Hintergrund
Zukunft von UMTS-Mobilfunk weiter ungewiss

Erst als multimediale Zukunft des Mobilfunks weltweit umjubelt, mit dem abrupten Ende des Telekommunikationsbooms vor zwei Jahren fast totgesagt, soll UMTS nun wiederbelebt werden - allerdings mit realistischeren Erwartungen.

Reuters HAMBURG. Der weltgrößte Hersteller Nokia präsentierte am Donnerstag sein erstes Handy der dritten Mobilfunkgeneration (3G), mit dem Fotos versendet, Musikdateien gehört, Video-Sequenzen empfangen und gleichzeitig telefoniert werden kann. Das kleine Wunderding kann zwischen dem in Europa verbreiteten GSM-Standard und dem im Aufbau befindlichen Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) umschalten. Das wird als Voraussetzung dafür gesehen, dass die nächste Handy-Generation überhaupt ausreichend Kunden findet. Denn UMTS-Netze werden derzeit nur in Ballungsräumen oder entlang wichtiger Verkehrsverbindungen aufgebaut, auf dem flachen Land muss man sich mit bisherigen Standards behelfen.

Ein Ansturm auf UMTS-Dienste ist damit aber längst nicht in Sicht. Nokia spricht zwar von einer "neuen Ära", schränkt zugleich aber ein, das neue Telefon werde nicht vor Mitte 2003 zu kaufen sein und damit wohl später als das UMTS-Handy von Konkurrent Motorola auf den Markt kommen. Als Grund für die Verzögerung führt Nokia an, die Netzbetreiber seien mit dem UMTS-Aufbau noch nicht so weit.

Die Netzbetreiber haben den UMTS-Start mehrfach mit dem Argument verschoben, die Hersteller seien nicht in der Lage, ausreichend Endgeräte zu liefern. Nach der Ersteigerung der milliardenteuren UMTS-Lizenzen vor zwei Jahren vor allem in Deutschland sind viele Mobilfunkanbieter damit beschäftigt, die Kosten in den Griff zu bekommen. Im Fall Mobilcom bedroht der hohe Schuldenstand sogar die Existenz des Unternehmens. Da ist an einen schnellen UMTS-Start nicht zu denken. Vielmehr stehen die Zeichen zurzeit eher auf Schadensbegrenzung.

Telekommunikationsexperten weisen auf ein weiteres Problem hin: Bislang fehlen die Anwendungen, von denen man einen Durchbruch der neuen Technologie erwarten kann. "Die Telekommunikationsfirmen sind sich alle nicht darüber im klaren, welche Anwendungen für den Kunden Mehrwert bringen und - viel entscheidender - für welche sie bereit sind zu zahlen", sagt Bernd Janke von der Unternehmensberatung Mummert in Hamburg.

Angebote über den als Wegbereiter für UMTS geltenden schnellen Datendienst GPRS oder der Versand multimedialer Kurznachrichten per MMS (Multimedia Messaging Service) richteten sich zurzeit vor allem an Jungendliche oder junge Erwachsene. Die aber seien nicht finanzkräftig genug, damit sich das sehr viel teurere UMTS für Anbieter lohne. Geeignete Angebote für Geschäftsleute existierten noch gar nicht, sagt Janke. Kritiker indes halten zumindest GPRS generell für viel zu teuer.

Als "ersten Schritt" zur Ausweitung des Angebots auf andere Zielgruppen bezeichnet Janke den Erwerb der Mobilfunkrechte an der Fußball-Bundesliga durch das Telekommunikationsunternehmen Vodafone. Vodafone D2 kann damit Text- und Bildnachrichten über die wichtigsten Spielszenen wenige Augenblicke nach dem Geschehen per Handy anbieten.

Janke zufolge haben die hohen Lizenzausgaben für die deutschen UMTS-Lizenzen auch eine gute Seite: Damit gehöre Deutschland neben Großbritannien und Skandinavien zu den europäischen Ländern, in denen der UMTS-Aufbau am weitesten fortgeschritten sei. Die hohen Investitionen sorgten dafür, dass UMTS dort auch am ehesten eingeführt werde, sagt Janke.

Von den sechs UMTS-Lizenzinhabern dürften nach seiner Einschätzung T-Mobile (D1) und Vodafone D2 die Nase vorn haben. E-Plus sei durch den "Flopp" seines i-mode-Angebots gelähmt, bei O2 (vormals Viag Interkom) habe die Trennung von Mobilfunk- und Festnetzgeschäft durch die Muttergesellschaft British Telecom die UMTS-Entwicklung behindert. Beim kleinsten deutschen Anbieter Quam stoppte die Muttergesellschaft Telefonica ihr Geschäft in Deutschland. Und Mobilcom ringt ums Überleben.

Analyst Peter Wirtz von West-LB Panmure erwartet ohnehin, dass eine ausreichende Zahl UMTS-Handys erst Mitte bis Ende nächsten Jahres zur Verfügung steht. "Die Träume, die man mit UMTS hatte, sind Realismus gewichen." Zurzeit sei UMTS kein Thema, sondern der schnelle Datendienst über GPRS und MMS-Kurznachrichten. Das Weihnachtsgeschäft werde zeigen, wie sich dieser Markt weiter entwickele. Der UMTS-Markt werde nicht vor 2004 interessant, sagt Analyst Karri Rinta von der finnischen Evli Bank.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%