Hintertür beim Atomausstieg bleibt offen
Stromkonzerne billigen Energiekompromiss

Die deutschen Stromkonzerne stimmen nach langem Ringen zähneknirschend der Vereinbarung mit der Bundesregierung zur Kernenergie zu, lassen sich jedoch beim Atomausstieg die Hintertür für künftige Entwicklungen offen.

afp DÜSSELDORF. Der Düsseldorfer Eon-Konzern billigte einen Tag vor der geplanten Unterzeichnung die Atom-Vereinbarung als "pragmatischen Kompromiss". Sie sei aber "kein Energiekonsens", hieß es am Sonntag zugleich einschränkend. Auch werde dem Ausstiegsziel der Bundesregierung von den Energieversorgern darin "nicht zugestimmt".

Der Essener RWE-Konzern nannte den geplanten langfristigen Ausstieg aus der Kernenergie "sehr schmerzlich für die Unternehmen". Doch gebe es "unter den gegenwärtigen politischen Konstellationen keine Alternative", sagte der Vorstandschef der RWE Power AG, Gert Maichel, der "Welt am Sonntag".

Atomausstieg ist nicht zwingend endgültig

Zugleich machte der RWE-Manager deutlich, dass er den Atomausstieg nicht zwingend für endgültig hält. "In einer demokratischen Gesellschaft wie Deutschland ist nichts unumkehrbar, außer den in der Verfassung festgelegten Grundwerten", ließ Maichel einen Wiedereinstieg unter veränderten politischen Bedingungen offen. Der RWE-Power-Chef verwies zudem auf die deutsche Isolation in Atomstrom-Angelegenheiten. Weltweit wachse die Stromerzeugung aus Kernenergie. "Ich kann nicht erkennen, dass unser Beispiel international Schule machen wird", sagte Maichel.

Sowohl Eon als auch RWE begründeten ihre Billigung der Vereinbarung mit positiven Seiten des Kompromisses. "Die Bundesregierung hat uns den ungestörten Betrieb und die Entsorgung unserer Kraftwerke auf lange Sicht zugesichert", betonte Maichel, der auch Präsident des Deutschen Atomforums ist. Für die Branche bedeute dies "das Ende unkalkulierbarer und großer wirtschaftlicher Risiken." Eon unterstrich, bei dem Kompromiss stehe einer "wirtschaftlich vertretbaren Befristung" der Laufzeit der Atomkraftwerke "die Zusage des ungestörten Betriebs der Anlagen gegenüber.

Die Aufsichtsräte der Eon AG und der Eon Energie AG hätten der Vereinbarung am Sonntag auch im Hinblick auf den vom Bundesumweltministerium vorgelegten Entwurf zur Atomgesetznovelle zugestimmt, hob der Düsseldorfer Konzern weiter hervor. Dieser entspreche jetzt Inhalt und Geist der Vereinbarung und damit stehe einer Unterzeichnung der Vereinbarung "nichts mehr im Wege", wurde betont.

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