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HINTERGRUND: Uneinige OPEC läuft Realität des Marktes fast machtlos hinterher

BEIRUT/WIEN (dpa-AFX) - Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez sprach nach demOPEC-Treffen von Beirut aus, was alle dachten: "Ich erwarte von dieserEntscheidung keine Auswirkungen auf die Preise". Die Ankündigung des Kartells,die Förderquoten der Organisation den tatsächlichen Fördermengen schrittweiseanzupassen, ließ zwar den Preis für OPEC-Rohöl wieder unter 36 Dollar fallen,doch die meisten Experten reagierten verhalten: "Die Analysten hatten nichtsanderes erwartet", schrieben die Öl-Berater von PVM Oil Associates in Wien amFreitag. Die OPEC will ihre Förderquote ab Juli um 2 Millionen Barrel (je 159Liter) auf 25,5 Millionen Barrel steigern. Im August soll eine weitere Anhebungum 500.000 Barrel folgen.

BEIRUT/WIEN (dpa-AFX) - Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez sprach nach demOPEC-Treffen von Beirut aus, was alle dachten: "Ich erwarte von dieserEntscheidung keine Auswirkungen auf die Preise". Die Ankündigung des Kartells,die Förderquoten der Organisation den tatsächlichen Fördermengen schrittweiseanzupassen, ließ zwar den Preis für OPEC-Rohöl wieder unter 36 Dollar fallen,doch die meisten Experten reagierten verhalten: "Die Analysten hatten nichtsanderes erwartet", schrieben die Öl-Berater von PVM Oil Associates in Wien amFreitag. Die OPEC will ihre Förderquote ab Juli um 2 Millionen Barrel (je 159Liter) auf 25,5 Millionen Barrel steigern. Im August soll eine weitere Anhebungum 500.000 Barrel folgen.

Die OPEC hat nach Meinung von Kennern mit ihrer Entscheidung ihreMachtlosigkeit und Zerstrittenheit angesichts der kritischen Lage auf deninternationalen Märkten demonstriert. "Die hohen Preise sind durch eine Reihevon Faktoren verursacht worden, über die wir keine Kontrolle haben", sagteOPEC-Präsident Purnomo Yusigiantoro - fast entschuldigend - vor der Konferenz.Nicht die OPEC, sondern die Krisenlage im Mittleren Osten, die Terrorfurcht,Engpässe in den USA, die übergroße Nachfrage in Asien und die Spekulation seienan den hohen Preisen Schuld. Im übrigen habe das Kartell die Obergrenze seinerFörderkapazität fast erreicht. Allein die weltweite Terror- Furcht, soAnalysten, ist mit bis zu acht Dollar am gegenwärtigen Ölpreis beteiligt.

Experten sehen in der Quotenerhöhung von Beirut nichts als einenhalbherzigen Kompromiss. Während vor allem die Saudis, die Emirate und Kuwaitdie Notwendigkeit niedrigerer Weltmarktpreise erkannt hätten, seien andereOPEC-Mitglieder, insbesondere Iran, Nigeria und Venezuela höchst erfreut überdie steigenden Einnahmen. Vor allem Iran, dass an der Grenze seinerFörderkapazität steht, werde schließlich nicht von der Erhöhung der Quotenprofitieren. Nur die Saudis sind technisch in der Lage, ihre Fördermenge vonüber acht Millionen Barrel pro Tag "aus dem Stand" hoch zu fahren.

Die Delegation aus Teheran sorgte schließlich auch dafür, dass sich dieSaudis mit ihrem Vorschlag, die Quoten ab sofort hoch zu setzen, nichtdurchsetzten. Hinter dem vorsichtigen Manövrieren der OPEC steht letztlich dietief sitzende Angst ihrer Mitglieder, dass eine deutliche Überproduktion am Endewieder zu einem tiefen Einbruch der Rohölpreise führen dürfte. Die jetzigeEntscheidung aber dürfte die Preise "bestenfalls" in die Nähe der 30 US DollarMarke drücken.

Langfristig aber, so gab der saudi-arabische Ölminister Ali el Naimi zubedenken, werde die OPEC nicht um eine signifikante Erhöhung ihrer Fördermengenumhin kommen. Wenn es zutreffe, dass der weltweite Öl-Verbrauch in den kommendenJahren um jährlich 1,5 Millionen Barrel wachse, müssten allein die arabischenLänder ihre Produktion bis 2025 von bisher rund 21 Millionen Barrel auf über 40Millionen Barrel täglich verdoppeln. Gegenwärtig wird die maximale Kapazität derzehn OPEC-Mitglieder (ohne den Irak) auf 29 Millionen Barrel geschätzt.Insgesamt gebe es ein weltweites Ungleichgewicht bei der Ölförderung, sagteNaimi. So verfügten die arabischen Staaten zwar über 60 Prozent der weltweitenÖlreserven, produzierten aber nur 26 Prozent des Bedarfs./fu/DP/zb

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