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HINTERGRUND: Montezemolo versus Morchio - Fiat bleibt in 'Familienhänden'

ROM (dpa-AFX) - Mit dieser Entscheidung hatten nur die wenigsten gerechnet -dabei lag sie so nah: Durch die Ernennung von Luca Cordero di Montezemolo zumneuen Präsidenten des Fiat-Konzerns bleiben die Fäden desUnternehmens-Managements jetzt unerwartet doch irgendwie in "Familienhänden".Montezemolo war Jahrzehnte lang enger Freund der verstorbenen Brüder Giovanniund Umberto Agnelli und arbeitet schon seit über 30 Jahren hart für den Erfolgdes Traditionsunternehmens und seines Ferrari-Rennstalls. Überraschend kam dieWahl dennoch, da der 56-jährige Manager erst vor fünf Tagen das Amt desitalienischen Arbeitgeber-Präsidenten übernommen hatte.

ROM (dpa-AFX) - Mit dieser Entscheidung hatten nur die wenigsten gerechnet-dabei lag sie so nah: Durch die Ernennung von Luca Cordero di Montezemolo zumneuen Präsidenten des Fiat -Konzerns bleiben die Fäden desUnternehmens-Managements jetzt unerwartet doch irgendwie in "Familienhänden".Montezemolo war Jahrzehnte lang enger Freund der verstorbenen Brüder Giovanniund Umberto Agnelli und arbeitet schon seit über 30 Jahren hart für den Erfolgdes Traditionsunternehmens und seines Ferrari-Rennstalls. Überraschend kam dieWahl dennoch, da der 56-jährige Manager erst vor fünf Tagen das Amt desitalienischen Arbeitgeber-Präsidenten übernommen hatte.

"Die Familie hat gezeigt, dass sie weiter an das Unternehmen glauben will,indem sie ihre Rolle als Hauptaktionär ausgeübt und in kürzester Zeit einenneuen Präsidenten gewählt hat", hieß es in einer ersten Reaktion Montezemolos.Unterstützt wird der piemontesische Adelige, der seit über zehn JahrenFerrari-Chef ist, vom erst 28-jährigen Agnelli-Enkel John Philip Elkann. DessenNominierung zum Vize-Präsidenten wird von Experten ebenfalls als Zeichen dafürgewertet, dass die Agnelli-Dynastie die Geschicke der Gruppe nicht in fremdeHände legen will. Auch Umbertos Sohn Andrea Agnelli, der bisher für PhilipMorris in Lausanne tätig war, wurde in den Verwaltungsrat berufen.

ÜBERRASCHUNG

Noch überraschender als die Wahl Montezemolos kam für viele jedoch dieprompte Reaktion von Vorstandschef Giuseppe Morchio, der seinen Rücktritteinreichte. Dessen Sanierungsplan für die angeschlagene Firma hatte schließlichinnerhalb kürzester Zeit die Bilanzen aufgefrischt und die Hoffnung auf eineGenesung der Gruppe genährt. "Die Leere, die der Tod Umberto Agnellishinterlassen hat, wurde zwar schnell ausgefüllt, jedoch hat sich gleich eineandere geöffnet. Schlimm und unerwartet", brachte es die Zeitung "Corriere dellaSera" am Montag auf den Punkt.

Als Grund für seine Entscheidung gab Morchio an, die Bedingungen, weiter andem Rettungsplan mitzuarbeiten, seien für ihn nicht mehr gegeben. Medienkommentierten, vielleicht habe der Ex-Pirelli-Chef zu viel Macht gewollt und aufdie Doppelrolle als Präsident und Vorstandschef gehofft. Jedoch gibt es nochkeine offizielle Erklärung, so dass Freiraum für wilde Spekulationen entsteht.

ANWEISUNGEN ÜBER NACHFOLGE?

"Ich bin sicher, dass Agnelli dem Vorstandschef Morchio, dem er blindvertraute, Anweisungen über seine Nachfolge hinterlassen hat", hatteWirtschaftshistoriker und Fiat-Experte Valerio Castronovo erst kürzlich vorJournalisten erklärt. Vielleicht stimmen die Entscheidungen des Aufsichtsratsnicht mit diesen Anweisungen überein? Eine weitere Möglichkeit wäre, dassMorchio und Montezemolo nicht die dicksten Freunde sind. Diese These wird durchdie knappe Reaktion des neuen Präsidenten auf Morchios Rücktritt unterstützt:"Es tut mir leid. Morgen ernennen wir einen neuen Vorstandschef", sagteMontezemolo am Montag etwas brüsk.

"Was Fiat absolut braucht, ist Stabilität", kommentierte ein Journalist. Vorallem, um Kleinaktionäre, Angestellte, Banken und Zulieferer in diesem delikatenMoment nicht zu irritieren. Als Nachfolger Morchios werden unterdessenMaserati-Chef Martin Leach, Benetton Manager Vito Gamberale und AlessandroProfumo, Chef der Gläubigerbank Unicredito, gehandelt.

Sicher ist derzeit nur eins: "Familienmitglied" Montezemolo in derDoppelrolle als Fiat-Chef und Arbeitgeberpräsident wird dem Konzern sehrnützlich sein. Der liebt nämlich nicht nur Autos, sondern hat auch eine klaregeschäftliche Vision. Als Oberhaupt des mächtigen IndustriellenverbandesConfindustria wolle er sich für allem für Forschung und Erneuerung einsetzen,sagte er kürzlich. "Wir müssen wieder bei unseren Stärken ansetzen:Unternehmerische Fähigkeiten, Ausweitung des industriellen Systems auf breiterEbene und Verfügbarkeit ausgebildeter Arbeitskräfte." Kein schlechtes Programm,vor allem für Fiat./

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