Hintergrund
Analysten sehen späteres Interesse von BMG an EMI

Nach der Aufgabe der Fusion zwischen EMI und Warner Music wird Bertelsmann nach Einschätzung von Analysten einen Zusammenschluss seiner Musik-Tochter BMG mit EMI zunächst nicht vorantreiben.

Reuters HAMBURG. "Das Interesse ist zwar mit Sicherheit da", sagte Frank Laser von der Vereins und Westbank - am Freitag. Es sei aber fraglich, ob ein Zusammengehen noch innerhalb dieses Jahres zum Thema werde. Möglicherweise wollten die Unternehmen zunächst etwas Zeit verstreichen lassen. Medienberichten zufolge prüft Bertelsmann eine Fusion mit der britischen EMI, was der Gütersloher Konzern aber nicht kommentieren wollte.

Das britische Plattenunternehmen EMI und und die Musiksparte des US-amerikanischen Unterhaltungskonzerns Time Warner hatten nach harten Verhandlungen mit der EU-Kommission am Donnerstag ihr Vorhaben aufgegeben, zum größten Musikunternehmen der Welt zu fusionieren. Die beiden Unternehmen arbeiten eigenen Angaben zufolge aber an einem neuen Plan, der auch für die Kartellbehörden akzeptabel sein soll. Die Wettbewerbshüter hatten Branchenkreisen zufolge Bedenken geäußert, dass nach einer Fusion von EMI und Warner nur noch vier statt bisher fünf große Plattenfirmen existieren und den Markt beherrschen würden.

Die Bertelsmann Music Group (BMG) rangiert ebenfalls unter diesen ersten Fünf der weltgrößten Musikunternehmen. Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff hatte wiederholt angekündigt, die Marktposition von BMG ausbauen und das Unternehmen möglicherweise auch zum Marktführer machen zu wollen. Deshalb wird in Branchenkreisen seit längerem spekuliert, Bertelsmann könnte Interesse an einer Übernahme von EMI haben.



Nicht von einem Pferd auf nächste springen

Analyst Laser hält einen solchen Zusammenschluss wegen der Synergie-Effekte und der Ausweitung der Marktsegmente auch für positiv. Allerdings zeige die Erfahrung in anderen Branchen, dass nach dem Scheitern von Fusionsplänen mit Avancen anderer Unternehmen zunächst etwas gewartet werden solle. Auch für EMI sei es wahrscheinlich nicht sinnvoll, "gleich von einem Pferd auf das nächste zu springen". Kooperationen auf unteren Ebenen könne er sich aber bald vorstellen, weil die Konsolidierung in der Medienbranche weiter ein großes Thema sei.

Diese Ansicht teilt auch Nicola Stuart, Leiterin des Media-Research-Teams der Commerzbank in London. Auf Konzern-Ebene sieht sie allerdings keine konkreten Fusionspläne von EMI und BMG. "Es ist unwahrscheinlich, dass sie es versuchen werden, weil sie bei der EU-Kommission auf dieselben Probleme stoßen würden", sagte Stuart.



BHF-Banbk sieht Chancen für EMI-BMG

Roland Pfänder von der BHF-Bank ist da allerdings optimistischer: Seine Ansicht nach könnten es EMI und BMG bei den Brüsseler Wettbewerbshütern leichter haben. "Die Distributionsmacht der beiden ist einfach nicht so groß wie bei EMI und Time Warner", sagte er. "Sie haben eben kein AOL."

Zeitgleich mit dem nun zurückgezogenen Genehmigungsantrag für eine Fusion von Warner Music mit EMI prüft die EU-Kommission einen Zusammenschluss des US-Mutterkonzerns Time Warner mit dem weltgrößten Internetanbieter America Online. Es wird damit gerechnet, dass die EU diesem Vorhaben am 24. Oktober zustimmen wird. Branchenkreisen zufolge befürchteten die Wettbewerbshüter bei einem Zusammenschluss von Warner Music und EMI vor allem, dass das neue Unternehmen den Musikvertrieb im Internet dominieren würde. Bertelsmann hatte Anfang des Jahres seine Beteiligungen an den America-Online-Töchtern AOL Europe und AOL Australia veräußert. Der Gütersloher Konzern, der sich künftig verstärkt auf Inhalte konzentrieren will, hat eigenen Angaben zufolge 30 Mrd. DM für Zukäufe zur Verfügung.

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