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HINTERGRUND: Pokerspiel um Postbank-Börsengang - Zumwinkel musste einlenken

BONN (dpa-AFX) - Nach einem Pokerspiel bis zur letzten Minute lenktePost-Vorstandschef Chef Klaus Zumwinkel doch noch ein. Um diemilliardenschwere Börseneinführung der Tochter Postbank zu retten, gab er demDruck des Kapitalmarkts nach und verbilligte den Preis für die Aktie. Angesichtsnur spärlich gefüllter Auftragsbücher nach der zweiwöchigen Zeichnungsfristblieb Zumwinkel kaum eine andere Lösung.

BONN (dpa-AFX) - Nach einem Pokerspiel bis zur letzten Minute lenktePost-Vorstandschef Chef Klaus Zumwinkel doch noch ein. Um diemilliardenschwere Börseneinführung der Tochter Postbank zu retten, gab er demDruck des Kapitalmarkts nach und verbilligte den Preis für die Aktie. Angesichtsnur spärlich gefüllter Auftragsbücher nach der zweiwöchigen Zeichnungsfristblieb Zumwinkel kaum eine andere Lösung.

Die Alternative einer Komplettabsage des wichtigsten Börsengangs inDeutschland seit Jahren wäre für alle Seiten, auch für die Konsortialbanken, denFinanzplatz und die ohnehin gebeutelte Aktienkultur, verheerend gewesen. Auchbeim Bund, dem Großaktionär der Post, habe es "Erleichterung" gegeben, dass derBörsengang stattfinde, berichtete Zumwinkel.

ERFOLGREICHER BÖRSENGANG ERWARTET

Zumwinkel und Postbank-Vorstandschef Wulf von Schimmelmann gehen jetzt davonaus, dass die nun für diesen Mittwoch geplante Erstnotiz zu den geänderten undmarktgerechteren Bedingungen glatt und auch erfolgreich über die Bühne geht. Ausso genannten Schattenbüchern und Gesprächen mit Investoren weltweit wissenbeide, dass es zu dem niedrigeren Preis in der Spanne von 28 bis 32 Euro (zuvor31,50 bis 36,50 Euro) gewichtige Kaufinteressenten gibt.

Mit einem überraschenden Schachzug wurde außerdem das öffentlicheAktienangebot um rund ein Drittel reduziert. Anstatt 82 Millionen Aktien bringtdie Post als Eigentümerin nur noch 55 Millionen Stück direkt auf den Markt. Übereine zusätzliche Umtauschanleihe will Zumwinkel weitere Investorenkreisegewinnen und doch noch einen Gesamterlös von rund 2,6 Milliarden Euro erzielen.Der Bund wird von dem Börsengang selbst nicht profitieren, da der gesamte Erlösin die Tasche des Postkonzerns wandert. Eine Sonderausschüttung werde es nichtgeben, machte Zumwinkel klar.

KEIN RUHMESBLATT

Für den Post-Chef, gleichzeitig auch Aufsichtsratschef bei der DeutschenTelekom , ist das peinliche Rückholmanöver kein Ruhmesblatt. Seinbisher glanzvolles Image als erfolgreicher Post-Sanierer und Konzernlenker hatKratzer bekommen. Er war es, der nach Informationen aus Finanzkreisen"beratungsresistent" auf der höheren Preisspanne beharrte, und sie gegen dieKonsortialbanken und Investoren durchdrückte, die von einem niedrigerenUnternehmenswert ausgingen.

Der erfahrene Manager habe sich in der Einschätzung der Nachfrage"verschätzt" und zu sehr auf seinen hohen Preisvorstellungen beharrt, sagte derSprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), JürgenKurz. "Er hat jetzt lernen müssen, dass nicht er bestimmen kann, sondern derMarkt und die Nachfrage entscheiden."

ZUMWINKEL LEISTET ABBITTE

Zumwinkel leistete auch selbst Abbitte: "Wir haben in den Markt hineingehörtund wir haben dazu gelernt." Es sei allerdings auch so, dass man bei derschwierigen Ermittlung von Angebot und Nachfrage und diesem "harten Pokerspiel"mit großen Investoren weltweit "unterwegs nicht zucken" dürfe, versuchteZumwinkel seine Positionierung zu erklären. "Wenn man da einen niedrigeren Preisnennt, dann kommt das auch so."

Auch schon vor der kurzfristigen Preisänderung war der ganzePostbank-Börsengang bislang eine Zitterpartie und Pannenstory. Zunächstscheiterten überraschende Übernahmegespräche der Deutschen Bank , dieals Konsortialführerin Einblick in das Innerste der Postbank hatte. Dannentwickelte sich, ausgehend von Indiskretionen aus dem Haus des FrankfurterBranchenprimus, ein unsägliches öffentliches Gezerre um den Wert der Postbank.

Für viele Kleinanleger, die schon mit der früher von Zumwinkel hochgelobtenPost-Aktie deutlich im Minus liegen und sich auch bei der Telekom-Aktie betrogensehen, war dies ein zusätzliches Rotlicht, die Finger von dem Papier zu lassen.Ob sie mit der von Zumwinkel nun beschworenen "neuen Kursfantasie" zu lockensind, ist fraglich. Eine "Volksaktie" sollte das Papier nach den Erfahrungen mitder Telekom sowieso nie werden.

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