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Hintergrund: Das Zloty-Dilemma

Seit Wochen treffen sie sich immer wieder, und seit Wochen fahren sie immer wieder ergebnislos nach Hause. Die Abordnungen der deutschen Zwangsarbeiter-Stiftung und der polnischen Partnerorganisation, der Stiftung "polnisch-deutsche Versöhnung", müssen ein Problem lösen, wissen aber nicht wie. Die Polen wollen eine Entschädigung für die knapp 200 Millionen Mark Schaden, die polnischen Zwangsarbeitern durch ein verunglücktes Währungsgeschäft der deutschen Stiftung entstanden sind. Der Zlotykurs war stark gefallen, nachdem der deutsche Stiftungsvorstand gut 1,3 Milliarden Mark in Zloty gewechselt hatte. Die polnische Opfer müssen derzeit zusehen, wie der Wert ihres Entschädigungskapitals immer weiter abnimmt.

HB DÜSSELDORF. Als Kompromiss hat die deutsche Seite vorgeschlagen, einen Teil der Zinsen von dem Zlotykonto der Deutschen nach Polen zu überweisen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen fordert die polnische Stiftung aber mehr als 100 Millionen Mark - rund drei Mal so viel das Zinsangebot der Deutschen. Die polnischen Opferverbände bereiten deshalb bereits eine Klage vor. "Wenn die deutsche Seite uns für die Verluste beim Umtausch der Entschädigungssumme in Zloty nicht ausreichend entschädigt, müssen wir vor Gericht Schadensersatz verlangen", sagt Ludwik Krasucki, Generalsekretär des Verbandes der jüdischen Kriegsveteranen und-beschädigten in Polen und einer der Unterhändler der polnischen Stiftung. Eigentlich sollte dem Kuratorium der deutschen Stiftung auf seiner Sitzung am 10. Oktober ein Lösungvorschlag präsentiert werden. Aber die Parteien scheinen derzeit weiter voneinander entfernt als noch vor einigen Wochen.

Die Deutschen sehen kaum Spielraum für ein höheres Angebot. Die von Unternehmen und Bundesregierung zugesagten zehn Milliarden Mark sind bereits per Stiftungsgesetz verteilt - ebenso wie fest eingeplante Zinseinnahmen in Höhe von mindestens 100 Millionen Mark. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder ist nicht bereit, zusätzliche Mittel zu gewähren; ebenso wenig wie die deutsche Wirtschaft, die ihren Anteil von fünf Milliarden Mark ohnehin schon nur unter größten Anstrengungen zusammen bekommen hatte.

Selbst aus zusätzlichen Zinseinkünften könnte der Schaden nicht gedeckt werden. Dies widerspreche dem Stiftungsgesetz, heißt es im Finanzministerium, das die Rechtsaufsicht über die Stiftung hat. Andere Gruppen müssten noch vor den Polen bedient werden.

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