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Hintergrund Börsenkrach 1929: Neuauflage denkbar?

Eine Neuauflage des Börsenkrachs vom Oktober 1929 oder eine globale Finanzkrise ist nicht völlig auszuschließen. Sie ist jedoch nach Ansicht der meisten Experten unwahrscheinlicher geworden.

dpa-afx NEW YORK. Eine Neuauflage des Börsenkrachs vom Oktober 1929 oder eine globale Finanzkrise ist nicht völlig auszuschließen. Sie ist jedoch nach Ansicht der meisten Experten unwahrscheinlicher geworden. Diese verweisen auf die härtere Börsen- und Finanzmarktaufsicht sowie automatische Handelsunterbrechungen bei dramatischen Kurseinbrüchen an der Wall Street. Globale Institutionen sollen Finanzkrisen verhindern oder bewältigen. Dazu gehören der Internationale Währungsfonds und die Weltbank. Für Notfälle gibt es ein breit gefächertes geld-, währungs- und fiskalpolitisches Instrumentarium der Zentralbanken und Regierungen.

Inzwischen hat es aber nicht nur zahlreiche Börsen- und Bilanzskandale sondern auch ein rasantes Wachstum der Hedge Fonds mit verwalteten Vermögenswerten von mehr als einer Billion Dollar, tägliche Billionengeschäfte mit Finanzderivaten, eine zunehmende Konzentration bei den Großbanken und ein dramatisches Wachstum von Nichtbanken-Finanzdienstleistern gegeben.

"Finanzinnovationen haben die Möglichkeiten der Diversifikation, des Risikotransfers und des Risikomanagements dramatisch verbessert", erklärte Timothy F. Geitner kürzlich, der Chef der Federal Reserve Bank of New York. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass sie "die periodische Tendenz der Märkte zu Manie- und Panikwellen" beendet hätte.

Der Totaleinbruch der US-Aktienkurse hatte den Dow-Jones-Index zwischen September 1929 und Juli 1932 um fast 90 Prozent abstürzen lassen. Am 19. Oktober 1987 gab es den größten eintägigen Kurssturz der Wall-Street-Geschichte als der Dow um 508 Punkte oder 22,61 Prozent eingebrochen war. Ein weiteres Wall-Street-Desaster spielte sich nach der langen Superhausse der neunziger Jahre ab. Der Gesamtwert aller an den US-Börsen notierten Aktien halbierte sich zwischen März 2000 und Oktober 2002 von einem Rekordstand von 14,7 Billionen Dollar auf nur noch 7,3 Billionen Dollar. Der mit Technologieaktien vollgepackte Nasdaq-Index hatte in dieser Zeit fast 78 Prozent an Wert verloren.

Hunderte von Internetfirmen machten Pleite. Mehrere große Telekom - Konzerne gerieten in Insolvenzverfahren. Die schlimmen Bilanzbetrügereien bei US-Großkonzernen wie dem Energiehändler Enron, dem Telekomriesen Worldcom und beim Kabelfernsehsystem-Betreiber Adelphia Communications flogen auf. Zahlreiche Investmentfonds machten unsaubere Geschäfte mit bevorzugten Firmen. Viele Wertpapieranalysten machten hausintern die den eigenen Kunden lautstark empfohlenen Aktien schlecht.

All dies erinnerte an die Wall-Street-Euphorie und die Börsen- und Unternehmensmanipulationen in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre sowie die folgenden schlimmen Ereignisse während des großen Börsenkrachs vom Oktober 1929 bis zum Tiefstand in 1932. Washington reagierte anschließend mit neuen Wertpapier- und Bankengesetzen. Es entstand die Wertpapier- und Börsenkommission SEC, die die amerikanischen Aktiengesellschaften und die Börsen überwachen und Kurs- und Bilanzmanipulationen verhindern sollte. Die Ereignisse der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass es dabei offensichtliche Lücken gegeben hat.

Die internationalen Finanzmärkte sind relativ gut mit sporadischen regionalen Finanzkrisen und mit den zeitweisen massiven Baissen an den internationalen Börsen fertig geworden. Offen ist jedoch, was geschieht wenn es bei kaum überwachten Geschäften mit Finanzderivat- Produkten, bei einer der weltgrößten Banken, den riesigen Finanzdienstleistern oder selbst bei einem führenden Industrieland wie den USA zu einer überraschenden und spektakulären Krise oder gar zu einem schlimmen Vertrauensverlust in den Dollar, den Euro oder eine andere Hauptwährung kommen sollte./br/DP/zb

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