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HINTERGRUND: Pannenserie bei der Deutschen Bank um Postbank-Börsengang

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei der Deutschen Bank reißt die Pannenseriezum Börsengang der Postbank nicht ab. Am Frankfurter Bankenplatz sehen Expertenbereits einen "Skandal" rund um den größten Börsengang seit vier Jahren. Diebankennahe "Börsen-Zeitung" schrieb unverhohlen von einer "Realsatire". Nur eineWoche vor der Bekanntgabe der Preisspanne für die Postbank-Aktien geriet derKonsortialführer schon wieder in die Negativ-Schlagzeilen: Ein internesBankpapier, das den Wert der Postbank auf 4,4 bis 5,3 Milliarden Euro schätzt,ist an einen Investor verschickt worden.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei der Deutschen Bank reißt die Pannenseriezum Börsengang der Postbank nicht ab. Am Frankfurter Bankenplatz sehen Expertenbereits einen "Skandal" rund um den größten Börsengang seit vier Jahren. Diebankennahe "Börsen-Zeitung" schrieb unverhohlen von einer "Realsatire". Nur eineWoche vor der Bekanntgabe der Preisspanne für die Postbank-Aktien geriet derKonsortialführer schon wieder in die Negativ-Schlagzeilen: Ein internesBankpapier, das den Wert der Postbank auf 4,4 bis 5,3 Milliarden Euro schätzt,ist an einen Investor verschickt worden.

Das Pikante dabei: Vor einigen Wochen hatte die Deutsche Bank selbst eineÜbernahme der Postbank ins Auge gefasst. Der Mutterkonzern Deutsche Post soll damals 6 Milliarden Euro für die gesamte Bank verlangt haben. DieFrankfurter sollen aber nur bereit gewesen sein, 4,3 Milliarden Euro zu zahlen.Dies würde sich genau mit der jetzt bekannt gewordenen Einschätzung decken.

In der Frankfurter Finanzwelt ist die Empörung groß. "Der Branchenprimustritt von einem Fettnäpfchen ins nächste", sagt Analyst Olaf Kayser von derLandesbank Rheinland-Pfalz. Bereits in den vergangenen Wochen war die Bank indie Schusslinie geraten. Als Kaufgerüchte laut wurden, hatte das Institutschweigend den Spekulationen freien Lauf gelassen. Jetzt lautet der Vorwurferneut, die Bank nutze die Informationen aus dem Postbank-Mandat für ihreeigenen Interessen.

ANALYST: DEUTSCHE BANK AGIERT ALS INVESTMENTBANK DILETTANTISCH

"Das gehört sich einfach nicht", sagt der Analyst einer großen Bank. "EinKonsortialführer darf nicht zwei Seelen in seiner Brust haben." Das bislangangesehene Geldhaus habe als Investmentbank dilettantisch agiert und gegensämtliche ungeschriebenen Gesetze des Kapitalmarktes verstoßen. "Die DeutscheBank hat massive Fehler gemacht, die ihrem Ansehen schaden", sagt SebastianReuter von Helaba Trust.

Rechtlich gibt es laut Experten keine Bestimmung, die es der Deutschen Bankverböte, sich zur Postbank zu äußern. "Aber im Konsortialvertrag ist sicher eineSelbstverpflichtung enthalten, eine gewisse Zeit vor und nach dem Börsengangkeine Bewertung abzugeben", sagt der Landesgeschäftsführer der DeutschenSchutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. "Gesetzlichist das nicht geregelt."

WACHSENDER ÄRGER

Unter Aktionären wächst der Ärger. Für die Hauptversammlung am Mittwoch inFrankfurt haben sie den großen Show-Down angekündigt: dann werde VorstandschefJosef Ackermann sich unangenehmen Fragen stellen müssen. "Das wird eine heftigeDiskussion geben. Es ist unsäglich, dass die Deutsche Bank die Braut, die sie ander Börse anderen zuführen will, selbst heiraten wollte", kritisiert ReinhildKeitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Selbst die Deutsche Bank gibt sich ungewohnt kleinlaut. Es handle sich umein 14 Tage internes Memo, das nicht die aktuelle Einschätzung des Börsenwerteswiedergebe, teilte die Bank mit. Der Konsortialführer Morgan Stanley rang sichzu einem pikierten "Kein Kommentar" durch. "Man versucht zu retten, was noch zuretten ist", sagt ein Branchenbeobachter und rät der Postbank, "ihremKonsortialführer mal dringend die Leviten zu lesen".

Die Postbank, bei der sich die Deutsche Bank schon entschuldigt haben soll,gab sich am Freitag gelassen. Postchef Klaus Zumwinkel bestätigte "erneut dieunveränderte Absicht", die Postbank am 21. Juni an die Börse zu bringen. ZuBonner Gerüchten, vor Wut habe der Post-Vorstand der Deutschen Bank dieKonsortialführerschaft zunächst entziehen wollen, äußert sich die Post nicht.

SPEKULATION UM MOTIVE

"Es kann sein, dass die Indiskretion bei der Deutschen Bank nicht nurDummheit, sondern eine Riesengemeinheit war", mutmaßt sogar der Finanzanalysteines großen Bankhauses. "Es kann sein, dass die Deutsche Bank den Börsenpreisdrücken will, um dann kurz vorher noch zuzugreifen und die Postbank zuübernehmen. Das wäre dann wirklich ein Riesenskandal."

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