Hintergrund
Analysten sehen keine Paketverkäufe bei Telekom

Nach dem Auslaufen einer letzten Haltefrist können von Samstag an bis zu 490 Mill. Aktien der Deutschen Telekom im Gesamtwert von rund 9,4 Mrd. Euro von Investoren auf den internationalen Finanzmärkten verkauft werden.

Reuters FRANKFURT. Weder die Telekom noch Analysten rechnen jedoch damit, dass ein Großteil der aus der Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens VoiceStream stammenden Aktien kurzfristig auf den Markt kommen und dort Kursverluste auslösen wird. Gegen einen abermaligen Kursrutsch sprächen der auf lange Sicht enttäuschende Telekom-Aktienkurs von zuletzt knapp über 19 Euro. Zudem hätten die VoiceStream-Alteigentümer bereits seit September die Möglichkeit, rund 200 Millionen Aktien zu verkaufen.

Am 1. Dezember läuft die letzte Haltefrist aus

Am 1. Dezember läuft die letzte Haltefrist, die die Telekom mit den ehemaligen Eigentümern von VoiceStream im Zuge der hauptsächlich über Aktientausch finanzierten Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens vereinbart hatte, aus. Rund 200 der ursprünglich 555 Millionen mit Haltefrist belegten Aktien dürfen bereits seit dem 1. September veräußert werden. "Jeder verkaufswillige ehemalige VoiceStream-Aktionär sitzt auf genügend Aktien, die er vor Dezember veräußern kann", entkräftete BHF-Bank-Analyst Befürchtungen über kursmindernde Paketverkäufe zum 1. Dezember. Ein Analyst bei einer Londoner Investmentbank hält es deshalb für riskant, kurzfristig auf einen sinkenden Telekom-Aktienkurs wegen des Angebotsüberhangs zu setzen.

Fondsmanager von Union Investment und Frankfurt Trust erwarten, dass lediglich knapp 50 Millionen Telekom-Aktien kurzfristig auf den Markt kommen werden, da finanzstarke Aktionäre auf einen besseren Aktienkurs setzten. Absehbar ist allerdings, dass sich der hochverschuldete finnische Telekommunikations-Konzern Sonera wie angekündigt auf kurze Sicht von seinem Restbestand von rund 38 Millionen Aktien trennen wird, um Schulden zu begleichen.

Anfang August hatte der Aktienkurs der Telekom einen massiven Einbruch erlebt, als der Hongkonger Großaktionär der Telekom, Hutchsion Whampoa, für die Märkte überraschend rund 44 Millionen Telekom-Aktien oder rund ein Prozent des Aktienkapitals veräußerte. Die damalige Transaktion kostete die Telekom rund 18 Mrd. Euro an Börsenwert. Sonera trennte sich ebenfalls bereits von insgesamt 43 Millionen T-Aktien. Diese wurden in mehreren Schritten zwischen Mai und September - in Abstimmung mit der Telekom auch unter Umgehung der Haltefrist - verkauft, ohne erkennbar größere negative Effekte auf den Aktienkurs.

Es wird nicht mit einem Kursrutsch gerechnet

Wie bei Analysten wird auch bei der Telekom nach dem Auslaufen der letzten Haltefrist nicht mit einem Ausverkauf und einem abermaligen Kursrutsch gerechnet. "Alle haben gelernt, dass es geschickter ist, sich in kleinen Tranchen statt in großen Pakten von den Aktien zu trennen", äußerten sich Unternehmenskreise zuversichtlich. Mit ihren Großaktionären steht die Telekom den Kreisen zufolge in Kontakt und schätzt lediglich Sonera als kurzfristigen Verkäufer ein. Eher auf der Verkäuferseite werden auch der Mischkonzern Hutchsion Whampoa und der US-Versorger Scana Com Holdings angesiedelt. Als Investoren mit eher langfristigen Ambitionen gelten beim Bonner Konzern das US-Beteiligungsunternehmen TDS und der VoiceStream-Vorstandschef John Stanton.

Analysten rechnen jedoch damit, dass sich auf lange Sicht alle Investoren von ihren Beständen an T-Aktien trennen werden. Dies sei nur eine Frage der Zeit, da die vergleichsweise kleinen Telekom-Aktienpakete kaum aus strategischen Interessen gehalten würden, sagte Analyst Stäblein. Auch bei anderen mit eigenen Aktien bezahlten Firmenübernahme hat sich nach Analystenaussagen bestätigt, dass sich "immer ein Großaktionär findet, der seine angedienten Aktien entweder wegen eigener Kapitalknappheit bei fallenden Kursen oder auf Grund erreichter Kursgewinne bei freundlichem Börsenklima abstößt". Wegen der latenten Verkaufsbereitschaft wird der Aktienkurs der Telekom daher bis zum Abbau des Aktienüberhangs entweder negativ belastet beziehungsweise an einer durchgreifenden Aufwärtsbewegung gehindert, prognostizieren zahlreiche Analysten.

Die Societe Generale empfahl der Telekom daher unlängst, "die verkaufswilligen Investoren zu ermutigen, zusammenzuarbeiten und die Aktien in einer Tranche auf dem Markt zu platzieren. Damit würde ein fortlaufendes Problem für das Unternehmen beseitigt", lautete der Ratschlag. Solche Gespräche sind für die Telekom allerdings in der Vergangenheit mit Ausnahme von Sonera enttäuschend verlaufen. Angaben aus Firmenkreisen zufolge offerierte die Telekom Hutchison Whampoa bereits im Frühjahr, sie "aus der Telekom-Aktie zu führen". Ohne Erfolg, da es der Hongkonger Konzern vorzog, sein Aktienpaket in einem eigenwilligen Termingeschäft an der Börse zu platzieren, was den Telekom-Kurs ins Trudeln brachte.

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