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HINTERGRUND: Generationswechsel bei Siemens - Pierer behält KontrolleDPA-Datum: 2004-07-07 18:46:42

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Heinrich von Pierer behält die Fäden in der Hand. Mit der überraschenden Ankündigung seines Rückzugs Anfang kommenden Jahres vermied der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Elektrokonzerns Siemens AG < SIE.ETR > eine quälende Nachfolgedebatte. "Natürlich wollte Pierer keine 'lame duck' sein", sagte ein Unternehmenskenner am Mittwoch. Als lahme Ente gelten Chefs, deren Abschiedstermin schon feststeht und die so an Einfluss verlieren.

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Heinrich von Pierer behält die Fäden in der Hand. Mit der überraschenden Ankündigung seines Rückzugs Anfang kommenden Jahres vermied der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Elektrokonzerns Siemens AG < SIE.ETR > eine quälende Nachfolgedebatte. "Natürlich wollte Pierer keine 'lame duck' sein", sagte ein Unternehmenskenner am Mittwoch. Als lahme Ente gelten Chefs, deren Abschiedstermin schon feststeht und die so an Einfluss verlieren.

"Es gibt kein besseres Unternehmen als Siemens", hat Pierer einmal gesagt. Als künftiger Aufsichtsrats-Vorsitzender wird er weiter aufpassen können, dass dies unter seinem Wunsch-Nachfolger Klaus Kleinfeld aus seiner Sicht auch so bleibt.

Mit der Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche in zwei Werken hatte Pierer in den vergangenen Tagen bereits viel Aufsehen erregt. In Wirtschaftskreisen mehrte die flexible Regelung, die er in Verhandlungen mit der IG Metall durchboxte, sein Ansehen weiter. Die Gewerkschaften fürchten allerdings, dass Pierer einen Dammbruch für längere Arbeitszeiten ausgelöst hat.

FAZIT VON PIERERS AMTSZEIT ZWIESPÄLTIG

Daher fiel das Fazit seiner zwölfjährigen Amtszeit in Arbeitnehmerkreisen am Mittwoch auch zwiespältig aus. "Aus Unternehmenssicht hat er Siemens sicher gut geführt. Ob das auch aus Arbeitnehmersicht gilt, ist fraglich." Dennoch hatte Pierer auf Betriebsversammlungen auch in Zeiten des Stellenabbaus von der Belegschaft steht viel positives zu hören bekommen.

In den vergangenen Monaten hatte Pierer viel mit dem Thema Vertragsverlängerung gespielt. Beobachter gingen davon aus, dass Pierer bis zur Hauptversammlung 2006 weiter machen könnte. "Da hat Siemens viele Nebelkerzen gelegt", sagt ein Branchenkenner. Für Pierer sei der Vorsitz im Aufsichtsrat ein großes Ziel gewesen. Daher bot sich ein Wechsel Anfang 2005 an, da der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Hermann Baumann im kommenden Jahr die Altersgrenze von 70 Jahren erreicht.

Der Wechsel vom Vorstandsvorsitz auf den Chefsessel im Aufsichtsrat ist in Deutschland zwar üblich, nach den modernen Regeln der Unternehmenskontrolle (Corporate Governance) aber nicht unumstritten. Auf Hauptversammlungen mussten sich dafür zum Beispiel der frühere HypoVereinsbank-Chef < HVM.ETR > Albrecht Schmidt und Allianz-Chef < ALV.ETR > Henning Schulte-Noelle heftige Kritik anhören.

KREISE: PIERER STELLT SICH OFFENER DISKUSSION AUF HAUPTVERSAMMLUNG

Mit der jetzt gefundenen Regelung stelle sich Pierer aber der offenen Diskussion auf der Hauptversammlung 2005, wurde in Branchenkreisen betont. "Das ist ein geordneter Übergang." In anderen Fällen hatten sich Manager bei Wechseln unter dem Jahr zunächst vom Registergericht in den Aufsichtsrat bestellen lassen.

Pierer hatte die Diskussion um seine Nachfolge immer offen gehalten und betont, es gebe eine Reihe von möglichen Kandidaten. Klaus Kleinfeld galt aber als Kronprinz spätestens seit er Anfang des Jahres die Verantwortung für das Arbeitsgebiet Information und Kommunikation übernahm. "Kleinfeld hat Pierer seit Jahren als sein Adjudant unterstützt", sagt ein Unternehmenskenner. So habe er das Fitness-Programm "top+" mitentwickelt. Zudem bringe der frühere USA- Chef von Siemens die notwendige internationale Erfahrung und das kommunikative Talent mit. "Er ist der geborene Nachfolger."

- Axel Höpner, dpa -

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