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Hintergurnd: General Motors steckt weltweit in der Klemme

Der weltgrößte Autohersteller General Motors Co. (GM) steckt weltweit in der Klemme. Nicht nur in Europa kämpft GM mit tiefroten Zahlen - auch auf dem Heimatmarkt sieht sich der Konzern einer ganzen Problemserie gegenüber.

dpa-afx NEW YORK. Der weltgrößte Autohersteller General Motors Co. (GM) steckt weltweit in der Klemme. Nicht nur in Europa kämpft GM mit tiefroten Zahlen - auch auf dem Heimatmarkt sieht sich der Konzern einer ganzen Problemserie gegenüber. Vor diesem Hintergrund hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S & P) soeben das Rating für die 277 Mrd. Dollar GM-Gesamtschulden von "BBB" auf "BBB Minus" gesenkt. Unterhalb dieser Marke geht es ins spekulative Feld. Je schlechter das Rating, um so teurer wird die Kreditbeschaffung.

S & P begründete die Herabstufung mit wachsender Skepsis über das Gewinnpotenzial des GM-Autogeschäftes. Die Verluste in Europa beschleunigen sich nach Einschätzung von S & P. Aus Analystensicht müsse man sich fragen, ob die geplanten jährlichen Kostensenkungen von 600 Mill. Dollar (rd. 500 Mill. Euro) überhaupt ausreichen, sagte S & P-Kreditanalyst Scott Sprinzen der Nachrichtenagentur dpa. Er bezweifelt allerdings nicht, dass es GM mit den Restrukturierungen in Europa ernst meint.

Google IST AN DER Börse Doppelt SO Viel Wert

Die GM-Aktien notieren momentan mit 38,43 Dollar, 30 Prozent niedriger als noch im Januar. Der weltgrößte Autokonzern ist damit gemessen am Gesamtwert seiner Aktien nur noch rund 21,7 Mrd. Dollar wert. Die Aktien der Internet-Suchmaschinenfirma Google sind hingegen nach ihren jüngsten erfolgreichen Börsengang mit rund 39 Mrd. Dollar insgesamt fast doppelt so viel wert.

Neben den Problemen in Europa - drastische Überkapazitäten und anhaltend rote Zahlen - sehen Experten auch in Nordamerika anhaltende Wettbewerbsnachteile. Der Marktanteil sei in diesem Jahr trotz "aggressiver Discounts, verstärkten Verkäufen an die Mietwagenflotten und früheren Bemühungen für ein verbessertes Produktangebot leicht gefallen", sagte Sprinzen. Der Höhenflug der Ölpreise verstärke das Risiko eines Marktwandels weg von Geländewagen und Pickups, die einen stark überproportionalen Anteil am GM-Autogewinn hätten.

'Keine Befriedigenden Gewinne IN Nordamerika' - S & P-Analyst

"Selbst mit robusten nordamerikanischen Verkaufszahlen der Autobranche konnte GM in den vergangenen Jahren keine befriedigenden nordamerikanischen Gewinne verbuchen", betonte der Analyst. Was bei GM geschieht, wenn es mit der US-Konjunktur und dem Autoabsatz dort schlechter wird, das fragen sich viele Autofachleute. Toyota, Honda und Nissan und andere Anbieter aus Fernost bedrängen GM bei den PKW und inzwischen auch zunehmend bei den lukrativen "leichten Trucks", sprich Geländewagen, Pickups und Minivans. Die Europäer und Japaner dominieren den nordamerikanischen Luxuswagenmarkt noch immer, obwohl die GM-Luxusmarke Cadillac in den letzten Jahren aufgeholt hat. Die GM-Nettomargen im Autosektor dürften laut Sprinzen 2004 in der Region nur bei einem Prozent liegen.

Steigende Krankenversicherungskosten und Rohstoffpreise seien weitere Herausforderungen. GM sei bis vor kurzem in China sehr profitabel gewesen. Die Gesellschaft leide dort jedoch unter einem raschen Nachfragerückgang, der die gesamte Branche erfasst habe. Dieser Rückgang könne allerdings temporär sein. Es investierten jedoch Autohersteller aus aller Welt in China.

Milliardenloch IN DER Pensionskasse

Die weltweiten GM-Pensionskassen seien Ende 2003 noch mit 8,6 Mrd. Dollar zu niedrig ausgestattet gewesen. Die Lücke bei den Krankenversicherungs-Verpflichtungen für die GM-Pensionäre bezifferte S & P auf rund 57 Mrd. Dollar.

Die ganz große GM-Stütze ist die mit Rekordgewinnen operierende GM-Finanztochter Gmac. Sie könnte nach S & P-Schätzungen 2004 ihren Gewinn von 2,8 Mrd. Dollar aus dem Jahr 2003 erreichen oder übertreffen.

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