Hintergründe der Terroranschläge
Spannung steigt vor Bushs Rede

Mit der Verlegung der ersten amerikanischen Kampfflugzeuge an den Persischen Golf gehen die Vorbereitungen des geplanten Militärschlags gegen den internationalen Terrorismus in eine neue Phase.

dpa WASHINGTON. US- Präsident George W. Bush wollte am Donnerstagabend in einer mit Spannung erwarteten Rede vor beiden Häusern des Kongresses zu den Vorbereitungen der USA und zu den Hintergründen der Terroranschläge in Washington und New York Stellung nehmen.

Bush werde die Amerikaner darin auch auf die möglichen Opfer vorbereiten, die die lang angelegte Kampagne fordern könnte, sagte die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Den Zeitpunkt eines Militärschlags werde der Präsident dabei nicht nennen. Bush wolle auch auf Maßnahmen zur Stützung der amerikanischen Wirtschaft eingehen, hieß es. Besonders die Luftfahrtindustrie steht nach den Terrormassakern der vergangenen Woche mit vier entführten und abgestürzten Maschinen am Rande des Abgrunds.

Das Verteidigungsministerium hatte am Mittwochabend die Verlegung von mehreren Dutzend Kampfflugzeugen angeordnet, darunter F-15- und F-16-Kampfflugzeuge, B-2-Bomber sowie Aufklärungs- und Frühwarnflugzeuge vom Typ AWACS. Das Pentagon gab die genauen Zielorte der Flugzeuge nicht bekannt. "Es gibt noch keine endgültigen Schlachtpläne", sagte Armeesprecher Thomas White.

Nach Medienberichten werden unter anderem Stützpunkte in Saudi- Arabien, Kuwait, Oman und auf der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean aufgerüstet. Afghanistans nördliche Nachbarn Usbekistan und Tadschikistan dementierten amerikanische Medienberichte über eine Stationierung amerikanischer Flugzeuge. In der Region um den Persischen Golf sind seit dem Golfkrieg vor zehn Jahren bereits 20 000 US-Soldaten stationiert. Die Operation steht unter dem vorläufigen Codenamen "Infinite Justice" (Grenzenlose Gerechtigkeit).

Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz ließ durchblicken, dass das Militär auch Stellungen in anderen Ländern angreifen könne. "Hier geht es um mehr als nur ein Land", sagte Wolfowitz. Auch Vizeaußenminister Richard Armitage sagte nach einem Gespräch mit NATO-Generalsekretär George Robertson in Brüssel: "Das ist ein weltweiter Krieg gegen den Terrorismus. Der hört nicht einfach in Afghanistan auf."

Innerhalb der Regierung zeichne sich eine Spaltung in zwei Lager ab, berichtete die "New York Times". Eine Fraktion unter Wolfowitz befürworte auch einen Schlag gegen den Irak. Es zirkuliere bereits ein Brief, in dem Präsident George W. Bush aufgefordert wird, gezielt auf den Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein hinzuarbeiten. US-Außenminister Colin Powell wirbt innerhalb der Regierung vehement dafür, vor einem Militärschlag auf diplomatischem Weg eine möglichst breite Unterstützungsbasis in aller Welt zu schaffen.

Die US-Regierung hatte am Vortag bekräftigt, dass es keine übereilten Aktionen im Kampf gegen den Terrorismus geben werde. Die Maßnahmen müssten aus den "richtigen Gründen zur richtigen Zeit" erfolgen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. "Die einzigen Aktionen, die unternommen werden sollten, sind Aktionen, die funktionieren, die wirksam sind."

Die diplomatischen Bemühungen gingen am Donnerstag in Washington unvermindert weiter. Powell wollte am Nachmittag eine EU-Delegation mit dem Beauftragten für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, empfangen. Auf Bushs Besucherliste stand der britische Premierminister Tony Blair. Am Freitag wurde der chinesische Außenminister Tang Jiaxuan in Washington erwartet.

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