Hintergrund zum Streit zwischen Springer und Kirch
Schlussgefechte im Rosenkrieg

Die große Liebe hat es in der Ehe zwischen dem Springer Verlag und Leo Kirch nie gegeben. Von Anfang an ging Springer das Bündnis mit Kirch nur widerwillig ein. Nach fast zwei Jahrzehnten mit Höhen und Tiefen zieht sich nun auch das Scheidungsdrama in die Länge.

HB/dpa MÜNCHEN. Vor Gericht und auf zwei Springer- Hauptversammlungen lieferten sich die Partner noch einmal einen Rosenkrieg. Auf einem außerordentlichen Aktionärstreffen in Berlin warf Leo Kirch Verlegerwitwe Friede Springer am Dienstag eine Mitschuld am Untergang seines Lebenswerks vor.

Angefangen hatte das Verhältnis im Jahr 1985. Kirch kaufte 10 Prozent der Anteile am Springer-Verlag und hatte damit den Fuß in der Tür. Die Partner vereinbarten eine enge Kooperation. Gemeinsam mit anderen Verlagen bauten sie mit Sat.1 den ersten kommerziellen Fernsehsender auf. Auch später suchten sie nach Synergien zwischen den Springer-Zeitungen ("Bild", "Welt") und Kirchs wachsendem Fernsehimperium.

Das Verhältnis kühlte schnell ab. Ende der 80er Jahre kam es zum ersten großen Streit. Über Treuhänder kaufte Kirch heimlich weitere Anteile an Springer auf. Der Springer-Aufsichtsrat verweigerte die Anerkennung, die bei vinkulierten Namensaktien erforderlich ist. Die "Bild"-Zeitung schrieb 1989 in eigener Sache: "Wir brauchen Leo Kirch und seinen Anhang nicht. Keiner der Journalisten dieses Hauses will Kirch." Leo Kirch zog vor Gericht und forderte die Anerkennung seiner Aktien. Es folgte eine Prozesslawine gegen führende Springer-Manager.

Anfang der 90er Jahre einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss. Springer erkannte eine 25 Prozent-Beteiligung Kirchs offiziell an und ermöglichte ihm den Einzug in den Aufsichtsrat. Im Gegenzug konnte die Springer-Erbengemeinschaft mit Kirchs Hilfe erstmals die Mehrheit an dem Verlag erwerben. In den Jahren darauf stockte Kirch seinen Anteil in mehreren Schritten auf 40 Prozent auf. Diese Beteiligung mit einem Wert von bis zu einer Milliarde Euro galt als ein Filetstück im Kirch-Imperium.

Nach einem Jahrzehnt relativer Ruhe brach der schwelende Konflikt Anfang dieses Jahres schlagartig wieder aus. Am 30. Januar kündigte Springer an, seinen Anteil an Kirchs Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 an Kirch verkaufen zu wollen und forderte dafür 767 Millionen Euro. Da Leo Kirch dieses Geld nicht hatte, verschärfte sich die Finanzkrise des Kirch-Konzerns massiv. In Branchenkreisen wurde vermutet, dass Springer-Chef Mathias Döpfner möglicherweise die Gelegenheit nutzen wollte, den ungeliebten Großaktionär endlich los zu werden.

Kirchs Medienimperium ging wenige Monate später pleite. Das Ehedrama mit Springer hielt aber an. Kirch gab Springer eine Mitschuld an der Insolvenz und drohte mit einem Verkauf seines Pakets an den Essener WAZ-Konzern. Dies wollte Springer um jeden Preis verhindern und durchkreuzte Kirchs Pläne mit Hilfe einer Gerichtsentscheidung. Mittlerweise hat die Deutsche Bank das Sagen über Beteiligung. Nun zeichnet sich ein Verkauf des Pakets an den Schweizer Medienkonzern Ringier ab. Damit wären dann wohl beide Seiten zufrieden: Springer wäre Kirch los und hätte seinen Wunschpartner Ringier im Boot. Und Leo Kirch könnte als Belohnung von seinen Gläubigerbanken mit einer millionenschweren Provision rechnen.

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