere habe nach dem Verlassen des Bahnhofs von Godhra die Notbremse gezogen, und bei den Brandstiftern habe es sich um Bewohner der Stadt gehandelt. Die Polizei Doghras berichtete, während des Aufenthaltes im Bahnhof hätten sich die Hindus im Zug und Moslems auf dem Bahnsteig lautstark gestritten.

Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Moschee in Ayodhya war 1992 von hinduistischen Extremisten zerstört worden. Dies hatte landesweite Unruhen ausgelöst, bei denen mehr als 3 000 Menschen ums Leben kamen. Der Weltrat der Hindus will jetzt an der Stelle der Moschee einen Tempel bauen lassen.

Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee nannte den Aschlag "sehr traurig, unglückselig" und appellierte an den Hindu-Rat, die Kampagne für den Tempelbau einzustellen. Das würde der Regierung helfen, "Frieden und Brüderlichgkeit im Lande zu erhalten", sagte Vajpayee. Seine Partei Bharatiya Janata hat ihre Wurzel in demselben Hindu-Nationalismus wie der VHP. Vajpayees Parteifreund und Innenminister Lal Krishna Advani verlangte gleichfalls den Verzicht auf die Baupläne. Advani war 1992 selbst bei der Zerstörung der Moschee anwesend, hatte aber nach eigenen Angaben nicht dazu aufgerufen. Zu dem Anschlag auf den Zug äußerte er sich nicht.

Ein Gericht im Bundesland Uttar Pradesh befasst sich seit längerem mit dem Fall. Es hat bis zur Entscheidung jede Bautätigkeit untersagt. Der Hindu-Rat beschloss aber im vergangenen Jahr im März mit oder ohne Genehmigung mit dem Bau zu beginnen. Die Kundgebung am Wochenende diente der Bekräftigung des Vorhabens.

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