Hintergrund
Die fünf Angeklagten im La-Belle-Prozess

Im Prozess um den Terroranschlag auf die Berliner Discothek La Belle 1986 waren fünf Personen angeklagt. Die Personen im Einzelnen:

dpa BERLIN. Verena Chanaa (42) - Die frühere Ehefrau des Mitangeklagten Ali Chanaa hatte laut Urteil die Bombe in der Discothek gelegt. Die 1959 in Ost-Berlin geborene und später nach West-Berlin ausgereiste Frau schwieg vor Gericht. Im Vorfeld des Prozesses gestand sie, die Tasche mit dem Sprengsatz in der Discothek deponiert zu haben, ohne den gefährlichen Inhalt genau zu kennen. In den 80er Jahren arbeitete sie mit der Stasi zusammen. Die Sekretärin und Gelegenheitsprostituierte verriet unter anderem Adressen ihrer Freier. Sie wurde vom Gericht zu 14 Jahre Haft wegen dreifachen Mordes und 104-fachen Mordversuchs verurteilt.

Yasser Chraidi (42) - Der staatenlose Palästinenser wurde 1959 in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Beirut geboren. 1992 wurde er in Libanon festgenommen und im Mai 1996 nach Berlin ausgeliefert. Zu DDR-Zeiten soll Chraidi seit 1984 im libyschen Volksbüro in Ost- Berlin tätig gewesen sein. Laut Anklage organisierte Chraidi das Attentat im Auftrag des libyschen Geheimdienstes. Er erhielt 14 Jahre Haft wegen Beihilfe zum dreifachen Mord und 104-fachen Mordversuchs.

Musbah Abulgasem Eter (44) - Der 1957 in Tripolis geborene Libyer galt als Kronzeuge der Anklage. Laut Staatsanwaltschaft war er ab 1984 Mitarbeiter der libyschen Botschaft in Bonn, danach in Ost- Berlin. Er hatte den Ermittlungen zufolge die Bedienungsanleitung für den Bau der Bombe überbracht. Seine Aussagen vor einem Berliner Staatsanwalt auf der Insel Malta im Sommer 1996 halfen maßgeblich bei der Aufklärung des Attentats. Vor Gericht widerrief er sein Geständnis und legte später ein neues Teilgeständnis ab. Er wurde zu 12 Jahren Haft wegen Beihilfe verurteilt.

Ali Chanaa (42) - Der 1959 in einem Flüchtlingslager bei Beirut geborene Palästinenser kam im April 1976 als Asylbewerber nach Deutschland. Seit 1981 spitzelte er für die DDR-Stasi unter dem Namen "Alba". Chanaa soll laut Anklage den Zünder in den Sprengsatz gebaut haben, er selbst stellte sich nur als beobachtender Informant dar. Er will die Stasi vor dem Anschlag unterrichtet haben. Chanaa legte vor Gericht ein Teilgeständnis ab. Auch Chanaa erhielt 12 Jahre Haft wegen Beihilfe.

Andrea Häusler (36) - Die Schwester von Verena Chanaa wurde 1965 in Ost-Berlin geboren und reiste später ebenfalls in den Westteil aus. Sie soll ihre Schwester in die Discothek begleitet haben und war wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Vor Gericht schwieg sie. Nach dreieinhalb Jahren Untersuchungshaft wurde die Mutter eines kleines Sohnes im Januar 2000 unter Meldeauflagen auf freien Fuß gesetzt. Sie wurde als einzige Angeklagte mangels Beweisen freigesprochen.

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