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HINTERGRUND DaimlerChrysler: Nach Hyundai-Ende China immer mehr im Mittelpunkt

STUTTGART/SEOUL (dpa-AFX) - Beziehungen gehen selten über Nachtauseinander. Auch die "Ehe" von DaimlerChrysler und Hyundai ist amMittwoch nicht überraschend geschieden worden. Allerdings hatte die Diskussionüber die 10,5-Prozent-Beteiligung in Südkorea nach dem Mitsubishi-Debakel in denletzten Wochen neue Bedeutung bekommen, weil einmal mehr die Asien-Strategie vonVorstandschef Jürgen Schrempp in Frage gestellt schien.

Davon könne keine Rede sein, versuchte Vorstandsmitglied Eckhard Cordes,Asienspezialist des Konzerns und enger Schrempp-Vertrauter, am Mittwoch dieGemüter zu beruhigen. Bei den Nutzfahrzeugen sei man jetzt bestens in Asienaufgestellt. In der Tat ging es bei Hyundai anders als bei Mitsubishi Motors vorallem um das zukünftige Geschäft mit Lastwagen. Ähnlich wie bei denPersonenwangen gilt Asien auch in diesem Segment als der Wachstumsmarktschlechthin und DaimlerChrysler als weltweit größter Nutzfahrzeugbauer wolltesich hier einen großes Stück vom Kuchen sichern. Analysten bewerteten die Formder "Scheidung" als recht bemerkenswert. Keine bösen Worte aus Südkorea,Fortführung vieler Projekt - "das hat sicher mehr positive Effekte alsnegative", meinte Frank Biller von der Stuttgarter BW Bank. -

Schon seit Monaten hatte es vor allem in Seoul heftig gegrummelt. Aber esgab nicht nur Unstimmigkeiten im atmosphärischen Bereich; es hatten sich auchdie Grundlagen für ein harmonisches Zusammenleben drastisch geändert. "Wenn Sieim Urlaub ans Mittelmeer fahren wollen und stellen fest, da ist kein Wasser mehrdrin, dann fahren Sie lieber an die Nordsee", schilderte NutzfahrzeugvorstandEckhard Cordes in einem leicht schiefen Bild die neue Lage. Wenn Südkorea dasMittelmeer ist, dann dürften Japan und China die Nordsee bilden. Nach derÜbernahme vom Mitsubishi Fuso im Jahr 2003, Marktführer bei Lkw in Japan und mitüber 20 Prozent Marktanteil einer der großen Anbieter in Japan, begann die imJahr 2000 geschlossene Allianz mit Hyundai zu bröckeln. Mehrmals ließenHyundai-Manager verlauten, dass sie sich keinen größeren Einfluss der Deutschenin Seoul wünschten.

Die Möglichkeit der Aufstockung des Kapitalanteils bei Hyundai auf 15Prozent ließ DaimlerChrysler denn 2003 auch lieber verstreichen - Hyundai hättewohl massiv verschnupft reagiert. Typisch für die Stimmung war auch der Streitum die von Hyundai reklamierten Exklusivrechte für den Pkw-Bau mit BAIC inChina. Als Mercedes-Benz mit BAIC ebenfalls ein Joint Venture ankündigte,schlugen die Wogen in Südkorea hoch. Alles halb so wild und längst erledigt,meinte Cordes jetzt. Das aktuellen gänzlich ungereizten Stellungnahmen aus Seoulvom Mittwoch könnten ein Indiz sein, dass die Stimmung etwas besser gewordenist.

Cordes machte aber auch deutlich, wie gezielt DaimlerChrysler jetzt seinenneuen Schwerpunkt der Asienstrategie in China setzen will. Bei Pkw liegt manzwar mengenmäßig deutlich hinter VW, Audi und BMW und will erst Ende 2005 dieProduktion von E- und C-Klasse- Modellen beginnen. Bei Bussen, Transportern undLastwagen hat der Weltmarktführer aus Stuttgart aber die Nase vorn. ImTransporterbereich steht das Gemeinschaftsunternehmen schon, bei Lastwagen wirdes nicht mehr lange dauern, machte Cordes deutlich. Den kleinen Seitenhieb, dassman diese Autos ja dann gut ins sich gerade öffnende Südkorea exportieren könne,wollte sich der Manager nicht verkneifen.

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