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Hintergrund Getrunken wird immer: Absatzrückgang bei Bier gestoppt

An das Rekordjahr 2003 mit dem "Jahrhundertsommer" werden die deutschen Getränkehersteller in diesem Jahr wohl nicht ganz anknüpfen. Zumindest die deutschen Bierbrauer könnten den seit Jahren anhaltenden Absatzrückgang trotz eines eher kühlen und feuchten Sommers zum Stillstand bringen.

dpa-afx NÜRNBERG. An das Rekordjahr 2003 mit dem "Jahrhundertsommer" werden die deutschen Getränkehersteller in diesem Jahr wohl nicht ganz anknüpfen. Zumindest die deutschen Bierbrauer könnten den seit Jahren anhaltenden Absatzrückgang trotz eines eher kühlen und feuchten Sommers zum Stillstand bringen. Nach dem Motto "Getrunken wird immer" rechnen auch die Produzenten von Mineralwässern, Erfrischungsgetränken und Fruchtsäften mit einem Absatz, der allenfalls wenige Promille unter dem Superergebnis des vergangenen Jahres bleibt.

Auf der Leitmesse für die Getränkewirtschaft in Europa, der Brau Beviale in Nürnberg, zeigen die mittelständischen Brauereien Optimismus. Verbandspräsident Andreas Stöttner beklagt zwar einen harten Verdrängungswettbewerb in der Branche. "Der Mehrzahl der kleinen und mittleren Brauereien geht es dank Produktvielfalt und regionaler Verwurzelung gut." Und das, obwohl die Biersteuererhöhung zu Beginn dieses Jahres vornehmlich die mittelständischen Betriebe belastet.

Weit stärker profitiert die Masse der kleineren Brauereien von der Einführung des Dosenpfandes Anfang des vergangenen Jahres, das vornehmlich die Branchenriesen getroffen hat. Mittlerweile, so Verbandsgeschäftsführer Werner Gloßner, liegt der Anteil umweltfreundlicher Mehrwegflaschen in der Branche wieder stabil bei über 90 Prozent. Vor der Jahre lang umstrittenen Entscheidung pro Dosenpfand hatte er nur noch knapp über 70 Prozent betragen. Entsprechend sei der Anteil der Getränkemärkte am Einzelhandelsbierabsatz binnen zwei Jahren von 31,2 auf 46,3 Prozent gestiegen, bezieht sich Stöttner auf eine Analyse des Marktforschers GfK.

Die wochenlangen Höchstwerte von mehr als 35 Grad im Sommer 2003 gingen eher zu Lasten der Brauer. Selbst eingefleischte Biertrinker griffen bei sengender Sonne und tropischen Temperaturen lieber zu Mineralwasser, Schorle oder Saft. So erreichte der Pro-Kopf-Verbrauch kalter alkoholfreier Getränke im vergangenen Jahr den Spitzenwert von 290,4 Litern. Das waren fast 20 Liter mehr als in 2002. Der Bierkonsum lag dagegen laut ifo-Institut mit 117,5 Litern um drei Prozent unter dem Vorjahreswert.

Insofern relativiert sich auch der Absatzzuwachs beim Bier um 0,3 Prozent auf 81,2 Mill. Hektoliter in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Platz drei in der Welt nach China und den USA und Platz eins in Europa ist der Braunation Deutschland auch in diesem Jahr sicher - gleichgültig ob der Absatzzuwachs auch im 4. Quartal anhält.

Der Mineralwasserabsatz war dagegen zumindest auf den traditionellen Vertriebswegen wie Einzel- und Getränkehandel in den ersten neun Monaten dieses Jahres rückläufig. Gleiches gilt nach Angaben der Vereinigung alkoholfreie Getränke-Industrie für Erfrischungsgetränke, die auf der Basis von Mineralwasser hergestellt werden. Dagegen verzeichneten die Discounter Absatzzuwächse beim Mineralwasser.

Obwohl vor allem zuckerhaltige Fruchtnektare aber auch Fruchtsäfte in diesem Jahr in der Gunst der Verbraucher deutlich abfielen, bleiben die Deutschen Weltmeister im Fruchtsaft-Trinken. "Exoten wie Mango, Maracuja, Blutorange aber auch Melone sind die Renner", sagt Verbandssprecher Klaus Sonthauß zu den neuesten Trends. Gleiches gilt für Produkte mit so genanntem "Zusatznutzen" wie ACE-, Vitamin- und Mineralstoffgetränken sowie Wellness-Getränke mit Joghurt und Ballaststoffen. Auch Fruchtschorlen sind - nach dem Ende der Pfanddiskussion - mit zwei stelligen Zuwachsraten wieder äußerst erfolgreich.

Skeptisch - nicht nur mit Blick auf das deutsche Reinheitsgebot für Bier - schauen die Brauer auf Creationen wie dem ersten Anti- Aging-Bier der Welt. Deren Zusatzstoffe wie Sole, Algen (Spirulina) und Flavonoide sollen ähnlich wie probiotischer Joghurt auch die Darmflora unterstützen. dpa mp yyby uk --- Von Manfred Präcklein, dpa ---

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