Hintergrund
Stichwort: Narkosemittel Halothan

Das Narkosemittel Halothan, das nach Ansicht des Münchner Toxikologen Prof. Ludwig von Meyer bei der gewaltsamen Beendigung der Moskauer Geiselnahme eingesetzt wurde, kann in extrem hohen Dosen zur Atemlähmung führen. Es gelangt beim Einatmen sofort ins Blut.

HB/dpa HAMBURG. Nach Auskunft von Prof. Thomas Zilker, Chef der Toxikologie im Klinikum Rechts der Isar in München, muss es sich um eine "irrwitzige Dosis" gehandelt haben. "Das fünffache der normalen Menge."

Nebenwirkungen des Mittels sind Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall und Herzrhythmusstörungen, die bei Überdosierung bis zum Herzstillstand führen können. In Deutschland wird Halothan (2- Brom-2-Chlor-Triflurethan) nach Auskunft von Prof. Hugo van Aken vom Universitätsklinikum Münster kaum noch verwendet, da es bessere Narkotika gebe.

Van Aken widersprach der Ansicht, dass Halothan im Moskauer Geiseldrama eingesetzt wurde. Halothan sei als günstiges Narkosemittel in Russland weit verbreitet. So könnten Spuren davon noch in den zur Behandlung der Patienten eingesetzten Atemgeräten gewesen sein und damit in deren Blutbahn gelangt sein. Halothan oder seine Abbauprodukte fänden sich auch im Blut aller Schwestern und Ärzte, die in russischen Operationssälen arbeiten. Der Einsatz beim Geiseldrama sei auch deswegen unwahrscheinlich, da 3 000 bis 5 000 Liter innerhalb von Sekunden verdampfen müssten, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen.

Aus den Moskauer Vorgängen ließen sich keinesfalls Hinweise auf Risiken einer Narkose ableiten, betonten deutsche Anästhesisten. Patienten stehen während einer Narkose unter permanenter Überwachung und Betreuung. Narkosegase werden exakt gemessen und individuell dosiert. Das Risiko, dass den Menschen in dieser Zeit etwas passiere sei nachweisbar geringer als das Risiko einer Autofahrt über mehrere Kilometer.

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