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Hintergrund: Eine Karriere mit Pech und Pannen

Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) ist kurz nach Veröffentlichung von Mallorca-Urlaubsfotos an der Seite seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati erneut in Bedrängnis geraten. Scharpings Flug von Skopje nach Mallorca und die Brüskierung der Unionspolitiker Friedrich Merz und Michael Glos, denen er den Flieger vor der Nase wegschnappte, sorgte am Freitag in Berlin nicht nur bei der Opposition für Unverständnis und Kopfschütteln.

dpa BERLIN. Scharpings politische Karriere wurde von einigen Höhen und vielen Tiefs geprägt:

- März 1994: Der SPD-Vorsitzende Scharping verwechselt bei der Vorstellung einer Ergänzungsabgabe bei den Einkommensgrenzen Brutto und Netto.

- November 1994: Scharping kündigt einen Kurswechsel in der SPD-Wirtschaftspolitik an, rückt aber rasch wieder davon ab.

- August 1995: Scharping setzt Gerhard Schröder nach heftigem Streit als SPD-Wirtschaftssprecher ab.

- November 1995: Auf dem Mannheimer Parteitag unterliegt Scharping Oskar Lafontaine in einer Kampfabstimmung um den SPD-Vorsitz.

- Juni 1996: Der begeisterte Radfahrer Scharping stürzt schwer und zieht sich eine Gehirnerschütterung zu.

- September 1998: Nach Schröders Sieg bei der Bundestagswahl muss Scharping seinen Posten als Fraktionschef räumen und wird gegen seinen Willen Verteidigungsminister. Dort macht er zunächst eine gute Figur, macht sich jedoch zunehmend durch arrogantes Verhalten auch in der SPD unbeliebt. Berichte, er säge am Stuhl des Kanzlers, um Nachfolger zu werden, nennt er "Schafscheiße".

- Dezember 1999: Beim Berliner SPD-Parteitag erhält Scharping mit 73,2 % das zweitschlechteste Resultat aller Vertreter von Parteichef Schröder.

- Juni 2000: Das Bundeskabinett billigt die Bundeswehrreform. Scharping kann sich mit dem Wunsch nach mehr Finanzmitteln für den Wehretat nicht durchsetzen.

- September 2000: Scharpings Auto fährt bei einem Besuch im US-Pentagon auf eine Sperre, der Minister wird am Fuß verletzt.

- Dezember 2000: Nach einer Dienstreise Scharpings zusammen mit seiner neuen Lebensgefährtin Pilati in den Nahen Osten mit vielen touristischen Abstechern werden erste Beschwerden laut, der Minister gehe mit seinem Privatleben nicht diskret genug um.

- Januar 2001: Nach einem auch von vielen Parteifreunden als peinlich empfundenen Fernsehauftritt des Paars bei Alfred Biolek gibt es neues Kopfschütteln. Von Instinktlosigkeit ist in der SPD die Rede.

- August 2001: Scharping und Pilati lassen sich in einer Fotoserie in der "Bunten" als frisch verliebtes Paar im Swimming-Pool auf Mallorca ablichten, während die ersten Soldaten sich schon auf den riskanten Mazedoneien-Einsatz vorbereiten. Nur mühsam können der Kanzler und andere SPD-Politiker die Fassung bewahren. Aus der Opposition kommen erste Rücktrittsforderungen.

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