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Hintergrund Märkte rätseln über dubiose Yukos-Auktion

Nach einem ohnehin schon turbulenten Yukos-Jahr gibt die Zerschlagung von Russlands bislang größtem Ölkonzern neue Rätsel auf. Der Hauptförderbetrieb von Yukos wurde zwangsversteigert, doch niemand kennt den Käufer.

dpa-afx MOSKAU. Nach einem ohnehin schon turbulenten Yukos-Jahr gibt die Zerschlagung von Russlands bislang größtem Ölkonzern neue Rätsel auf. Der Hauptförderbetrieb von Yukos wurde zwangsversteigert, doch niemand kennt den Käufer. Dabei entfällt auf Juganskneftegas immerhin ein Zehntel der gesamten russischen Ölproduktion. Wie es nun weitergehen soll, weiß im Moment niemand so genau. "Es ist nicht einfach, die Exportpläne auf dieser Grundlage zu garantieren", merkt die Moskauer Investmentgesellschaft UFG an.

Nach den Höchstständen im Oktober haben sich die Weltmarktpreise für Erdöl wieder einigermaßen beruhigt. In Russland macht sich im Moment niemand ernsthaft Sorgen, dass der Export aus einstigen Yukos-Quellen ins Stocken geraten könnte. Es wird abgewartet, wer hinter dem bislang völlig unbekannten Investor Baikalfinanzgruppe steht oder sich dort in den nächsten Tagen einkaufen wird.

Bezug ZU Deutschen Unternehmen

Die Ereignisse in Moskau haben einen direkten Bezug zu großen deutschen Unternehmen. Russland ist der wichtigste Erdöllieferant für Deutschland. Der deutsche Konzern Eon hält über sein Tochterunternehmen Ruhrgas eine Minderbeteiligung von 6,5 Prozent am staatlich kontrollierten Energiekonzern Gasprom . Dessen neu gegründetes Tochterunternehmen Gaspromneft galt bis zuletzt als Favorit für eine Übernahme von Juganskneftegas.

Dass dieses Szenario nicht zu Stande kam, dürfte nach Einschätzung von Marktbeobachtern auch am Rückzieher der Deutschen Bank und anderer westlicher Finanzhäuser liegen. Ungeachtet der internationalen Kritik am Vorgehen der russischen Steuerbehörden gegen Yukos hatte sich ein internationales Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank gebildet, das den Kauf durch Gasprom mit einem Kredit über zehn Mrd. Euro finanzieren wollte.

US-Gericht Erlässt Eintweilige Verfügung

Als ein US-Gericht in der Vorwoche eine Einstweilige Verfügung gegen die Zwangsversteigerung in Moskau erließ, nahmen die westlichen Banken Abstand von ihrem Vorhaben. Die Vertreter der Gasprom-Tochter Gaspromneft zeigten sich bei der Versteigerung am Sonntag reichlich konfus. Als die der Öffentlichkeit unbekannten Kontrahenten ohne Not ihr Anfangsgebot auf sieben Mrd. Euro aufstockten, baten die Gasprom-Vertreter, telefonieren zu dürfen. Danach gaben sie auf, ohne selbst überhaupt geboten zu haben.

So mysteriös die Vorgänge um Yukos auch weiterhin sind, an eine "zufällige" Entwicklung glaubt kaum ein Experte. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Kreml ein strategisch wichtiges Unternehmen wie Juganskneftegas einfach so einem unbekannten Investor überlässt", urteilen die Analysten der Finanzgruppe Renaissance Capital.

Zweifel Bleiben

Viele Marktbeobachter bezweifelten am Montag, dass die Baikalfinanzgruppe tatsächlich die Kaufsumme bis zum Stichtag am 11. Januar aufbringen kann. Damit wäre die Versteigerung ungültig. Der Staat könnte die Anteile an Juganskneftegas zur Begleichung der Steuerschuld einbehalten. Wenn sich die Wogen geglättet haben, wäre dann ein Verkauf an Gasprom denkbar, vermutet die Investmentgesellschaft Troika Dialog./

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