Archiv
HINTERGRUND: OPEC fühlt sich zu Unrecht für Ölpreis verantwortlich gemacht

WIEN (dpa-AFX) - Die Forderung der sieben führenden Industrienationen (G7)war eindeutig: Die Ölproduktion muss gesteigert werden, damit das zart wachsendeKonjunktur-Pflänzchen nicht verkümmert. Gerichtet war die Botschaftunmissverständlich an die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), diezeitgleich mit den G7 informell darüber beriet, wie man den hohen Ölpreisenbegegnen könnte. Allein, die OPEC fühlt sich zu Unrecht für das Preishochverantwortlich gemacht.

Denn Schuld an den höchsten Preisen seit der Kuwait-Krise des Jahres 1990sei nicht etwa eine Unterversorgung der Weltölmärkte, rechtfertigteOPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro (Indonesien) den informellen Beschluss derOPEC-Minister vom Wochenende, mit einer offiziellen Förderausweitung nochabzuwarten. Vielmehr habe eine Verkettung mehrerer regionaler Umstände, auf diedie OPEC keinerlei Einfluss habe, zur jetzigen Situation geführt.

MASSIVE SPEKULATIONEN

Schon seit Wochen sprechen Händler und Analysten davon, dassKapazitätsprobleme der US-Raffinerien für die Entwicklung mindestens ebensoverantwortlich sind wie massive Spekulationen als Folge der immer unsichererenLage im Nahen Osten. Würden die OPEC-Staaten die Ölhähne aufzudrehen, würde sichdaran wenig ändern, sind auch die Fachminister der Organisation überzeugt.

Dazu kommt, dass die OPEC - verantwortlich für gut ein Drittel derWeltmarktförderung, der Rest kommt aus der Nordsee, Russland und von kleinerenProduzenten wie Mexiko oder Oman - schon jetzt am Rande ihrer MöglichkeitenRohöl an die Oberfläche pumpt. Schon vor dem informellen Treffen hatteYusgiantoro eingeräumt, dass die OPEC täglich bis zu 2,0 Millionen Barrel (je159 Liter) mehr als die offiziell vereinbarten 23,5 Millionen Barrel fördere.

ENTSPANNUNG AN DER PREISFRONT

Einzig Iran und Saudi-Arabien sind nach Expertenmeinung auch technisch inder Lage, die Kapazitäten noch spürbar auszuweiten. Riad hat bereits angeboten,seine Produktion von rund 9 bis auf das mögliche Maximum von rund 10,5 MillionenBarrel hinaufzufahren, das hat zumindest kurzfristig am Montag für eineEntspannung an der Preisfront gesorgt.

Solange sich die Situation im Irak nicht beruhigt und die dort großteilsbeschädigten oder zerstörten Anlagen wieder im Vollbetrieb arbeiten können, wirdsich an der Förderkapazität der OPEC auch wenig ändern. Yusgiantoro tat sichdaher leicht, wenn er kürzlich - ganz gegen die langjährige Strategie desKartells - die Mitglieder offen zum Überschreiten der eigenen Fördergrenzenaufforderte: "Wir haben unseren Mitgliedern nicht abgeraten, mehr zuproduzieren, denn wir möchten wirklich alles in unserer Macht stehende tun, umdie Preise zu stabilisieren."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%