Hintergrund
Die internationale Schutztruppe in Afghanistan

Soldaten aus 29 Staaten sichern seit gut einem Jahr den Frieden in Afghanistan. Nun übernimmt Deutschland gemeinsam mit den Niederlanden für sechs Monate das Kommando über die internationale Schutztruppe (ISAF).

HB/dpa KABUL. Derzeit nehmen rund 1700 deutsche Soldaten am bislang gefährlichsten Einsatz der Bundeswehr teil. Bis Mitte des Monats soll die Zahl auf 2500 anwachsen. Dann stellt die Bundeswehr rund die Hälfte aller ISAF-Soldaten. Deutschland und die Niederlande übernehmen die ISAF-Führung von der Türkei.

Nach mehr als 22 Jahren Krieg und Bürgerkrieg regiert in Afghanistan eine Übergangsregierung unter Staatspräsident Hamid Karsai - das Taliban-Regime war in Folge der Terrorangriffe vom 11. September 2001 vor allem mit Hilfe der USA gewaltsam gestürzt worden. Im Dezember des Jahres beschloss der Weltsicherheitsrat die Aufstellung der "International Security Assistance Force" (ISAF).

Im Auftrag der Vereinten Nationen soll die Schutztruppe die Interimsregierung unter anderem bei der Wahrung der Menschenrechte und der inneren Sicherheit des Landes unterstützen. Die Soldaten helfen außerdem im humanitären Bereich und bei der Rückkehr von Flüchtlingen. Mandat und Organisation von ISAF sind strikt getrennt vom Anti-Terror-Kampf im Rahmen von "Enduring Freedom", an dem ebenfalls deutsche Soldaten teilnehmen.

Am 22. Dezember 2001 erteilte der Bundestag das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr am ISAF-Einsatz, im Januar 2002 wurden die ersten deutschen Vorauskräfte nach Afghanistan in Marsch gesetzt. Im Dezember vergangenen Jahres verlängerte das Parlament das Mandat für die Teilnahme deutscher Soldaten um ein Jahr und stimmte zugleich der Übernahme des ISAF-Kommandos zu. ISAF-Soldaten dürfen zu ihrer eigenen Verteidigung und zum Schutz der afghanischen Regierung und Bevölkerung Waffengewalt anwenden.

Eingesetzt wird die Friedenstruppe nur in Kabul und der näheren Umgebung der Hauptstadt. Die Bundeswehr betreibt außerdem einen Flughafen im usbekischen Termez an der Grenze zu Afghanistan. Die Lage in Afghanistan gilt auch rund eineinviertel Jahre nach dem Sturz der Taliban als unruhig und instabil. Mehrmals schlugen in der Nähe des deutschen Camps Raketen ein. Mitte Dezember sprengte sich vor dem Lager ein Attentäter mit einer Handgranate in die Luft.

Bei Unfällen im Rahmen des ISAF-Einsatzes kamen bislang neun deutsche Soldaten ums Leben. Kurz vor Weihnachten waren beim Absturz eines Hubschraubers nahe Kabul sieben Bundeswehrsoldaten gestorben. Bei der unsachgemäßen Entschärfung einer Rakete wurden vor knapp einem Jahr zwei deutsche und drei dänische Soldaten getötet.

Insgesamt sind derzeit rund 9000 deutsche Soldaten im Ausland eingesetzt. Damit ist Deutschland nach den USA der größte Truppensteller bei den laufenden internationalen Militäreinsätzen und liegt noch vor England und Frankreich. Außer in Afghanistan sind Bundeswehr-Soldaten vor allem auf dem Balkan und bei der Terror- Bekämpfung eingesetzt.

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