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Hintergrund: Was ist los mit dem Supertanker USA?

Der Wall Street ist in dieser Woche die Luft ausgegangen. Der Dow Jones Index ist am Donnerstag unter die 10.000 Punktemarke gefallen. Das war das letzte Mal Anfang April der Fall. Auch der Technologieindex Nasdaq musste deutliche Kursverluste einstecken. Über drei Prozent sackte der Index ab. Der Weg auf die Tiefstände von April scheint frei zu sein. Was ist los mit dem Supertanker USA?

Ende der vergangenen Woche hatten Börsianer bereits von besseren Zeiten geträumt. John Chambers, Firmenchef des Netzwerkkonzerns Cisco Systems, sah erste Anzeichen einer Nachfragestabilisierung. Und die Märkte sprangen zumindest für einen Tag an. Miese Wirtschaftsdaten und enttäuschende Firmenmeldungen haben in dieser Woche den Traum vom Aufschwung schnell platzen lassen.

Die Wirtschaft lahmt und die US-Konzerne müssen ihre Prognosen von Monat zu Monat weiter nach unten schrauben. Jüngste Beispiele: Das Wirtschaftswachstum verzeichnete im zweiten Quartal den geringsten Anstieg seit acht Jahren. Das Verbrauchervertrauen lag im August nicht nur unter den Erwartungen, sondern auch so niedrig, wie schon seit vier Monaten nicht mehr, Das heißt im Klartext: Langsam aber sicher werden auch die geduldigsten Amerikaner unruhig was die Genesung der US-Wirtschaft betrifft. Sinkt dann die Zuversicht in eine baldige Erholung, dürfte sich das über kurz oder lang negativ auf das Konsumverhalten auswirken. Sollte das passieren, dann dürften an den Märkten endgültig die Lichter ausgehen. Anders als in Deutschland lebt die US-Wirtschaft vor allem von der Nachfrage aus dem eigenen Land und nicht von Exporten nach Übersee. In diesem Zusammenhang wird der kommende Freitag von immenser Bedeutung sein. Dann werden nämlich die nächsten Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Im Vorfeld wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote in den USA im August um 0,1 auf 4,6 Prozent gestiegen ist. Wie gut, dass in Amerika noch vorher, am Montag, der Tag der Arbeit gefeiert wird.

Damit zum nächsten Problemfall von Corporate Amerika. Wie ein Reihe von Dominosteinen überträgt sich die Entwicklung des einen amerikanischen Unternehmen momentan auf das nächste. Probleme in der Computerbranche werden etwa umgehend auf die Chip- und Softwareindustrie übertragen. Auftragsrückgänge von Telefongesellschaften hinterlassen bei Netzwerkkonzernen ein tiefes Loch in den Auftragsbüchern.

Als augenscheinlich letztem Strohhalm greifen die Führungsetagen zu Entlassungen. Der Telekomausrüster Lucent Technologies wird sich von fast der Hälfte der Belegschaft trennen. Das Computerunternehmen Gateway will 25 Prozent der weltweiten Mitarbeiter vor die Tür setzen. Bei dem Serverhersteller Sun Microsystems werden zum Jahresende, wie in einem Kommentar so freundlich formuliert, ebenfalls weniger Menschen arbeiten als zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Doch nicht nur Technologieunternehmen schwingen den Rotstift. Traditionshäuser wie der Automobilkonzern Ford haben ebenfalls bereits Entlassungen angekündigt.

Am Donnerstag hat Sun Microsystems ein weiteres Ausrufungszeichen hinter die Probleme der Wall Street gesetzt. Der Serverhersteller rechnet vor Juni nächsten Jahres nicht mit einer Besserung des Geschäftsumfelds. Und das gelte eben nicht nur für Sun Micro sondern die gesamte Branche. Die bevorstehende Ertragswarnungssaison könnte offenbar doch noch eine Reihe unangenehmer Meldungen beinhalten. Das heißt für Investoren: den Brief mit den Depotauszügen am besten ungeöffnet zu den Akten zu legen.

Was ist aus der Triebkraft von Zins- und Steuersenkungen geworden? Die Gegenfrage könnte lauten, wo würde die Wall Street stehen, wenn Greenspan nicht sieben Mal in diesem Jahr an der Zinsschraube gedreht hätte. Und die jüngste Performance von Konsumtiteln wie Coca-Cola, Procter & Gamble oder Restaurantketten zeigt, in den USA wird weiterhin kräftig konsumiert. Und das ist zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer.

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