Hintergrund
Messier fordert angeblich zwöf Millionen Euro

Jean-Marie Messier, noch amtierender CEO und Chairman der Vivendi Universal SA, wird seine Ämter nun doch aufgeben.

vwd PARIS. Kampflos allerdings soll er das Feld nicht geräumt haben. Kreisen zufolge kam es am vergangenen Wochenende hinter den Kulissen zu einem dramatischen Aufeinandertreffen der verschiedenen Positionen: Messier habe sich anfangs geweigert, anzuerkennen, dass er seine Mehrheit im Verwaltungsrat verloren habe, nachdem die europäischen Mitglieder des Gremiums sich auf die Seite der fünf US-amerikanischen Direktoren geschlagen hatten, berichten am Dienstag mehrere Medien übereinstimmend.

Die US-amerikanischen Direktoren hatten unter Führung von Edgar Bronfman jr bereits am vergangenen Dienstag die Attacke auf Messier in der vergangenen Sitzung des Verwaltungsrats eröffnet. Bronfman gehört zur Dynastie der ehemaligen Seagram-Eigentümer, die nach der Fusion mit Vivendi vor zwei derzeit noch 5,5 Prozent am Kapital von Vivendi Universal halten.

Stolperstein Selbstherrlichkeit

Allerdings scheiterte dieser erster Angriff auf Messier am Widerstand der französischen Direktoren. Messier, der sich mit seinen publikumswirksamen Auftritten in Frankreich den Namen "Vivendi's Mr. Universe" verdient hat, habe diesen Sieg ostentativ in der Öffentlichkeit gefeiert, schreibt das "Wall Street Journal Europe" (WSJE) in seiner Dienstagausgabe. Er freue sich darauf, den Konzern "zusammen mit seinen Kollegen, dem Verwaltungsrat und den Aktionären in den kommenden 15 Jahren weiterhin zu führen".

Kreisen zufolge hat dieses Verhalten die französischen Direktoren endgültig davon überzeugt, dass Messier nicht die richtige Person ist, um den Mischkonzern aus der derzeitigen Krise zu führen. Denn die Diskrepanz zwischen den von Beobachtern häufig als selbstherrlich beschriebenen Auftritten des CEO und der Lage des Unternehmens sei zunehmend auffällig geworden.

Ausschlaggebend für den Sinneswandel zu Ungunsten von Messier war letztlich die Weigerung dreier Banken, Vivendi frisches Kapital zur Verfügung zu stellen. "Der Konzern hatte keine klare Strategie mehr, da die Führungsmannschaft offensichtlich gespalten war. An ein solches Unternehmen können Banken kein Geld verleihen", zitiert das WSJE einen mit der Situation vertrauten Banker. In intensiven Verhandlungen sei es dann am Sonntag zwei "Delegierten" der französischen Direktoren gelungen, Messier von seinem Rücktritt zu überzeugen.

Goldener Händedruck

Seinen Abgang wird sich Messier jedoch voraussichtlich teuer bezahlen lassen. Er verlangt angeblich für seinen Rücktritt eine Abfindung von zwölf Millionen Euro. Die Zeitung "Le Monde" schreibt in ihrer Dienstagausgabe, darüber hinaus wolle er ein Darlehen von 25 Millionen Euro, welches das Unternehmen ihm gewährt hatte, nicht zurückzahlen.

Der CEO hatte das Geld vor zwei Jahren geliehen, um 500.000 Aktien des Konzerns zu erwerben. Außerdem wolle Messier eine Garantie, dass der Verwaltungsrat keine rechtlichen Schritte gegen ihn einleiten werde. Sollten Aktionäre im Nachhinein ein Verfahren gegen ihn anstrengen, so soll Vivendi Universal für seinen Rechtsschutz aufkommen.

Der Abgang selbst wird allerdings das geringste Problem sein. Das Ausmaß der Schwierigkeiten, die auf Messiers Nachfolger zukommen, zeigt sich schon darin, dass mehrere der möglichen Nachfolger bereits abgewinkt hätten. So sei der Chairman der Saint SA, -Gobain Jean-Louis Beffa, zu einem Wechsel nicht bereit gewesen. Derzeit wird der stellvertretende Chairman der Aventis SA, Jean-Rene Fourtou, als Nachfolger von Messier für die anstehende Mammutleistung gehandelt. Er werde das Amt jedoch nur vorläufig für sechs Monate übernehmen, schreibt die "Financial Times" am Dienstag.

Der neue CEO sieht sich nicht nur mit einem Schuldenberg von mittlwerweile 19 Milliarden Euro konfrontiert. Der Abbau wird für den neuen CEO auch dadurch nicht leichter, dass Moody's das Langfristrating von Vivendi Universal am Montagabend auf Junk-Bond-Status ("Ba1") herunterstufte.

Neben den Schulden steht der Umbau des Mischkonzerns und eine grundsätzliche Neuausrichtung der Strategie von Vivendi Universal an. Der Konzern sei in den vergangenen Jahren zu schnell und zu unüberlegt gewachsen, kritisieren Analysten häufig. Das "Messier-Imperium" hat sich durch Zukäufe in den Bereichen Medien und Telekommunikation mittlerweile stark von der ehemaligen Kernaktivität, dem Wasser- und Entsorgungsgeschäft, entfernt. Allerdings werde es nicht leicht, den Konzern bei der gegenwärtigen Konjunkturflaute zu entflechten, sagen Marktbeobachter.

Verkaufserlös in Luft aufgelöst

Einen zahlungsstarken und-willigen Käufer für die Unterhaltungssparte von Vivendi sehen sie momentan nicht. So gesehen, sei auch Edgar Bronfman jr nicht als Sieger aus dem Kampf mit Messier hervorgegangen, meint der Kolumnist des "Wall Street Journal".

Denn der von ihm angeführte Familienclan müsse sich jetzt wohl damit abfinden, dass sich der größte Teil des Erlöses aus dem Verkauf von Seagram von damals 33 Milliarden Dollar sich angesichts der Flaute an der Börse "in Luft aufgelöst" habe. Ein Kardinalfehler von Bronfman habe diese Vernichtung von Kapital verursacht: Er habe vor zwei Jahren an einen "ewigen" Börsenboom geglaubt und sich den Betrag in Aktien auszahlen lassen.

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