Hintergrund
Metro und Karstadt locken auf vielen Web-Kanälen

Reuters DÜSSELDORF. Die geballte Marktkraft der Handelskonzerne Metro und KarstadtQuelle zeigt sich auch im Internet auf zehntausenden von Seiten. Dort haben die Kunden die Qual der Wahl: Sportschuhe, Autoteile, Reisen oder ein Überlebenstraining für Manager - fast alles kann per Mausklick bestellt oder gebucht werden. Die Metro, drittgrößter Handelskonzern der Welt, denkt in europäischen Dimensionen. Das Angebot zielt auch auf Geschäftskunden und es stehen mehr Produkte auf den Internetseiten als in den Regalen der Metro-Töchter zu kaufen sind. KarstadtQuelle, Europas größter Warenhaus- und Versandkonzern, setzt auf den deutschen Markt und will Kunden über das Internet in die Filialen locken.

"Multi-Channnel" heißt das Zauberwort mit dem die beiden Handelskonzerne ihre Internetstrategie umschreiben. Dahinter steckt die simple Idee, alle traditionellen Vertriebsformen und Branchen über das Internet zu vernetzen. Metro engagiert sich stark im Handel mit Geschäftskunden. Internet-Handel bedeutet bei dem Düsseldorfer Konzern aber auch, wer über "www.primus-online.de", Spielsachen ordert, kann den Zauberer für die Kinderparty gleich mit bestellen.

Ähnlich auch die Pläne bei Karstadt: Beim Kauf eines Golfschlägers auf der Seite "karstadtsport.de" kann der Kunde sich demnächst im 3-D-Format das nächstgelegende Golfhotel auf den heimischen PC-Schirm holen. Gebucht wird über das Internet oder im Reisebüro bei der Tochter C&N.. KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban, bringt es auf den Punkt: "Der Kunde soll dort bei uns kaufen, wo es ihm am meisten zusagt, im Internet, im Warenhaus, im Fachgeschäft oder aus dem Katalog - nur soll er das gefälligst bei uns tun".

Damit möglichst viele Kunden auf das Angebot von KarstadtQuelle und Metro eingehen, betreiben die Konzerne zahlreiche Auftritte. KarstadtQuelle, dessen erstes Internetabenteuer unter "myworld.de" nach zwei Jahren scheiterte", klotzt nun. Mit fünf Portalen will der Essener Konzern Ende des Jahres vertreten sein. Neben "karstadt.de" buhlen die Versandtöchter unter "quelle.de" und "neckermann.de" um Umsatz. Die mit der Lufthansa betriebene Reisetochter ist unter "www.cn-touristic.de" erreichbar. Für Musikfans gibt es die Homepage "www.wom.de". Ehrgeizig auch das Ziel. In diesem Jahr will der Konzern 700 Mill. DM umsetzen und 2003 drei Mrd. Umsatz aus dem Netz fischen. Dabei setzen die Essener auf ihre Kundendatenbank von 17,5 Mill. Bestellern und auf die drei Milllionen Kundenkartenbesitzer.

Auch die Metro wirbt mit ihrem Namen und lockt Kundschaft unter "www.metro.de". Selbstverständlich haben auch die Supermärkte Real, die Elektronikkette Saturn und die Praktiker Baumärkte ihren eigenen virtuellen Auftritt. Heimwerker erfahren beispielsweise durch einen Klick, dass ein niedriger Raum höher wirkt, wenn senkrecht gestreifte Tapeten verklebt werden.

Doch angelt die Metro nach privaten Kunden im Netz auch inkognito. Unter dem Namen "www.primus-online.de" bietet der Konzern, der 51 % an der Kölner Gesellschaft hält, nicht nur Waren aus den Metro-Regalen an. Zu bestellen sind Autoersatzteile ebenso wie Schlüsselanhänger oder Türmatten mit Herzen. Wem als Geschenk für die Partnerin gar nichts einfällt, dem hilft der Computer. Nach Eingabe der Vorlieben spuckt der chipbestückte Berater maximal 15 Geschenketipps aus.

Die Metro steckt im weitesten Sinne auch hinter dem virtuellen Marktplatz "scout24.de". Fernab vom klassischen Handelsgeschäft bietet die Mehrheitsbeteiligung der Beisheim Holding Schweiz AG (BHS) in elf europäischen Ländern und demnächst in 18 Staaten sieben Portale an. Inhaltlich geht es ums Auto, Finanzen, Kontakte, Gesundheit, Immobilien und Shopping. Otto Beisheim ist einer der Gründer des Metro-Imperiums. 1999 und 2000 investierte die BHS allein in den europäischen Aufbau der Scout24-Marktplätze 300 Mill. DM.

Der Lohn der Mühen, waren bei Scout24 mit Sitz in München insgesamt 7,5 Mill. Besucher im Oktober und 80 Mill. Seitenaufrufe. Primus-Online und Scout24 ist gemeinsam, dass beide BHS-Beteiligungen 2002 schwarze Zahlen schreiben sollen. Insgesamt gruppiert die BHS in verschiedenen Geschäftsfeldern rund 100 Firmen der "new economy" mit rund 5000 Mitarbeitern. Seit der Aufnahme der Internet-Aktivitäten hat die BHS, so steht es im auf der Homepage, 500 Mill. DM in die Gruppe investiert.

Trotz der gewaltigen Millionenbeträge, die KarstadtQuelle und Metro bisher in das weltweite Netz investiert haben, gibt es Mitbewerber, die die Nase vorne haben. Die Frankfurter DG Bank schreibt in einer jüngst veröffentlichten Studie, der niederländischer Handelskonzern Koninklijke Ahold habe die überzeugendste Internet-Strategie. Das Unternehmen habe frühzeitig die Chancen des Internets als Vertriebskanal erkannt und sich über verschiedene Pilotprojekte in den Niederlanden, Argentinien und den USA einen Know-How-Vorsprung erarbeitet. Metro und KarstadtQuelle seien dagegen "Spätstarter", aber mit durchaus guten Chancen.

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