Hintergrund
Das Euthanasie-Verbrechen im Dritten Reich

dpa HAMBURG. Hinter dem so genannten Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten verbarg sich der organisierte Massenmord an seelisch leidenden, körperlich oder geistig behinderten Menschen und an chronisch Kranken. Unter dem verfälschten Begriff der Euthanasie (griech.: schöner Tod) sonderten Ärzte in Pflege- und Heilanstalten ihre Opfer als "lebensunwertes Leben" aus. Männer, Frauen und Kinder wurden - wie in "geheimer Reichssache" angeordnet - von ihrem "Leiden erlöst", wie es hieß. Das von langer Hand vorbereitete Programm wurde von Medizinern, Juristen und Wissenschaftlern unterstützt. "Es war der Probelauf für den Judenmord", schrieb Ernst Klee in der Studie "Euthanasie im NS-Staat".

Nach offiziellen Statistiken starben in der ersten Phase zwischen Ende 1939 und Sommer 1941 mindestens 70 000 bis 90 000 Menschen. Bis zum Kriegsende 1945 fielen nach unterschiedlichen Expertenschätzungen insgesamt 120 000 bis 250 000 Menschen dem Euthanasieprogramm zum Opfer. Gesteuert wurde die Vernichtungsaktion von der so genannten "Geheimorganisation T 4", so benannt nach ihrem Sitz in der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Berüchtigte zentrale Tötungsanstalten befanden sich in Brandenburg/Havel, Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb, Bernburg (Saale), Hadamar in Hessen, Sonnenstein in Sachsen und Hartheim in Österreich.

Nach zunehmendem Widerstand aus der Bevölkerung und vor allem aus den beiden großen Kirchen sowie Protesten der Weltöffentlichkeit ließ Adolf Hitler die Vergasungen am 24. August 1941 stoppen. Doch die Morde an Behinderten gingen in den Gaskammern im Osten oder bei der so genannten wilden Euthanasie in den Pflegeanstalten weiter. Dort experimentierten gewissenlose Mediziner mit Medikamenten und Elektroschocks. Nach dem Krieg nahmen sich einige Euthanasie-Ärzte das Leben, andere wurden verurteilt. Viele Verantwortliche konnten aber untertauchen.

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