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HINTERGRUND Autozulieferer in der Rohstoff-Klemme: Hersteller sollen mitzahlen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Branche der Autozulieferer gerät wegen hoherRohstoffpreise immer stärker unter Druck und will nun die Autokonzerne mitzahlenlassen. Diese reagieren bislang verhalten.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Branche der Autozulieferer gerät wegen hoherRohstoffpreise immer stärker unter Druck und will nun die Autokonzerne mitzahlenlassen. Diese reagieren bislang verhalten.

Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Stahl ist so teuer wie seit 1989nicht mehr. Schrottpreise sind im vergangenen Jahr um rund 75 Prozent gestiegen.Die Preise für Koks haben sich im selben Zeitraum verdreifacht. Schuld sind dieChinesen, heißt es, und ihre massiv beschleunigte Rohstoffnachfrage. Imvergangenen Jahr habe sich der Materialeinkauf der Zulieferer im Schnitt um 15Prozent verteuert, meldet der Verband der Automobilindustrie (VDA).Hochgerechnet auf die Produktionskosten je Auto steigen diese um 150 bis 200Euro.

"Wir fordern eine Kostenbeteiligung der Hersteller", sagt der Vorsitzendedes VDA-Mittelstandskreises, Arndt Kirchhoff. Er regt an, die Mehrkosten übereinen "Materialteuerungszuschlag auf Zeit" umzuverteilen. DerHauptgeschäftsführer des Deutschen Gießereiverbands, Klaus Urbat, sieht für dieHersteller wenig Chancen, sich einer Beteiligung zu entziehen. "Sie werden auseigenem Interesse zahlen müssen." Schon der Wegfall eines Zulieferteils kann dieProduktionskette stören und die Bänder zum Stillstand bringen. "Das willkeiner." Bereits in diesem Jahr könnte es in seiner Branche vor allem durch dieVerknappung des Brennstoffträgers Koks zu Lieferengpässen kommen. DieKonsequenz: "Die Autohersteller, die sich an den Rohstoffkosten beteiligen,werden von uns am längsten beliefert."

'BEDROHLICHE SANDWICHPOSITION'

Nach Meinung von Auto-Professor Ferdinand Dudenhöfer von der FHGelsenkirchen werden die Zusatzkosten am Ende allerdings doch an den Zulieferernhängen bleiben. "Auf dem Automarkt herrscht ein scharfer Wettbewerb. Vor allemdie kleineren Hersteller können keine zusätzlichen Kosten übernehmen", betontder Autoexperte. Hinzu komme, dass die Stahlindustrie und andereRohmateriallieferanten sich über "das Geschäft ihres Lebens" freuten und allesmitnähmen, was sie kriegen können. "Die Zulieferbranche steckt in einerbedrohlichen Sandwichposition". Über kurz oder lang könne das zuwirtschaftlichen Schwierigkeiten bis hin zu Konkursen führen.

In den Geschäftszahlen der Branche hat sich das Problem bislang nurunwesentlich niedergeschlagen. Im vergangenen Jahr verbesserten die Unternehmennach Angaben des VDA ihre Bruttorendite im Schnitt auf 4,5 Prozent undbilanzierten eine Eigenkapitalquote von 35 Prozent. Für große Zulieferer wieContinental bleiben die Zusatzbelastungen im Rahmen. "Im erstenQuartal 2004 brachten die höheren Rohstoffpreise im Reifenbereich im Vergleichzum Vorjahr eine Mehrbelastung von 14 Millionen Euro", sagte Finanzvorstand AlanHippe. Bei einem Quartalsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 246,7Millionen Euro sei das durchaus zu verkraften. "Im Gesamtjahr 2004 rechnen wirmit einem maximalen Gesamtrisiko im Rohstoffeinkauf von 90 Millionen Euro."Höhere Belastungen über einen längeren Zeitraum würden sie aber versuchen, andie Kunden weiterzugeben.

MITTELSTÄNDISCHE ZULIEFERER BESONDERS BETROFFEN

Besonders betroffen seien nicht die Großen, sondern eher mittelständischeZulieferer, da sie oft nur Jahresverträge und keine langfristigenLiefervereinbarungen hätten, sagt VDA-Mittelstandsexperte Kirchhoff. Er rechnetdamit, dass die angespannte Lage noch zwei Jahre anhält und sich weiterverschärft. "Es droht Schlimmeres." Erst vor wenigen Tagen etwa kündigten dieStahlhersteller weitere Preiserhöhungen im laufenden Jahr an.

Die Beteiligten am Rohstoffpoker haben den Ernst der Lage mittlerweileerkannt. Bei einem Spitzentreffen von Vertretern aus der Auto- undStahlindustrie, der Gießereien sowie der Stahl- und Metallverarbeitungsindustriekamen die Beteiligten überein, das Problem "gemeinsam zu lösen". Angesichts derKomplexität und der Vielfalt der Einzelfälle könne es keine pauschalenRegelungen geben, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Die Hersteller hättenaber ein "offenes Ohr" signalisiert.

Der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler wollte sich aufAnfrage zu einer möglichen Kostenbeteiligung nicht äußern. Der WolfsburgerVolkswagen-Konzern reagierte verhalten auf solche Vorschläge. "Wirhaben langfristige Lieferverträge und-beziehungen", betonte einUnternehmenssprecher. Reaktionen auf kurzfristige Preisschwankungen seien nichtvorgesehen. Aber: "Wir stehen in fortlaufenden Gesprächen mit unserenZulieferern und sind daran interessiert, für aufkommende Probleme gemeinsameLösungen zu finden.".

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