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HINTERGRUND 2: Brüssel bremst Phoenix-Übernahme durch Continental vorerst ausDPA-Datum: 2004-06-29 19:44:15

HANNOVER (dpa-AFX) - Conti-Chef < CON.ETR > Manfred Wennemer durchlebte am Dienstag ein Wechselbad der Gefühle. Erst glückte nach einer Zitterpartie doch noch die angestrebte Zustimmung von mehr als 75 Prozent der Aktionäre des Konkurrenten Phoenix für eine Übernahme durch den Autozulieferer - doch am Abend trat die EU-Kommission auf den Plan. Wegen schwerer Wettbewerbsbedenken leitete sie eine vertiefte Prüfung ein, die bis zu vier Monate dauern kann. Grund: Der neue Verbund könnte aus Brüsseler Sicht bei Luftfedern und schweren Fördergurten zum Transport von Kohle oder Sand zu mächtig werden.

HANNOVER (dpa-AFX) - Conti-Chef < CON.ETR > Manfred Wennemer durchlebte am Dienstag ein Wechselbad der Gefühle. Erst glückte nach einer Zitterpartie doch noch die angestrebte Zustimmung von mehr als 75 Prozent der Aktionäre des Konkurrenten Phoenix für eine Übernahme durch den Autozulieferer - doch am Abend trat die EU-Kommission auf den Plan. Wegen schwerer Wettbewerbsbedenken leitete sie eine vertiefte Prüfung ein, die bis zu vier Monate dauern kann. Grund: Der neue Verbund könnte aus Brüsseler Sicht bei Luftfedern und schweren Fördergurten zum Transport von Kohle oder Sand zu mächtig werden.

Der erfolgsverwöhnte Wennemer zeigte sich trotz des Brüsseler Störfeuers in einer ersten Reaktion weiterhin optimistisch: "Wir gehen angesichts des intensiven internationalen Wettbewerbs auf den Geschäftsfeldern von ContiTech und Phoenix nach wie vor davon aus, dass es kartellrechtlich keine grundsätzlichen Probleme geben wird."

KEINE NACHBESSERUNG BEIM ANGEBOT

Bei dem tagelangen Pokerspiel über die Zustimmung der Phoenix- Aktionäre, die bis zuletzt auf der Kippe stand, hatte Wennemer seine am Unternehmensprofit orientierte Linie durchgesetzt. Fondsgesellschaften und Spekulanten, die auf eine Nachbesserung des Conti-Angebots hofften, ließ er im Regen stehen - einen besseren Preis als die von Anfang an angebotenen 15 Euro je Aktie gab es nicht.

Wennemer will den Konzernbereich ContiTech, der durch Phoenix erheblich gestärkt werden soll, zu einem weltweit führenden Spezialisten in der Kautschuk- und Kunststofftechnologie machen. Conti erwartet aus der Zusammenführung Synergien von mindestens 30 Millionen Euro jährlich. Auf dem Plan steht auch ein Börsengang von ContiTech nach einer erfolgreichen Verschmelzung mit Phoenix.

BETRIEBSRAT FÜRCHTET JOBVERLUST

Verlierer könnten allerdings die Beschäftigten des Hamburger Unternehmens Phoenix werden. Noch ist unklar, was Wennemer genau mit Phoenix, einem Spezialisten für Luftfedern, Schallisolationssysteme, Kupplungen und Schläuche, vorhat. Der Phoenix-Betriebsrat befürchtet durch die Übernahme den Abbau von 750 Arbeitsplätzen, was vom Phoenix-Vorstand bisher als rein rechnerische Zahl bewertet wurde.

Seitdem Wennemer im September 2001 den Posten als Vorstandschef bei dem damals kriselnden hannoverschen Reifenproduzenten übernahm, ging es stetig bergauf. Wennemer formte aus Conti einen international agierenden Autozulieferer und fuhr Rekordergebnisse ein. Im Herbst 2003 kehrte Conti nach sieben Jahren in den Aktienindex DAX < DAX.ETR > zurück.

WENNEMER HAT CONTI SANIERT

Wennemer, von Haus aus Mathematiker, hat den Autozulieferer grundlegend saniert - als nüchtern denkender Rechner. 2001 schloss Conti - tief in die toten Zahlen gerutscht - weltweit insgesamt fünf Reifenwerke, darunter auch eines in Deutschland. Seitdem baut das Unternehmen mit heute weltweit rund 70.000 Beschäftigten vor allem in osteuropäischen Billiglohn-Ländern wie Rumänien, Tschechien und der Slowakei neue Kapazitäten auf und verlegt die Produktion dorthin. An diesem Kurs will Wennemer auch weiterhin festhalten - trotz scharfer Kritik etwa von Gewerkschaftsseite.

Gerade in der Zulieferer-Branche wird der Druck seitens der Autobauer angesichts der weiterhin schwachen Nachfrage und steigender Rohstoffpreise immer stärker. Prognosen zufolge wird der Anteil der Bauteile in den Autos, der von Zuliefern kommt, in den nächsten Jahren aber deutlich steigen - damit verändert sich auch die Rolle der Zulieferer. Viele haben sich bereits von spezialisierten Anbietern einzelner Fahrzeugkomponenten zu Lieferanten kompletter Fahrwerksysteme gewandelt - wie etwa Conti.

Die Zulieferer stecken aber in einer Zwickmühle. Einerseits gibt es glänzende Wachstumsprognosen, andererseits steigen aber auch die Anforderungen und Erwartungen der Hersteller. Darum rollt derzeit eine Konzentrationswelle durch die Zuliefer-Branche: Wachsen durch zukaufen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Übernahme von Phoenix durch Conti zu sehen.

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