Hintergrund zu Jürgen Schrempp
Über das Schicksal von Jürgen Schrempp entscheidet Justitia

Krisen sind für Jürgen Schrempp (56) nichts Neues. Er war es, der im Mai 1996 den Aktionären von Daimler-Benz mitteilen musste, dass das Unternehmen im Vorjahr einen Verlust von 5,7 Mrd. DM gemacht hatte und erstmals seit 45 Jahren keine Dividende ausschüttete.

dpa STUTTGART. Und nach den Problemen mit der niederländischen Flugzeugbau-Tochter Fokker, die Schrempp als ehemaliger DASA-Chef selbst zu verantworten hatte, bekannte der Manager in einem Interview: "Glauben Sie mir, es ist recht leicht, den Hut zu nehmen. Viel schwieriger ist es, dazubleiben, Fehler einzugestehen und sie zu korrigieren. Die Defensive liegt mir nicht."

In der gegenwärtigen Krise könnte es allerdings auch anders ausgehen. Am vergangenen Samstag war Schrempp noch vorgeprescht und hatte der "Bild"-Zeitung Optimismus gepredigt, doch seit die Milliarden-Klage des Großaktionärs Kirk Kerkorian bekannt ist, hält sich Schrempp mit öffentlichen Äußerungen zurück.

Diesmal steht seine Vision eines Weltkonzerns auf dem Spiel. Der Topmanager hat es mit einer höchst unberechenbaren Institution zu tun: der amerikanischen Justiz. "Ich glaube, Schrempp brechen die letzten Stützen weg", zitiert die Tageszeitung "Detroit Free Press" einen anonymen DaimlerChrysler-Manager, der jüngst entlassen wurde. "Ich habe noch nie so viel Ungeduld mit ihm und der Situation bei Daimler-Chrysler erlebt."



Talfahrt von Daimler-Chrysler

Spätestens seit dem Frühjahr musste sich Schrempp ständig Kritik der Aktionäre am Kurs der Aktie gefallen lassen. Die Talfahrt von 79,90 Euro auf 45,25 Euro innerhalb eines Jahres könnte für einen Verfechter des so genannten Shareholder Value Grund genug für einen Rücktritt sein. Doch Schrempp kämpfte weiter. Er schloss mit dem Verkauf der Bahntechnik-Tochter Adtranz den Prozess der Konzentration auf das Kerngeschäft Auto ab und ließ sich trotz der Schwierigkeiten beim japanischen Partner Mitsubishi am 18. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse feiern, als ein britischer Journalist das Schrempp-Buch "Die Stunde des Strategen" vorstellte.

"Halten Sie sich bereit für den nächsten Band", scherzte Schrempp damals mit dem Autor. Ohne Zweifel: Was in den wenigen Wochen seither passiert ist, liefert schon genug Stoff für eine Fortsetzung. Am 30. Oktober gab Schrempp dann ausgerechnet der Zeitung, für die auch sein Biograf David Waller arbeitete, das Interview, für das er sich später mehrfach entschuldigen musste. Schrempps Gespräch mit der "Financial Times" in London wird nun in voller Länge in der Anklageschrift von Kirk Kerkorian zitiert.

Schrempp soll an dem Tag von Hiobsbotschaften aus der Chrysler - Zentrale besonders aufgewühlt gewesen sein. Er gestand in dem Interview, den Chrysler-Managern "aus psychologischen Gründen" am Anfang nicht gesagt zu haben, dass ihr Unternehmen bloß eine Abteilung des Gesamtkonzerns werden solle.

Der Ausrutscher passt zum Temperament des Managers: Niederländischen Journalisten soll Schrempp 1996 über das Fokker-Desaster ebenfalls mehr erzählt haben, als es seinen Beratern lieb war. Der "Stern" berichtete, Schrempp sei schließlich von zwei Pressesprechern von dem Termin weggetragen worden. Diesmal hielten sich die Schutzengel offenbar zurück.

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