Hintergrund
Triebwerk: Ausfälle sind beherrschbar, Explosionen kaum

Start und Landung sind die kritischsten Momente bei jedem Flug - Unfälle auf der Strecke haben Seltenheitswert im Luftverkehr. Bei Start und Landung werden alle Systeme eines Flugzeuges - und natürlich auch die Piloten - aufs Höchste beansprucht. Das gilt im ganz besonderen Maße für die Triebwerke, die in keiner anderen Phase eines Fluges so stark gefordert werden wie in den Startminuten.

dpa HAMBURG. Jeder Materialfehler, jeder Ermüdungsbruch, jeder Haarriss oder jeder Schaden im Triebwerksinneren kann zur Katastrophe führen, wenn er nicht rechtzeitig erkannt wird. Das aber setzt systematische und regelmäßige Wartung, sorgfältige Kontrollen und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein voraus.

Rund 25 000 Einzelteile hat ein großes modernes Triebwerk, darunter über 3000 Schaufeln. Und jede dieser Schaufeln muss jahrelang einen Gasstrom aushalten, der mit über 1700 Grad Celsius mit Überschallgeschwindigkeit aus der Brennkammer tritt. Und dann dreht sich das Labyrinth der Schaufelkränze mit 10 000 Umdrehungen in der Minute. Trotzdem halten moderne Triebwerke problemlos 10 000 Stunden und mehr in dieser Hitze-Hölle aus. Das bedingt nicht nur die Verwendung hochwertigster Materialien, sondern auch eine peinlich genaue Überwachung.

Dass es trotz ausgereifter Kontrollsysteme immer wieder - allerdings erkennbar seltener - Triebwerksausfälle und sogar Zwischenfälle gibt, bei denen Triebwerke buchstäblich abbrechen, hat unterschiedliche Ursachen. Es kann selbst bei bester Kontrolle ein Schaden auftreten, der übersehen worden war. Auch können Defekte auftreten, die vorher nicht erkennbar waren - vage vergleichbar mit einem Herzinfarkt bei einem Menschen, dessen EKG zuvor anstandslos gewesen war. Welche exakten Ursachen der Absturz des Airbus in Queens vom Montag hat, ist bis zu den Ergebnissen der Untersuchungen reine Spekulation.

Ein reiner Triebwerksausfall stellt für gut ausgebildete Piloten kein ernsthaftes Problem dar, dergleichen wird im Training regelmäßig geprobt. Selbst Triebwerksbrände sind beherrschbar, das Triebwerk wird abgestellt und der Brand mittels eines speziellen Systems gelöscht. Erheblich gefährlicher wird es beim Abbruch eines Triebwerkes, im Regelfall auf Bolzenschäden zurückzuführen. Wenn dieser Bruch zu schwerwiegenden Schäden an der mit Treibstoff gefüllten Tragfläche führt, droht eine Katastrophe. Erst recht, wenn eine Triebwerksschaufel bricht und in einer Art Kettenreaktion zu einer Explosion führt.

Unfälle nach Triebwerksschäden kommen nur sehr selten vor. Dass überall und selbst in Deutschland bei den Kontrollen immer wieder mal geschludert wird, wurde vor vier Jahren offenbar. Eine führende deutsche Ferienfluggesellschaft feuerte drei leitende Mitarbeiter, weil eine Boeing 767 mit Haarrissen an der Triebwerksaufhängung weiter eingesetzt wurde und Reparaturaufforderungen seitens des Herstellers Boeing nicht befolgt worden waren.

Dass selbst die besten Fachleute nicht vor tödlichen Fehlleistungen gefeit sind, erwies sich im Juli 1994, als eine brandneue A330, das leistungsfähigste Produkt der Airbus Industrie, nahe Toulouse abstürzte. Die Testpiloten hatten den Ausfall des linken Triebwerkes während eines extremen Steigflugs simuliert, doch weil das Flugzeug nur 400 Meter hoch war, konnte die erfahrene Crew den Twinjet nach dem Unterschreiten der Mindestgeschwindigkeit nicht mehr abfangen. Keiner überlebte den Aufschlagbrand. Airbus Industrie verlor ihre erfahrensten Testpiloten.

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