Hintergrund
Optikkonzern Zeiss im Aufwind

Der Zeiss-Konzern ist nach der Krise in den 90er Jahren und der schwierigen "Wiedervereinigung" mit dem Stammhaus in Jena wirtschaftlich weiter im Aufwind.

dpa-afx JENA. Der Umbau der Optik- und Elektronikgruppe mit 13 000 Beschäftigten sei abgeschlossen, die Integration der Thüringer Tochter geglückt, sagte Vorstandssprecher Dieter Kurz am Mittwoch zum zehnjährigen Jubiläum in Jena. Nach Erlösen von 2 Mrd. ? (3,9 Mrd. DM) und einem Überschuss von 53 Mill. ? im Vorjahr steigen die Ergebnisse im laufenden Geschäftsjahr (30. September) trotz konjunktureller Abkühlung an. In den ersten zehn Monaten legte der Umsatz bei besseren Erträgen 11 % zu, beim Auftragseingang beträgt das Plus 6 %.

Kurz sprach von einer Renaissance der Optik und kündigte am 1. Oktober die Umwandlung der Halbleitertechnik-Sparte in Oberkochen, Jena und Wetzlar in eine Aktiengesellschaft an. Renaissance passt auch auf die Carl Zeiss Jena GmbH, die seit Herbst 1991 zum Konzern gehört. Denn die Familienzusammenführung der wegen Namensrechten zerstrittenen und vier Jahrzehnte konkurrierenden Zeiss-Zwillinge in Thüringen und Baden-Württemberg verlief turbulent. Die Traditionsfirma im Osten, vor über 150 Jahren vom Mechaniker Carl Zeiss in Jena gegründet, hatte einen schlechten Neustart. Sie wurde nach Massenentlassungen aus Teilen des konkursreifen DDR Zeiss- Kombinats gegründet. Geschäftsführer Franz von Falkenhausen sprach im Rückblick von einem "großen unternehmerischen Abenteuer".

Zeiss Jena - Vom "Sorgenkind" zur vorzeigbaren Tochter

Vom "Sorgenkind" entwickelte sich der Betrieb in Jena zur vorzeigbaren Konzerntochter, die im vergangenen Jahr erstmals schwarze Zahlen ablieferte. "Der Standort ist momentan der mit dem stärksten Wachstum der Zeiss-Gruppe", lobte Vorstandschef Kurz. Im laufenden Geschäftsjahr sollen erstmals über 250 Mill. ? umgesetzt werden. Das Betriebsergebnis wird sich von 5 auf 19 Mill. ? verbessern. 1 700 Fachleute - 300 mehr als vor einem Jahr - bauen Mikroskope, Geräte für Augenärzte, Planetarien und optische Systeme für die Halbleiterindustrie.

Der Weg zum wirtschaftlichen Erfolg "kostete mehr Geld und dauerte länger als angenommen", resümierten die Manager. Die Zeiss-Erben in Ost und West taten sich schwer unter einem Dach. "In den ersten Jahren wurde munter das gleiche Sortiment produziert. Wir waren Konkurrenten in einem Haus", erinnert sich ein Arbeiter.

Die "Treuhand-Mitgift" von knapp rund 300 Mill. ? war schnell zum Verlustausgleich aufgebraucht. Die Wende kam 1994/95. Nach Umsatz- und Ertragseinbrüchen wurde ein Restrukturierunskonzept mit dem Abbau von 3 000 Stellen im Konzern beschlossen. Mit 3 000 Beschäftigten gestartet, wurde die Belegschaft in Jena auf knapp 1 500 reduziert. Gleichzeitig erhielt das einstige Stammhaus die Verantwortung für mehrere Geschäftsfelder. Seit 1995 wurden allein 170 Mill. ? in die Forschung investiert.

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