Hintergrund
Die Geschichte der Wehrpflicht in Deutschland

Die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland ist vor fast 200 Jahren im Zuge der Freiheitskriege gegen das Frankreich Napoleons I. entstanden. Vorbild war das revolutionäre Frankreich, dessen militärischen Erfolge als Ergebnis der Wehrpflicht gesehen wurden.

ap BERLIN. Die preußischen Heeresreformer um August Wilhelm Anton Graf Neidhardt von Gneisenau und Gerhard Johann David von Scharnhorst erklärten die Verteidigung des Vaterlandes 1814 zur sittlichen Pflicht eines jeden Bürgers. Zugleich werteten sie den bis dahin eher schlecht beleumdeten Soldatenberuf zu einem für ehrbare Bürger angemessenen Stand auf.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts diente die Wehrpflicht immer mehr zur Militarisierung breiter Schichten der Bevölkerung. Reserveoffiziere genossen im kaiserlichen Deutschland höchstes gesellschaftliches Ansehen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutschland im Vertrag von Versailles die allgemeine Wehrpflicht untersagt. Die Folge waren eine weitgehende Isolierung der Armee in der bürgerlichen Gesellschaft und eine Abschottung der Militärs gegenüber den Institutionen des demokratischen Systems. Dieses Phänomen des "Staates im Staate" gehört noch heute zu den Argumenten gegen eine Berufsarmee und gegen die Abschaffung der Wehrpflicht. 1935 führten die Nationalsozialisten in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht wieder ein und brachen damit offen den Versailler Vertrag. Dieser Schritt war die Grundlage für den Aufbau des Massenheeres, das von Adolf Hitler in den Zweiten Weltkrieg geführt wurde.

In der Diskussion um einen Verteidigungsbeitrag Westdeutschlands ging man schon 1950 in der so genannten Himmeroder Denkschrift von einem Wehrpflichtheer aus, weil nur so die erforderliche Truppenstärke und eine enge Verbindung zwischen Streitkräften und parlamentarischer Demokratie erreicht werden könnten. Im Grundgesetz wurde die Wehrpflicht als Kann-Bestimmung verankert. Eingeführt wurde sie in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Wehrpflichtgesetz vom 21. Juli 1956.

In der DDR wurde die Wehrpflicht erst nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 eingeführt. Sie war dort "Recht und Ehrenpflicht" für jeden wehrfähigen Bürger ab 18 Jahren. Der Grundwehrdienst betrug 18 Monate.

In Westdeutschland ist die Dauer des Grundwehrdienstes mehrfach verändert worden. 1956 bis 1961 betrug sie zwölf Monate. 1962 wurde sie als Reaktion auf den Mauerbau auf 18 Monate erhöht. 1972 bis 1985 dauerte der Grundwehrdienst 15 Monate, 1986 bis 1988 18 Monate und 1989 wieder 15 Monate. 1990 bis 1995 mussten Rekruten wieder zwölf Monate dienen und 1996 bis 2001 zehn Monate mit anschließender zweimonatiger Verfügungsbereitschaft. Außerdem wurde 1996 die bis heute bestehende Möglichkeit eröffnet, im Anschluss an den Grundwehrdienst einen zusätzlichen freiwilligen Wehrdienst von mindestens zwei und höchstens 13 Monaten bei relativ attraktiver Besoldung zu leisten.

Seit 1. Januar 2002 dauert der Grundwehrdienst nur noch neun Monate. Er kann in zwei Abschnitten geleistet werden: Im ersten Abschnitt von sechs Monaten werden militärische Grundkenntnisse und soldatische Basisfähigkeiten vermittelt. Die restlichen drei Monate können in zwei Abschnitten zu je sechs Wochen und müssen binnen drei Jahren absolviert werden.

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