Hintergrund
Eine Chronologie der Turbulenzen um Scharping

Seit zwei Wochen steht Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) unter Beschuss. Zunächst irritierte er die Öffentlichkeit mit Privatfotos von sich und seiner Lebensgefährtin, dann geriet er wegen umstrittener Flüge mit der Flugbereitschaft seines Ministeriums in die Kritik.

dpa HAMBURG. Angefangen hatte alles bereits vor einem Jahr im August, als der stets grau und verschlossen wirkende Scharping sich nach seiner Scheidung wie verwandelt und frisch verliebt mit Kristina Gräfin Pilati-Borggreve in "Bild am Sonntag" präsentierte. Vier Monate später sorgte eine Tour der beiden in den Nahen Osten für Schlagzeilen, im Januar dieses Jahres dann sein Auftritt in der Talk- Show "Boulevard Bio".

Der Countdown begann sieben Monate danach:

23. August: Die Illustrierte "Bunte" veröffentlicht auf mehreren Seiten Urlaubsbilder des badenden Paares Scharping/Pilati aus Mallorca. Erste Reaktionen: Häme in den Medien, Spott und Verwunderung bei Politiker-Kollegen.

27. August: Unter der Überschrift "Rudolf der Eroberer" zeigt auch der "Spiegel" Fotos des Ministers im Hotelpool; er turtele, während die Truppe nach Mazedonien solle. FDP-Chef Guido Westerwelle spricht von einer "Gefahr für die Autorität" des Ministers. Die vom CDU-Verteidigungsexperten Paul Breuer sogleich aufgeworfene Frage eines Rücktritts stelle "sich schlichtweg nicht", sagt eine Regierungssprecherin. Scharping selbst sieht viel Neid, "wenn ein anderer glücklich ist".

29. August: In Anwesenheitheit Scharpings billigt der Bundestag den umstrittenen NATO-Einsatz der Bundeswehr zur Entwaffnung der Rebellen in Mazedonien. Scharping hatte zwei Tage zuvor seinen Urlaub unterbrochen.

31. August: Nach den Urlaubsfotos geraten Mallorca-Flüge des Ministers als "neuerliche Kapriolen" in die Kritik. Nach nur einer Nacht auf der Insel war er am Vortag von dort mit einer Maschine der Flugbereitschaft zu einem Besuch in Mazedonien abgeholt worden. Zum Rückflug benutzte er einen eigentlich für die CDU/CSU-Fraktionsspitze reservierten Jet.

1. September: Kanzler Gerhard Schröder (SPD) stellt sich vor seinen Minister: "Ihm ist nichts vorzuwerfen", man solle "die Kirche im Dorf .. lassen". Am selben Tag kommt erstmals offene Kritik aus der SPD, die Grünen zeigen sich "befremdet". Zurück in Deutschland, lässt sich Scharping "keine Vorwürfe machen, wenn ich... drei Mal meinen Urlaub unterbrechen muss". Nach einem vertraulichen Gespräch mit Schröder reist er zu einer Tagung der europäischen Sozialdemokraten nach Italien.

3. September: Der SPD-Parteirat und Schröder lehnen Forderungen nach einem Rücktritt Scharpings einhellig ab, allenfalls ist von ungeschicktem Verhalten die Rede (Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe). Der Antrag der Union auf eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses wegen der Mallorca-Flüge und anderer Flüge zwischen Berlin und dem Frankfurter Wohnsitz von Gräfin Pilati wird von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zurückgewiesen.

5. September: Die Anzeichen für einen Rücktritt mehren sich. Ein Regierungssprecher dementiert, dass Schröder Scharping einen Verzicht auf sein Ministeramt nahe gelegt habe.

6. September: Der Druck auf Scharping wächst weiter. Nach neuen Informationen soll Scharping seit dem Kennenlernen der Gräfin Pilati etwa 40 Mal die Flugbereitschaft für Flüge nach Frankfurt/Main genutzt haben. In dem Jahr davor gab es nur vereinzelt Frankfurt - Flüge.

7. September: Scharping selbst sieht weiterhin keinen Grund zum Rücktritt, obwohl sein Ministerium bestätigt, dass er seit dem Sommer letzten Jahres rund 50 Mal mit der Flugbereitschaft zwischen Berlin und Frankfurt am Main geflogen ist. Wie gleichzeitig weiter bekannt wurde, ist Scharping in den letzten Monaten mindestens in zwei Wochen jeweils mehrmals mit Bundeswehr-Flugzeugen in Frankfurt gewesen.

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