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HINTERGRUND Investoren bei Börsengängen wählerisch - 'Erstklassigkeit' gesucht

FRANKFURT (dpa-AFX) - Investoren und Anleger sind bei deutschen Börsengängenin diesem Jahr äußerst wählerisch und lassen sich nur bei erstklassigenKandidaten zur Zeichnung der Aktien locken. "Dass 2004 bisher von fünf möglichendeutschen Emissionen drei geplatzt sind, lag teilweise an der Qualität derKandidaten und auch an überzogenen Preisvorstellungen", betonte ein Analysteiner britischen Großbank am Donnerstag. Gesucht seien erstklassige und günstigeKandidaten.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Investoren und Anleger sind bei deutschen Börsengängenin diesem Jahr äußerst wählerisch und lassen sich nur bei erstklassigenKandidaten zur Zeichnung der Aktien locken. "Dass 2004 bisher von fünf möglichendeutschen Emissionen drei geplatzt sind, lag teilweise an der Qualität derKandidaten und auch an überzogenen Preisvorstellungen", betonte ein Analysteiner britischen Großbank am Donnerstag. Gesucht seien erstklassige und günstigeKandidaten.

Erst am Mittwoch hatte die Autowerkstattkette Auto-Teile-Unger (ATU) seineursprünglich für Mitte Juni angestrebte Emission "wegen den schwierigenMarktbedingungen" verschoben. Zuvor waren im März bereits die Börsengänge derHalbleiterunternehmen Siltronic und X-Fab geplatzt.

HOFFNUNGEN

Die Hoffnungen der Finanzbranche richten sich nun auf den für Juniangekündigte Börsengang der Postbank und den Logistikkonzern Hapag-Lloyd, der imHerbst an die Börse strebt. "Beides sind große und erfolgreiche Unternehmen, dieauch klar kommunizieren, was sie mit den Erlösen aus dem Börsengang langfristigerreichen wollen", sagte Stefan Steib, Leiter Aktienresearch bei der LandesbankRheinland-Pfalz (LRP). Sobald der Verdacht entstehe, Unternehmen gingen nur andie Börse, um finanzielle Löcher zu schließen, wendeten sich Investoren ab. "Jegrößer die Anfangsverluste, desto besser die Zukunftschancen - diese seltsameAnnahme der Neuen-Markt-Zeit gilt eben nicht mehr."

Experten betonen, dass die Pläne von ATU, mit den Erlösen aus der Emissionvor allem die hohen Schulden abzubauen und die Bilanz zu sanieren, "keinbesonders aufregendes Verkaufsargument" waren. Investoren sähen es lieber, wennUnternehmen die Einnahmen für eine vielversprechende Expansionsstrategie oderfür die Entwicklung wettbewerbsfähiger Produkte ausgeben wollten. Zudem seiendie Preisvorstellungen des Unternehmens für das schwierige Umfeld zu hochgewesen. Bei den beiden Halbleiterunternehmen Siltronic und X-Fab hätte hingegendie volatile und risikoreiche Branche abgeschreckt. "Bei boomenden Märktenstoßen solche Werte durchaus auf Interesse, aber nicht im derzeitigen Umfeld",betont Steib.

VERNÜNFTIGE PREISE WICHTIG

Daher sei es keine Überraschung, dass 2004 in Deutschland bisher nur derostdeutsche Fahrradhersteller MIFA und der GeldautomatenherstellerWincor Nixdorf den Sprung aufs Börsenparkett geschafft hätten. "Daversteht jeder das Geschäftsmodell", kommentierte ein Frankfurter Händler. Zudemhätten beide Unternehmen ihre Aktien am Ende zu vernünftigen Preisen angeboten.Vor allem Wincor hatte sich ursprünglich aber wohl mehr Geld erhofft. Die Aktienwurden vor dem Börsengang zu einem Preis zwischen 41 und 50 Euro angeboten, derEmissionspreis lag dann mit 41 Euro am untersten Ende der Spanne.

Steib zufolge werden die Preisvorstellungen nun auch bei den Börsengängenvon Postbank und Hapag-Lloyd mitentscheidend sein. "Nur bei einem guten Preiskriegt man die institutionellen Investoren." Diese seien derzeit entscheidend,denn Kleinanleger würden wohl erst wieder nach mehreren erfolgreichenBörsengängen in größerem Maße einsteigen. "Das Trauma der geplatztenBörsenträume vor ein paar Jahren wirkt eben noch kräftig nach".

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