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HINTERGRUND: Industrieländer haben Ölpreisschwankungen besser im Griff

HAMBURG (dpa-AFX) - In den siebziger Jahren war der Ölpreis noch von denStaaten der OPEC als Waffe eingesetzt worden: Einseitig konnte das Kartell diePreise nach Belieben heraufsetzen und die Industrieländer mussten ohnmächtigzahlen - im Extremfall mit Rezession und Sonntags-Fahrverboten. Diese Zeitensind vorbei, die Öl-Waffe ist stumpf geworden. Die Industrieländer sind wenigerstark abhängig vom OPEC-Öl, die Märkte vielfältiger und die Preise - realgerechnet - niedriger als bei früheren Ölpreiskrisen.

HAMBURG (dpa-AFX) - In den siebziger Jahren war der Ölpreis noch von denStaaten der OPEC als Waffe eingesetzt worden: Einseitig konnte das Kartell diePreise nach Belieben heraufsetzen und die Industrieländer mussten ohnmächtigzahlen - im Extremfall mit Rezession und Sonntags-Fahrverboten. Diese Zeitensind vorbei, die Öl-Waffe ist stumpf geworden. Die Industrieländer sind wenigerstark abhängig vom OPEC-Öl, die Märkte vielfältiger und die Preise - realgerechnet - niedriger als bei früheren Ölpreiskrisen.

Das heutige Niveau um die 38 Dollar für ein Barrel (159 Liter) Rohöl derNordsee-Sorte Brent liegt noch unter den Spitzenpreisen von 1980/81 und wurdeauch während der Kuwait-Krise 1991 kurz überboten. Es gibt verschiedeneMethoden, die allgemeine Teuerung der vergangenen Jahrzehnte in die früherenPreise hineinzurechnen. Je nach Methode hat ein Barrel Anfang der achtzigerJahre nach heutiger Kaufkraft mehr als 60 oder sogar fast 80 Dollar gekostet."Wir liegen also bei zwei Dritteln oder sogar nur der Hälfte des damaligenPreisniveaus", sagt der Ölexperte Klaus Matthies vom HamburgischenWelt-Wirtschafts-Archiv (HWWA).

WEITERE ENERGIEQUELLEN SOLLEN GENUTZT WERDEN

Zudem haben die Industrieländer gelernt, die Energie effizienter zu erzeugenund einzusetzen und weitere Energiequellen zur Deckung ihres Bedarfs zu nutzen.So steuerte das Mineralöl 1980 noch mehr als 40 Prozent zum deutschenEnergiebedarf bei; inzwischen sind es vier Prozentpunkte weniger. Insgesamthaben sich die Rohöl-Einfuhren seitdem von knapp 120 auf 106 Millionen Tonnenreduziert, trotz stark gestiegener Wirtschaftsleistung: Unternehmen undVerbraucher setzen verstärkt auf Erdgas. Bis 1977 kam zudem das meiste Öl ausdem Nahen Osten. Das hat sich gründlich geändert, der Anteil des Rohöls ausNahost liegt für Deutschland mittlerweile unter zehn Prozent. Die wichtigstenLieferanten sind Russland und die Nordsee-Länder Norwegen und Großbritannien.

"Das Problem ist nicht die Höhe des Ölpreises, sondern das Tempo derVeränderung", sagt Matthies. "Abrupte Veränderungen sind immer schlecht." Soerwartet die Internationale Energie-Agentur (IEA), dass die ersten beiden Jahreeiner dauerhaften Ölverteuerung die schwersten werden und bis zu einem halbenProzent Wachstum kosten können. Dann hätten die Industrieländer alle notwendigenAnpassungsprozesse durchlaufen. Die deutschen Konjunkturforscher dürften ihreWachstumsprognosen um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte reduzieren, wenn sich nicht baldeine Entspannung auf den Ölmärkten abzeichnet. In einer ähnlichen Größenordnungwirkt sich zum Beispiel die schwankende Zahl der Arbeitstage pro Jahr aus.

PSYCHOLOGIE GETRIEBEN

Offen bleibt, ob das Preishoch an den Ölmärkten nun von Dauer oder nur einevorübergehende Erscheinung ist. Die Märkte sind überwiegend von Psychologiegetrieben und die Angst vor dem Terror in Nahost verunsichert die Branche. Dadie weitere Entwicklung im Irak nicht vorhersehbar ist, fallen die Prognosen fürden künftigen Ölpreis höchst unterschiedlich aus und stehen ausnahmslos aufschwachen Füßen. "Entscheidend ist die Sicherheit der Ölversorgung", sagtMatthies. Von dem OPEC-Treffen am Donnerstag in Beirut erwartet er keineeinschneidenden Auswirkungen auf den Ölpreis. "Dort wird beschlossen, was heuteschon Realität ist", sagt der HWWA-Forscher./

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