Hinter den Wachstumsaussichten von China Mobile stehen viele Fragezeichen: Aktie unter der Lupe: China Mobile

Hinter den Wachstumsaussichten von China Mobile stehen viele Fragezeichen
Aktie unter der Lupe: China Mobile

Kaum eine andere Aktie vereint den Glanz, aber auch das Elend chinesischer Aktien mehr als China Mobile: Ein rapides Wachstum hat das Unternehmen einst zum Börsenstar der Volksrepublik gemacht. Doch seit zwei Jahren ist der Kurs auf Talfahrt.

HONGKONG. Die Wachstumsdelle in der Telekommunikation hat die Aktie in die Tiefe gerissen und es wachsen die Zweifel an einer Wende zum Guten. Denn zunehmender Wettbewerb und anstehende Entscheidungen der chinesischen Regulierungsbehörde gefährden die Gewinne.

In puncto Marktkapitalisierung ist China Mobile der größte Telekom-Wert Asiens außerhalb von Japan, und in keine China-Aktie haben Auslandsanleger stärker investiert. In den meisten China- und Hongkong-Fonds nimmt sie einen Spitzenplatz ein und viele Analysten raten zum Kauf. Auf den ersten Blick nachvollziehbar: China Mobile ist Marktführer im größten und am schnellsten wachsende Mobilfunkmarkt der Welt. Doch dem Unternehmen gelingt es immer weniger, Marktwachstum in Gewinnsteigerungen umzumünzen. Dramatisch daran ist die Tatsache, dass sich jene Zeiten dem Ende nähern, in denen Chinas Mobilfunkanbieter, Unicom und Mobile, von ihrem Duopol profitierten. Die Regulierungsbehörde will möglicherweise schon im Jahr 2003 zwei zusätzliche Mobilfunklizenzen vergeben.

Aber schon jetzt verschärft sich der Wettbewerb rasant: Der Festnetz-Monopolist China Telecom bietet in einer rechtlichen Grauzone einen eingeschränkten Billig-Mobilfunkdienst an, der rasant steigende Nutzerzahlen verzeichnet. Und in kleineren Provinzen liefern sich China Mobile und Unicom Preiskriege, die auf die Margen drücken. Der Kampf um Kunden dürfte sich verstärken, denn der chinesische Markt zeigt Sättigungstendenzen: Im Dezember gewann China Mobile nur noch 1,7 Millionen Neukunden. Zuvor hatte der Durchschnitt lange über 2 Millionen pro Monat gelegen. Rund 95% der Neukunden kaufen inzwischen vorausbezahlte SIM-Karten, und diese werfen deutlich weniger Gewinn ab als unbegrenzte Verträge.

Folge: Das Gewinnwachstum des Konzerns schwächt sich ab und dürfte sich weiter verschlechtern. "Ohne Preissenkungen bricht das Neukundenwachstum in China dieses Jahr ein," sagt Nomura-Analyst Richard Ferguson. Er erwartet, dass die Regulierungsbehörde den Mobilfunkern größeren Spielraum bei der Preisgestaltung gibt. "Aber selbst eine kleine Preissenkung kann das Gewinnwachstum von China Mobile zunichte machen," rechnet Leon Chik von ING Barings vor. Er hat China Mobile von Kaufen auf Verkaufen herabgestuft und sein Kursziel auf 17 HK$ gesenkt. Auch Jasmine Koh von UBS Warburg hat die Aktie gerade von Kaufen auf Halten herabgestuft. Sie warnt, dass der Markt die Auswirkungen der Wettbewerbsverschärfung unterschätze. Folglich rechnet sie mit enttäuschenden Geschäftszahlen bei der Bilanzvorlage im März.

Auch die Unsicherheit über das generelle Umfeld dürfte anhalten: Chinas Regierung ordnet derzeit die gesamte Telekom-Branche neu; viele Details sind bislang unklar, aber Peking will vier voll integrierte Anbieter schaffen. Das könnte heißen, dass China Mobile gezwungen wird, Festnetzkapazitäten aufzubauen. Anleger würden dies wahrscheinlich mit einem weiteren Kursabschlag bestrafen.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%