Hinweise verdichten sich
BND rechnet mit El-Kaida-Anschlag

Der Bundesnachrichtendienst rechnet mit einem größeren Anschlag der Terrororganisation El Kaida. Dabei geht der Geheimdienst nach Angaben seines Präsidenten August Hanning weiter von einer "höheren Gefährdung auch hier in Deutschland" aus. Hanning verwies in der ZDF-Sendung "Frontal 21" am Dienstag (Sendezeit 21.00 Uhr) auf Äußerungen des Stellvertreters von Terroristenführer Osama bin Laden, Ayman al Zawahiri.

HB/ddp BERLIN. Dieser hatte Anfang Oktober Deutschland als Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg bezeichnet und angekündigt, die "Dosis für Frankreich und Deutschland" gegebenenfalls zu erhöhen. Über mögliche konkrete Ziele oder Zeitpunkte von Anschlägen in der Bundesrepublik machte Hanning keine Angaben. Der BND-Chef: "Wenn sie sich die Zeitläufe früherer Anschläge anschauen, (...) so ist in der Tat die Befürchtung sehr konkret, dass wir mit einem neuen Anschlag rechnen müssen, einem Anschlag auch größerer Dimension." Dabei sei nicht davon auszugehen, dass El Kaida Atomwaffen einsetzen könne. Es sei aber nicht auszuschließen, dass sie so genannte schmutzige Bomben einsetzten.

Als Quelle der BND-Informationen nannte Hanning die "Kollegen in den USA", deren Einschätzung vom deutschen Geheimdienst geteilt werde. Gefährdet sind nach den Worten des BND-Chefs vor allem Touristenzentren. Entsprechende Informationen habe es "in den letzten Monaten mehr und mehr" gegeben. Als Beispiele für gefährdete Gebiete nannte Hanning Indonesien, Thailand und die Philippinen. Die Gefahr von Anschlägen gelte auch für die westlichen Truppen in Afghanistan. Es gebe Hinweise, dass die Internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF, an der auch deutsche Soldaten beteiligt sind, möglicherweise angegriffen werde.

Der BND gehe davon aus, dass bin Laden "nicht nur lebt, sondern dass er auch agiert", wird Hanning zitiert. Er gehe sehr konspirativ vor, werde sehr gut geschützt und tue alles, um den Nachstellungen westlicher Behörden zu entgehen. Er habe zahlreiche Helfer, agiere in sehr schwer zugänglichen Regionen und wechsele seine Aufenthaltsorte. Aus der Grenzregion heraus organisiere bin Laden einen Guerillakrieg in Afghanistan. Auch die Anschläge in Indonesien seien von El Kaida geplant und koordiniert worden. Hanning plädierte dafür, auch nach zivilen Strategien im Kampf gegen den Terrorismus zu suchen. Langfristig werde man sich viel stärker mit den Wurzeln des Terrorismus auseinander setzen müssen, mit den sozialen Problemen, mit den Fragen der Globalisierung und mit den schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen, wird der BND-Chef zitiert.

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