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HINTERGRUND Phoenix-Übernahme geglückt - Erfolg für Conti-ChefDPA-Datum: 2004-06-29 16:56:05

HANNOVER (dpa-AFX) - Continental-Chef < CON.ETR > Manfred Wennemer hat viel gewagt - und am Ende nach einer Zitterpartie einmal mehr gewonnen. Mit der in letzter Minute geglückten Übernahme des Hamburger Konkurrenten Phoenix - nur noch die EU muss grünes Licht geben - hat der erfolgsverwöhnte Vorstandsvorsitzende des Autozulieferers Continental seine am Unternehmensprofit orientierte Linie erneut durchgesetzt. Fondsgesellschaften und Spekulanten, die auf eine Nachbesserung des Conti-Angebots hofften, ließ er im Regen stehen und siegte im Pokerspiel.

HANNOVER (dpa-AFX) - Continental-Chef < CON.ETR > Manfred Wennemer hat viel gewagt - und am Ende nach einer Zitterpartie einmal mehr gewonnen. Mit der in letzter Minute geglückten Übernahme des Hamburger Konkurrenten Phoenix - nur noch die EU muss grünes Licht geben - hat der erfolgsverwöhnte Vorstandsvorsitzende des Autozulieferers Continental seine am Unternehmensprofit orientierte Linie erneut durchgesetzt. Fondsgesellschaften und Spekulanten, die auf eine Nachbesserung des Conti-Angebots hofften, ließ er im Regen stehen und siegte im Pokerspiel.

Verlierer könnten allerdings die Beschäftigten von Phoenix werden. Noch ist unklar, was Wennemer genau mit Phoenix, einem Spezialisten für Luftfedern, Schallisolationssysteme, Kupplungen und Schläuche, vorhat. Der Phoenix-Vorstand hatte sich bereits skeptisch zu den Übernahme-Plänen durch Continental geäußert. "Es wird Verlierer geben", hatte Vorstandssprecher Meinhard Liebing gesagt. "Wenn das Unternehmen seine Identität einbüßt, ist das bitter für die Beschäftigten, die sich über Jahrzehnte mit Phoenix identifizieren."

WENNEMER HAT GROSSES VOR

Wennemer aber hat Großes vor mit dem Konzernbereich ContiTech, der durch Phoenix erheblich gestärkt werden und zu den weltweit führenden Spezialisten in der Kautschuk- und Kunststofftechnologie gehören soll. Conti erwartet aus der Zusammenführung Synergien von mindestens 30 Millionen Euro jährlich. Auf dem Plan steht nun auch ein Börsengang von ContiTech nach einer erfolgreichen Verschmelzung mit Phoenix.

Seitdem Wennemer im September 2001 den Posten als Vorstandschef bei dem damals kriselnden hannoverschen Reifenproduzenten übernahm, ging es stetig bergauf. Wennemer formte aus Conti einen international agierenden Autozulieferer und fuhr Rekordergebnisse ein. Im Herbst 2003 kehrte Conti nach sieben Jahren in den Aktienindex DAX zurück.

WENNEMER HAT CONTI SANIERT

Wennemer, von Haus aus Mathematiker, hat den Autozulieferer grundlegend saniert - als nüchtern denkender Rechner. 2001 schloss Conti - tief in die toten Zahlen gerutscht - weltweit insgesamt fünf Reifenwerke, darunter auch eines in Deutschland. Seitdem baut das Unternehmen mit heute weltweit rund 70.000 Beschäftigten vor allem in osteuropäischen Billiglohn-Ländern wie Rumänien, Tschechien und der Slowakei neue Kapazitäten auf und verlegt die Produktion dorthin.

An diesem Kurs will Wennemer auch weiterhin festhalten - trotz scharfer Kritik etwa von Gewerkschaftsseite. Wennemers Überzeugung: die Lohnkosten pro Stunde in Deutschland sind zu hoch. Und gerade in der Zulieferer-Branche wird der Druck seitens der Autobauer angesichts der weiterhin schwachen Nachfrage und steigender Rohstoffpreise immer stärker.

Prognosen zufolge wird der Anteil der Bauteile in den Autos, der von Zuliefern kommt, in den nächsten Jahren deutlich steigen - damit verändert sich auch die Rolle der Zulieferer. Viele haben sich bereits von spezialisierten Anbietern einzelner Fahrzeugkomponenten zu Lieferanten kompletter Fahrwerksysteme gewandelt - wie etwa Conti.

ZULIEFERER IN DER ZWICKMÜHLE

Die Zulieferer stecken aber in einer Zwickmühle. Einerseits gibt es glänzende Wachstumsprognosen, andererseits steigen aber auch die Anforderungen und Erwartungen der Hersteller. Darum rollt derzeit eine Konzentrationswelle durch die Zuliefer-Branche: Wachsen durch zukaufen.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Übernahme von Phoenix durch Conti zu sehen. Sie steht zudem nicht zuletzt im Zeichen des Wennemerschen Kurses zur Verlagerung von Produktion ins Ausland: Phoenix habe bereits viel mehr Fabriken in Low-Cost-Standorten, als Conti mit ContiTech, war seine Argumentation./

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