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HINTERGRUND: Fiat in Polen - Tradition, Billiglöhne und Qualitätswettlauf

TICHY (dpa-AFX) - Die Autoproduktion von Fiat in Polen hat eine langeTradition. Bereits 1921 startete Fiat dort mit Import undVertrieb. In den 60er Jahren wurde dann der erste Lizenzvertrag für den "Fiat125" unterzeichnet. 1973 startet die Firma FSM in Bielsko Biala unter einerLizenzvereinbarung den Bau des "Polski Fiat 126".

TICHY (dpa-AFX) - Die Autoproduktion von Fiat in Polen hat eine langeTradition. Bereits 1921 startete Fiat dort mit Import undVertrieb. In den 60er Jahren wurde dann der erste Lizenzvertrag für den "Fiat125" unterzeichnet. 1973 startet die Firma FSM in Bielsko Biala unter einerLizenzvereinbarung den Bau des "Polski Fiat 126".

1991 nach dem Zusammenfall des Ostblocks übernahm Fiat Auto dann FSM. ImWerk in Tichy wurden über die Jahre hinweg zunächst weiter das 126-Modell unterFiat-Regie gebaut, später kamen Uno, Seicento, Siena und Palio Weekend hinzu.Bis heute sind hier 3,3 Millionen Fiat-Automobile vom Band gerollt. Mittlerweileist Polen zum drittwichtigsten Fiat-Produzenten nach Italien und Brasilienaufgestiegen. Fiat wurde die Nummer eins in Polen, für den Konzern ist das Landder fünftwichtigste Absatzmarkt. Doch 2001 brach der Automarkt in Polen überNacht ein, auch Fiats Absatz schwächelte.

PANDA AUS TICHY

Mit dem vor gut einem Jahr aufgelegten Umbauprogramm des Turiner Konzernswurde die Produktion der beiden Modelle Siena und Palio von Tichy in die Türkeiverlagert. Gleichzeitig erhielt das polnische Werk den Zuschlag für denexklusiven Bau des neuen Panda. Eine Entscheidung, die den Osteuropa-Ableger vonFiat zwar vom Abschneiden von nur zwei Kleinwagen abhängig machte - dochtatsächlich half sie Tichy wieder auf die Sprünge.

Denn der Erfolg des zum Auto des Jahres 2004 gekürten Panda, von dem im Mai2004 in Tichy der 100.000 Wagen vom Band rollte, sorgte im Werk für zusätzlichenArbeitskräftebedarf. Wegen eines kräftigen Einbruchs des gesamten polnischenAutomarktes vor knapp drei Jahren hatte Werksleiter Zdzislaw Arlet etwa 1.000Stellen streichen müssen, dank dem Panda konnte er inzwischen wieder 700 neueMitarbeiter ins Werk holen.

QUALITÄTSWETTLAUF

Im Qualitätswettlauf mit anderen Herstellern arbeitet der Werksleiterunterdessen mit harten Bandagen. Ein Arbeiter, der Fehler macht, muss damitrechnen, mit Foto und "Vergehen" an der Produktionslinie ausgestellt zu werden.Im regelmäßigen Turnus wird das "Auto der Woche gekürt" - Qualitätsdruck aufpolnisch. Dabei orientiert sich Arlet streng an den Standards des japanischenAutobauers Toyota , der in Sachen Qualität als Musterknabeder gesamten Branche gilt. Eine unendliche Reihe von Qualitätstests hat das WerkTichy inzwischen bestanden, zahlreiche Zertifikate erworben.

85 Prozent der in Tichy produzierten Panda-Wagen werden heute ins Auslandexportiert. Da lohnt sich für Fiat ein Blick in die Lohntüten der polnischenArbeiter und der Vergleich mit dem Einkommen ihrer westlichen Kollegen ganzbesonders. Denn nicht einmal umgerechnet 500 Euro bekommt ein Arbeiter in Tichypro Monat. Ein Kostenfaktor, der viele westliche Unternehmen derzeitnachdenklich stimmt. "Mit der Osterweiterung und dem Beitritt Polens in dieEuropäische Union werden aber auch die Löhne in Polen anziehen", gibt EnricoPavoni, Chef von Fiat Auto Poland zu bedenken. Doch das werde nicht "von heuteauf morgen" geschehen.

Dass es Fiat in Zukunft an einen anderen, möglicherweise nochkostengünstigeren Produktionsort ziehen könnte - in die Ukraine etwa,Gedankenspiele mancher Unternehmer und Analysten - scheint es bislang im Konzernnoch nicht zu geben. "Tichy ist und bleibt das Herzstück der polnischenKleinwagenproduktion", bekräftigt Gualberto Ranieri, Kommunikationschef derFiat-Autosparte./

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