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HINTERGRUND: Neue Machtverhältnisse bei GM - Opel muss sich unterordnen

RÜSSELSHEIM (dpa-AFX) - In dem wechselhaften Verhältnis zwischen Opel undseinem amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM) beginnt ein neuesKapitel. Fest steht, dass die GM-Europazentrale mit der Neuorganisation gestärktwird. Das Traditionsunternehmen Adam Opel AG wird künftig im GM-Verbund ebensowie die Schwestern Saab und Vauxhall nur eine Ländergesellschaft sein. Alssolche muss Opel Macht nach Zürich abgeben - und kann nach Ansicht vonBeobachtern keine Sonderstellung mehr für sich reklamieren.

RÜSSELSHEIM (dpa-AFX) - In dem wechselhaften Verhältnis zwischen Opel undseinem amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM) beginnt ein neuesKapitel. Fest steht, dass die GM-Europazentrale mit der Neuorganisation gestärktwird. Das Traditionsunternehmen Adam Opel AG wird künftig im GM-Verbund ebensowie die Schwestern Saab und Vauxhall nur eine Ländergesellschaft sein. Alssolche muss Opel Macht nach Zürich abgeben - und kann nach Ansicht vonBeobachtern keine Sonderstellung mehr für sich reklamieren.

"Die traditionell starke Rolle von Opel wird bald Geschichte sein", sagt derAutoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer. "In Zukunft werden alle Entscheidungenzu 100 Prozent in Zürich getroffen und in Rüsselsheim nur noch ausgeführt."Insider erwarten, dass der neue GM Europa-Präsident Carl-Peter Forster in seinerRolle als Opel-Aufsichtsratschef Druck machen wird, um den Autobauer wieder indie Gewinnzone zu führen. Das sei eher ein Sprung nach vorn als ein Verlust,glauben Analysten wie Michael Pohn von der DZ-Bank. "Ich glaube nicht, dassForster sich die Stricke aus der Hand nehmen lässt", schätzt auch Oliver Girzickvon der Bayerischen Landesbank.

BETRIEBSWIRTSCHAFTLICH SINNVOLL

Die GM-Umstrukturierung ist nach einhelliger Meinung der Expertenbetriebswirtschaftlich sinnvoll. "Es hat Handlungsbedarf gegeben", sagt Girzick.Für Opel birgt sie eine "Riesenchance", wie Forster sagte: Die Rüsselsheimerstehen künftig bei Design und Entwicklung an der Spitze des Konzerns. Dastechnische Entwicklungszentrum von Opel mit 7.500 Mitarbeitern soll alleMittelklassewagen der GM-Marken entwerfen.

Die enge Anbindung an die US-Mutter birgt aber auch Gefahren. In Rüsselsheimkommen dieser Tage schlechte Erinnerungen an die 80er und 90er Jahre auf. Damalswaren die Opel-Chefs fast ausschließlich Amerikaner. Ihre Vorgaben hießen: großeStückzahlen bauen, um die Kosten klein zu halten. Mangelndes Verständnis für deneuropäischen Markt, Fehler bei den Modellen und Qualitätsmängel schadeten derMarke enorm. Das Image von "Opel - der Zuverlässige" schwand. DerOpel-Marktanteil in Deutschland sank von traumhaften 17,2 Prozent im Jahr 1993auf 10,3 Prozent 2003. Weil in den USA das Verständnis hierfür fehlte,verschlief Opel zunächst auch den Dieseltrend.

LIEBE AUF DISTANZ

In Rüsselsheim fühlt man sich auch heute noch immer wieder von derKonzernzentrale missverstanden. "Es ist eine Liebe auf Distanz", beschreibt derGesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz das Verhältnis. DieArbeitnehmervertreter kämpfen massiv dagegen, dass die Amerikaner jetzt denStandort Deutschland in Frage stellen. "Wenn es keine Änderung in der deutschenKostenstruktur gibt, sehe ich über kurz oder lang Deutschland alsProduktionsstätte für Automobile gefährdet", hatte GM-Vizepräsident Bob Lutz vorkurzem gesagt.

Ob die 31.000 Opel-Stellen in Deutschland erhalten bleiben, wollte amFreitag keiner der GM-Manager bestätigen. "Über einen Stellenabbau ist nochkeine Entscheidung gefallen", hieß es. Die Zukunft des Standortes Rüsselsheimwird vor allem von der anstehenden Entscheidung abhängen, ob der Kompakt-VanZafira dort und nicht im polnischen Gliwice gebaut wird.

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