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Hintergrund Nichts ist unmöglich: Wie Toyota der Konkurrenz das Fürchten lehrt

Sie nennen ihn den "Toyota-Tempel". Alljährlich kommen die Top-Manager des größten Autobauers Asiens in einem Heiligtum der japanischen Provinz Nagano zusammen, um anlässlich eines der Verkehrssicherheit gewidmeten Tempelfestes zu beten.

dpa-afx TOKIO. Sie nennen ihn den "Toyota-Tempel". Alljährlich kommen die Top-Manager des größten Autobauers Asiens in einem Heiligtum der japanischen Provinz Nagano zusammen, um anlässlich eines der Verkehrssicherheit gewidmeten Tempelfestes zu beten. Nicht, dass Japans Branchenprimus auf die Hilfe der Götter angewiesen wäre. Vielmehr symbolisiere der traditionelle Aufmarsch der Automanager die Beständigkeit, mit der sie an ihren Geschäftszielen arbeiteten, schrieb das japanische Wirtschaftsmagazin "Nikkei Business". Und diese Ziele werden bei Toyota bisher immer wieder überboten.

Das zeigt auch die jüngste Halbjahresbilanz: Zum 30. September zog der Gewinn der Unternehmensgruppe um rund elf Prozent auf netto 584 Mrd. Yen und der Umsatz um zehn Prozent auf neun Billionen Yen (66,7 Mrd. Euro) an - beides Rekordwerte. Zu Toyotas Erfolgsfaktoren gehören Effizienzsteigerungen bei der Produktion, neue Fertigungsstrukturen und Kundenorientierung. Um angesichts des rasanten Wachstums drohende Qualitätseinbußen und einen Mangel an Fachkräften zu vermeiden und die Produktion in den weltweiten Fabriken effizienter zu gestalten, lässt Toyota zum Beispiel seit neuestem Führungskräfte aus in- und ausländischen Fabriken in einem "Global Production Center" in Toyota City schulen.

Balance Zwischen Wachstum und Effizienz

Man habe die Bedürfnisse des Marktes richtig bedient und eine Balance zwischen Wachstum und Effizienz erreicht, erklärte der Konzern die Halbjahresrekorde. Ein großer Unterschied zu den Konkurrenten sei, dass Toyota auf die jeweilige individuelle Nachfrage eingehe. Wesentliche Ertragsquelle ist der wachsende Absatz im Ausland, vor allem auf dem nordamerikanischen Markt, wo Toyota 70 Prozent seiner Profite erwirtschaftet. Ein weiterer Erfolgsfaktor sind Toyotas konzernweite Bemühungen um Kostensenkungen, die die negativen Folgen des starken Yen im Halbjahr mehr als wett machten.

Zwar haben auch andere große Autokonzerne in den vergangenen Jahren Umstrukturierungen vorgenommen, doch steht Toyota dank effizienterer Herstellung und neuer Produktionsstrukturen heute besser da als Konkurrenten, die um Umsatz und Gewinn fürchten müssen. General Motors muss angesichts seines defizitären Europa-Geschäfts tausende von Stellen streichen. Und auch Ford fuhr im dritten Quartal Verluste ein. Toyota dagegen fährt meldet immer neue Rekorde: Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Toyota als erstes Industrieunternehmen Japans einen Gewinn von mehr als einer Billion Yen erzielt. Und die jüngsten Halbjahreszahlen schüren bereits Spekulationen, dass dieser Rekord noch einmal überboten werden könnte.

Auslandsproduktion BIS 2010 Verdoppeln

Unternehmen, die mit "Größe, Technologien und Kostenreduzierung" brillierten, würden die Autoindustrie im Jahr 2010 bestimmen, wurde Toyota-Chef Hiroshi Okuda zitiert. Bis dahin will er die Auslandsproduktion gegenüber dem Jahr 2003 verdoppeln. So verfolge der Konzern auf dem wichtigen Nordamerika-Markt drei wesentliche Strategien, schrieb die führende japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun": zunehmende Fertigung von Hybrid-Autos, aggressives Vorgehen auf dem von Amerikas "Big Three" dominierten Markt für Pick- up Trucks und die Platzierung von Autos für junge Käufer.

12,1 Prozent-Marktanteil sicherte sich Toyota in den USA im ersten Halbjahr, so viel wie nie zuvor. In Europa stieg der Umsatz um acht Prozent dank des Avensis und anderer Modelle. Anders als in Amerika, wo Toyota auf Hybrid-Antrieb setzt, will man sich in Europa auf umweltfreundliche Dieselfahrzeuge konzentrieren. Für 2006 rechnet Konzernchef Okuda mit einem globalen Absatz von 8,5 Mill. Autos. Das wären 15 Prozent mehr, als man sich für das laufende Jahr vorgenommen hat. Damit würde Toyota mit dem weltgrößten Autokonzern General Motors gleichziehen.

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