Hintergrund
"Dschihad" - der "Heilige Krieg" des Islam?

Das arabische Wort "Dschihad" bedeutet übersetzt nicht "heiliger Krieg", wie oft kolportiert, sondern schlechthin "Anstrengung (für eine Sache)". Laut Salim Abdullah, Direktor des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland, trifft die Bezeichnung "Dschihad" auch zu, "wenn ein Kind in der Schule gut lernt".

ddp BERLIN/SOEST. Dabei kenne der Koran drei Grade der "Anstrengung": Nach dem Kampf gegen die eigenen Begierden und für soziale Gerechtigkeit werde denen die "Erlaubnis zu kämpfen" gegeben, die wegen ihres Glaubens "schuldlos aus ihrer Heimat vertrieben wurden". Hierauf beriefen sich beispielsweise radikale Palästinenser im Kampf gegen Israel, erläuterte der Islamforscher der Nachrichtenagentur ddp.

Die Selbstmordattentäter glaubten, als "Märtyrer" ins Paradies zu gelangen, erklärte Abdullah. Sie beriefen sich auf eine Koranstelle, die denjenigen Moslems das Paradies verspreche, die im Einsatz für den Glauben sterben. Dies beziehe sich aber auf getötete Missionare, erklärte der Forscher. Reinhard Schulze vom Berner Institut für Islamwissenschaft merkt an, Selbstmord sei im Islam ausdrücklich verboten. Daher finden die Terroristen laut Abdullah für ihre Akte keine Rechtfertigung im Koran. Dieser fordere ausdrücklich zum Gewaltverzicht auf: "Sooft du die Flamme des Krieges entzündest, wird Gott sie erlöschen."

Auch die Islamexpertin Annemarie Schimmel zitiert entsprechende Stellen aus einer der ersten Suren des Koran: "Wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord oder eine Gewalttat begangen hat, so ist es, als ob er die ganze Menschheit ermordet hat ...". Christentum und Judentum werden vom Islam als «Buchreligionen» anerkannt. Jesus Christus gilt im Islam als Prophet, Abraham als Stammvater von Juden und Moslems. So heißt es im Koran (Sure 3,84): "Wir glauben an Allah und ... was gegeben ward Moses und Jesus und Propheten von ihrem Herrn. Wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen, und Ihm unterwerfen wir uns". Der Islam sehe daher keine Notwendigkeit zur Bekehrung der Anhänger dieser "Buchreligionen" im Unterschied zu den so genannten Ungläubigen, stellt Schulze fest.

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