Hintergrund
Kandahar: Eine Taliban-Hochburg

Die zweitgrößte Stadt Afghanistans, Kandahar, ist eine Hochburg der Taliban. Das macht die Region zu einem möglichen Ziel erster Vergeltungsschläge der Vereinigten Staaten.

dpa NEU DELHI. Die Taliban-Hochburg Kandahar im Süden Afghanistans könnte Ziel eines US-Angriffs wegen der Terroranschläge von New York und Washington werden. Von Kandahar, nicht von der Hauptstadt Kabul aus, regiert Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar fast ganz Afghanistan. Kandahar war im Krieg gegen die sowjetischen Truppen schwer zerstört worden. Deutschland half beim Wiederaufbau.

In Kandahar sitzen auch die Berater Omars, die aus radikalen islamischen Gruppen in verschiedenen Ländern kommen. Kandahar galt lange Zeit auch als Wohnort des mutmaßlichen Terrordrahtziehers Osama Bin Laden. Experten gehen aber davon aus, dass sich die Führungsriege der Taliban längst in Sicherheit gebracht hat.

Kandahar ist nach Kabul die zweitgrößte Stadt Afghanistans. Vor der jüngsten Krise, die viele Menschen aus den Städten in die Flucht trieb, hatte Kabul 1,8 Mill. Einwohner, während in Kandahar etwa 500 000 Menschen lebten.

Kabul hatte die sowjetische Besatzung von 1979 bis 1989 relativ schadlos überstanden und war erst nach 1992 im Bürgerkrieg der Mudschahedin-Gruppen weitgehend zerstört worden. Im Gegensatz dazu hatte Kandahar schwer unter Gefechten zwischen sowjetischen Truppen und Mudschahedin gelitten.

Noch zehn Jahre nach dem sowjetischen Abzug lagen an den Ausfallstraßen Kandahars zahllose Panzerwracks. Helfer mussten die Häuserruinen von Minen und Blindgängern säubern, bevor der Wiederaufbau beginnen konnte. Die Deutsche Welthungerhilfe unterstützte den Bau von Häusern und Toiletten in Kandahar.

Taliban-Anführer Omar stammt aus der Provinz Kandahar. Dort eröffnete er 1989 eine "Madrasa", eine Religionsschule, an der "Taliban" (Islamstudenten) unterrichtet wurden. 1994 begann er in Kandahar seinen Eroberungsfeldzug gegen die Mudschahedin-Gruppen, die in Afghanistan gegeneinander kämpften. 1996 marschierten die Taliban in Kabul ein, Omar blieb in Kandahar.

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