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HINTERGRUND: Konjunkturwolken: für Schröder Öl, für Bush Reformstau in Europa

SAVANNAH/SEA ISLAND (dpa-AFX) - Für US-Präsident George W. Bush läuft beimG8-Gipfel auf Sea Island eigentlich alles wie am Schnürchen. Die einstimmigeVerabschiedung der UN-Irak-Resolution hebt die politische Stimmung kräftig, undauch beim Thema Weltwirtschaft lehnt sich der Gastgeber mit dem robustenUS-Wirtschaftswachstum im Rücken entspannt zurück. Wenn da nicht BundeskanzlerGerhard Schröder wäre, der nicht vom Thema Ölpreise ablassen will.

SAVANNAH/SEA ISLAND (dpa-AFX) - Für US-Präsident George W. Bush läuft beimG8-Gipfel auf Sea Island eigentlich alles wie am Schnürchen. Die einstimmigeVerabschiedung der UN-Irak-Resolution hebt die politische Stimmung kräftig, undauch beim Thema Weltwirtschaft lehnt sich der Gastgeber mit dem robustenUS-Wirtschaftswachstum im Rücken entspannt zurück. Wenn da nicht BundeskanzlerGerhard Schröder wäre, der nicht vom Thema Ölpreise ablassen will.

"Das Thema steht nicht auf der Tagesordnung", betont ein hoher US-Regierungsbeamter. "Natürlich wird das angesprochen", sagte Schröder dagegenschon bei der Ankunft. "Man kann in der derzeitigen Situation nicht über denZustand der Weltwirtschaft reden, ohne die Besorgnis erregenden Ölpreiseanzusprechen." Der Kanzler will die Öl-Staaten am liebsten drängen, dieFördermenge noch über die schon zugesagte Erhöhung weiter auszuweiten - eineDiskussion, auf die sich die Amerikaner beim Gipfel gar nicht einlassen wollen.

AMERIKANER SEHEN IN EUROPA NOCH JEDE MENGE REFORMBEDARF

Das lenkt vom Kernthema ab, das die Amerikaner seit Monaten in allenWirtschaftsforen predigen: die dunkle Wolke am sonst so rosigen Konjunkturhimmelgeht auf das Konto der Europäer. Während die Wirtschaftsaussichten weltweit sogut wie seit Jahren nicht mehr sind, dümpelt die Euro-Zone mit 1,7 ProzentWachstum auf denkbar magerem Niveau. Rentenkassen, Krankenkassen, Arbeitsmarkt- überall sehen die Amerikaner in Europa noch jede Menge Reformbedarf. "Hire andfire - Firmen müssen in Europa einfacher einstellen und entlassen können",fordert eine amerikanische Regierungsbeamtin in Georgia.

Im Kreis der mächtigsten Industriestaaten hat Bush als "Klassenbester" gutreden. 4,4 Prozent Wachstum im ersten Quartal auf hoch gerechneter Jahresbasishat die US-Wirtschaft hingelegt. Für das ganze Jahr erwarten Volkswirte gar 4,6Prozent. Auch Japan dürfte dem Jammertal des jahrelangen Konjunkturtiefs indiesem Jahr nach den Prognosen mit 3,1 Prozent entkommen. Dagegen nimmt sich diePrognose der Euro-Zone ziemlich düster aus.

SCHRÖDER BLIEB MIT KRITIK AN ÖLSPEKULANTEN ZIEMLICH ALLEIN

Der amerikanische Finanzminister John Snow liest den Europäern bei jedemTreffen mit seinen G7-Kollegen die Leviten. Bundesfinanzminister Hans Eichel unddie anderen europäischen Minister versprechen dann immer, die Reformen weitervoranzutreiben. Einen Seitenhieb auf die Amerikaner lassen sie sich bei derGelegenheit nie nehmen: Sie zeigen mit dem Finger auf das amerikanischeRekord-Defizit im Haushalt und mahnen dringend zur Konsolidierung. Genau nachdiesem Muster lief die Weltwirtschaftsdebatte auch auf Sea Island.

Zwar gelang es Schröder, seine Sorge über den Ölpreis selbst im bilateralenGespräch mit Bush anzubringen, doch blieben die Amerikaner entschlossen dabei,das Thema flach zu halten. Mit seiner Kritik an Fonds und Ölhändlern, die denPreis mit spekulativen Aufschlägen in die Höhe trieben, blieb Schröder in SeaIsland ziemlich allein auf weiter Flur.

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